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TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN

ZUR GESCHICHTE DER

ALTCHRISTLICHEN LITERATUR

ARCHIV FÜR DIE VON" DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION

DER PREUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER

HERAUSGEGEBEN VON

ADOLE von HAMACK und CARL SCHMIDT

DRITTE REIHE, DREIZEHNTER BAND DER ganzen REIHE XLIII. band

LEEPZIG .1. C. HINRICHS'sche BUCHHANDLUNG

1919

GESPRÄCHE JESU MIT SEINEN JÜNGERN NACH DER AUFERSTEHUNG

EIN KATHOLISCH-APOSTOLISCHES SENDSCHREIBEN DES 2. JAHRHUNDERTS

NACH EINEM KOPTISCHEN PAPYRUS

DES INSTITUT DE LA MISSION ARCHEOL. FRANC AISE AU CAIEE

UNTER MITARBEIT VON HERRN PIERRE LAOAU

DERZEITIGEM GENERALDIREKTOR DER ÄGYPT. MUSEEN

HERAUSGEGEBEN, ÜBERSETZT UND UNTERSUCHT NEBST DREI EXKURSEN

VON

CARL SCHMIDT

MIT LICHTDRUCK-FAKSIMILE DER HANDSCHRIET ÜBERSETZUNG DES ÄTHIOPISCHEN TEXTES

VON

De. ISAAK WAJNBERG

LEIPZIG J. C. äINRIGHS'scHE RUCHHANPLUNG

1919

Texte u. Untersuchungen etc. Hrsg. v. Adolf von Harnaek u. Carl Schmidt. 43

Verlag der J. C. HINRICHS'schen Buchhandlung in Leipzig.

TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN ZUR GESCHICHTE DER

ALTCHRISTLICHEN LITERATUR

ARCHIV FÜR DIE GRIECHISCHEN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER

DER ERSTEN DREI JAHRHUNDERTE

Herausgegeben von O. von Gebhardt (f), A. von Harnack und C. Schmidt.

Inhalt der Dritten Reihe Bd. 31 u. ff.

Baehrens, W. A. : Überlieferung u. Textgeschichte der latein. erhaltenen Origeneshomilien zum Alten Testament. VIII, 257 S. 191G. (Bd. 42, 1)

M. 9.50

Barth, Carola: Die Interpretation des Neuen Testaments in der Valentinianischen Gnosis. IV, 118 S. 1911. (Bd. 37, 3) M. 4

Bidez, Joseph: La tradition manuscrite de Sozomene et la tripartite de Theodore le Lecteur. IV, 98 S. 1908. (Bd. 32, 2b) M. 4

Bill, A.: Zur Erklärung und Textkritik des 1. Buches Tertullians „Adversus Marcionem". IV, 112 S. 1911. (Bd. 38, 2) M. 3.51

Bonwetsch, G. N.: Die unter Hippolyts Namen überlieferte Schrift über den Glauben. Nach einer Übersetzung der in einer Schatberder Handschrift vorliegenden georgischen Ver- sion. 36 S. Koch, H.: Vincenz von Lerin und Gennadius. Ein Beitrag zur Literatur- geschichte des Semipelagianismus. 22 S. Koch, H. : Virgines Christi. Die Gelübde der gottgeweihten Jungfrauen in den ersten drei Jahrhunderten. 54 S. 1907. (Bd. 31, 2) M. 3.50

Bretz, A. : Studien und Texte zu Asterios von Amasea. IV, 124 S. 1914. (Bd. 40, 1) M. 4

Dobschütz,E.v.:DasDecretumGelasianumdelibris reeipiendis et non reeipiendis. In kritisch. Text hrsg. u. untersucht. VIII, 362 S. 1912. (Bd. 3«, 4)

M. 13.50

Dombart, B. : Zur Textgeschichte der Civitas Dei Augustins seit dem Entstehen der eisten Drucke. IV, 56 S. 1908. (Bd. 32, 2a) M. 2

Qanschinietz, Rchd. : Hippolytos' Capitel gegen die Magier. Refut. Haer. IV, 28—42. 77 S. 1913. (Bd. 39, 2) M. 2.50

Gebhardt, 0. v. : Die Akten der edessenischen Bekenner Gurjas, Samonas und Abibos. Aus dem Nachlaß von 0. v. G. herausgeg. von Ernst von Dobschütz. LXVIII, 264 S. 1911. (Bd. 37, 2) M. 12

Haase, Felix : Zur bardesanischen Gnosis. Lite- rarkritische u. dogmengeschiehtliche Unter- suchungen. III, 98 S. 1910. (Bd. 34,4) M.3

Harnack, A. v.: Ein Jiidisch-Christl. Psalmbuchaus dem 1. Jahrhundert. fThe ödes of Solomon, uow ftrst published from the Syriac Version by J. Rendel Harris, 1909.] Aus demSyr. übers, von Jjh. Flemming, bearb. u. hrsg. v. Adolf von Harnack. VII, 134 S. 1910. (Bd. 35, 4) M. 4.50

Harnack, A. v.: Kritik des Neuen Testamentes von einem griech. Philosophen d. 3. Jahrhunderts [die im Apocriticus des Macarius Magnes enthaltene Streitschrift]. IV, 150 S. r.m. (Bd. 37, 4) M. 5

Der Scholien-Kommentar des Origenes zur Apokalypse Johannis. Nebst einem Stück aus Irenäus, üb. V, graeee. Entdeckt und hrsg. von C. Diobouniotis u. A. v. Harnack. IV, 88 S. 1911. (Bd. 38, 3) M. 3

Das Leben Cyprians von Pontius. Die erste christliche Biographie. VI, 114 S. 1913. (Bd. 39, 3) M. 4

Ist die Rede d. Paulus in Athen ein ursprüng- licher Bestandteil der Apostelgeschichte? Judentum und Judenchristentum in Justins Dialog mit Trypho, nebst einer Collation der Pariser Handschrift Nr. 450. IV, 98 S. 1913. (Bd. 39, 1) M. 3

Der kirchengeschichtliche Ertrag der exe- getischen Arbeiten des Origenes. I. Teil: Hexateuch und Richterbuch. Die Ter- minologie der Wiedergeburt und verwandter Erlebnisse in der ältesten Kirche. III, 9G u. 47 S. 1918. (Bd. 42,3) M. 13.20 (kein Teuerungs- zuschlag)

Der kirchengescliichtliche Ertrag der exege- tischen Arbeiten des Origenes. II. Teil : Die beiden Testamente mit Ausschluß des Höxateuchs und des Richterbuclis. (Im Druck.)

Hautsch, Ernst: Die Evangelienzitate des Ori- genes. IV, 169 S. 1909. (Bd. 34, 2a) M. 5.50

Heikel, I. A. : Kritische Beiträge zu den Con- stantin-Schriften des Eusebius (Eusebius Werke Bd. 1.) III, 100 S. 1911. (Bd. 36, 4)

M. 3.50

Heintze, W. : Der Clemensroman u. seine griech. Quellen. VI, 144 S. 1914. (Bd. 40, 2) M. 5

Heilmann, S.: Pseudo-Cyprianus de XII abusi- vis saeculi. IV, 62 S. Sickenberger, J. : Fragmente der flomilien des Cyrill von Alex, zum Lukasevangelium. 46 S. 1900 (Bd. 34, 1) M. 3.50

Heussi, Karl: Untersuchungen zu Nilus dem Aske- ten. IV, 172 S. 1917. (Bd. 42, 2) M. 6.50

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»

Texte u. Untersuchungen etc. 36, 3.

Verlag: J. C. Hinrichs, Leipzig.

EPISTOLA APOSTOLORUM

Hrsg. von CARL SCHMIDT

GESPRÄCHE JESU MIT SEINEN JÜNGERN NACH DER AUFERSTEHUNG

EIN KATHOLISCH-APOSTOLISCHES SENDSCHREIBEN DES 2. JAHRHUNDERTS

NACH EINEM KOPTISCHEN PAPYRUS

DES INSTITUT DE LA MISSION ARCHEOL. FRANCAISE AU CAIRE

UNTER MITARBEIT VON HERRN PIERRE LAC AU

DERZEITIGEM GENERALDIREKTOR DER AGYPT. MUSEEN

HERAUSGEGEBEN, ÜBERSETZT UND UNTERSUCHT NEBST DREI EXKURSEN

VON"

CARL SCHMIDT

MIT LICHTDRUCK-FAKSIMILE DER HANDSCHRIFT ÜBERSETZUNG DES ÄTHIOPISCHEN TEXTES

TON"

Dß. ISAAK WAJNBERG

LEIPZIG

J. C. HINRICHS'sche BUCHHANDLUNG

1919

OCT 1 i 1957

TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN

ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION

DER KGL. PREUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER

HERAUSGEGEBEN VON ADOLF VON HARNACK UND CARL SCHMIDT

3. REIHE 13. BAND

DER GANZEN REIHE 43. BAND

Dr.ur-k von August Pries in Leipzig

DEB HOCHWÜRDIGEN

THEOLOGISCHEN FAKULTÄT ZU HEIDELBERG

ZUM DANK FÜR DIE IHM VERLIEHENE WÜRDE EINES DOKTORS DER THEOLOGIE

IN EHRERBIETUNG GEWIDMET

TOM

VERFASSER

Vorwort.

Leider muß ich das Vorwort mit einer Klage über die lange Verzögerung der Herausgabe des Werkes beginnen. Fast zehn Jahre liegen seit Beginn der Drucklegung zurück; zu- weilen hatte es den Anschein, als ob die Publikation noch auf Jahre hinaus verschoben werden sollte. Denn der Weltkrieg, welcher mich am Schlüsse einer Expedition nach dem Sinai- kloster an der Küste überraschte, raubte nicht nur die Arbeits- kräfte für die Drucklegung, sondern lähmte in noch höherem Maße meine Schaffensfreudigkeit, da in seelischer wie in physi- scher Hinsicht des öfteren die Spannkraft des Geistes und des Körpers versagen wollte. Deshalb muß ich die Leser um Nach- sicht bitten, sollten nicht alle Teile des Werkes gleichmäßig ausgefallen sein, zumal da größere Zeiträume zwischen der Aus- arbeitung einzelner Teile liegen l.

Die Arbeit ist gegen meinen Willen viel umfangreicher ausgefallen, als ich ursprünglich geplant hatte, sind doch noch drei Exkurse hinzugekommen. Andererseits hatte ich beabsich- tigt, eine kurze Studie über die zweite neben der Epistola in der Guerrier'schen Publikation enthaltene Apokalypse im An- hange zu veröffentlichen, aber ich habe diese unterlassen und hoffe, daß die Untersuchung von anderer Seite später aufgenom- men wird. Es handelt sich dabei in erster Linie um die Frage nach dem Verhältnis der apokalyptischen Offenbarungen über die verschiedenen Provinzen des Ostens S. 54* ff. und der Be- schreibung des Antichrist S. 61* f. zu dem in dem Testamentum Domini nostri (ed. Kahmani p. XIV sq.) erhaltenen Stücke, spe- ziell ob eine der beiden Abhandlungen die andere benutzt hat oder ob beide aus einer gemeinsamen Quelle geschöpft haben.

1) Ich bitte die Berichtigungen S. 81* zu beachten.

.13

VI Vorwort.

Wenn ich zum Schluß meinem Werke noch ein Geleitwort auf den Weg geben darf, so möchte ich darauf hinweisen, daß es, wie das Titelblatt zeigt, ein Dokument der angeregten inter- nationalen Cooperation vor dem Völkerkriege bildet. Ich durfte mich der Mitarbeit des Agyptologen Pierre Lacau, des heutigen Generaldirektors der ägyptischen Museen, erfreuen und zu ebenso großem Danke bin ich und die Wissenschaft dem Abbe Guerrier verpflichtet, der den äthiopischen Text aus der Verborgenheit gezogen und dadurch eine umfassende Untersuchung des lücken- haft erhaltenen koptischen Textes ermöglicht hat. Wahrschein- lich wäre mir diese Publikation entgangen oder wenigstens zu spät in meine Hände gelangt, wenn nicht Herr Montague Rhodes James mich in liebenswürdiger Weise auf einen Artikel von Herrn Guerrier aufmerksam gemacht hätte. So konnte Herr Dr. Wajnberg aus Warschau eine erneute Übersetzung des äthiopischen Textes vorlegen, und auf der anderen Seite haben die Wiener Gelehrten Bick und Hauler ein lateinisches Palimp- sestfragment beigesteuert. Niemals hätte also die vorliegende Publikation ohne jene tatkräftige Unterstützung dieser auswär- tigen Gelehrten diejenige Gestalt erhalten, in der ich sie heute der gelehrten Welt vorlegen kann. Die Fäden, welche uns mit der westeuropäischen Wissenschaft verbanden, sind seit fünf Jahren abgerissen, aber ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, daß dieses Band doch wieder einmal angeknüpft wird. In dieser Aussicht wage ich mein Werk der internationalen Wissenschaft zu überreichen und ihrem Urteile zu unterbreiten.

Berlin, im Juni 1919.

Carl Schmidt.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

Vorwort V

Einleitung 1

I. Die handschriftliche Überlieferung 4

1. Beschreibung der koptischen Handschrift 4

2. Die äthiopische Überlieferung 6

3. Die lateinische Überlieferung 20

I]. Übersetzung des äthiopischen und koptischen Textes ... 23

Untersuchungen

I. Titel und Umfang des Werkes 156

II. Integrität des Textes 177

III. Adresse und Zweck der Epistola 181

IV. Stellung zum A. und N. Testament 208

V. Die Autoritäten 250

VI. Vorstellungen von Gott 258

VII. Christologie 264

VIII. Soteriologie 304

IX. Eschatologie 336

!X. Benutzung der Schrift 357

XI. Ort und Zeit der Epistola 361

Exkurs I: Der Gnostiker Kerinth. Die Aloger 403

Exkurs II: Der Descensus ad inferos in der alten Kirche . . . 453

Exkurs UI: Die Passahfeier in der kleinasiatischen Kirche . . . 577

Anhang zu Exkurs I 726

Koptischer Text 1*

Indices 27

A. Index der koptischen AYörter 27*

B. Index der griechischen Wörter 41*

Apokalyptische Rede Jesu an seine Jünger in Galiläa . . 48*

Namen- und Wortregister 67*

Berichtigungen 81*

Einleitung.

Die vorliegende Publication ist von mannigfachen Schick- salen schon vor ihrem jetzigen Erscheinen begleitet gewesen. Bereits im J. 1S95, als ich als Stipendiat des Kaiserlich Archäo- logischen Instituts in Ägypten weilte, endeckte ich auf dem Institut de la Mission Archeologique Franeaise au Caire die koptische Papyrushandschrift und legte einen kurzen Bericht über ihren Inhalt der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften in den Sitzungsberichten der phil.-hist. Classe vom 20. Juni (Eine bisher unbekannte altchristliche Schrift in koptischer Sprache, S. 705 ff.) vor. Damals konnte ich nicht ahnen, daß die in Aussicht gestellte Publication fast zwei Jahr- zehnte auf sich warten lassen würde. Die Ursache für diese unliebsame Verzögerung waren verschiedener Natur. Zunächst war durch den Tod von Herrn Bouriant, dem damaligen Leiter des Instituts, der mir die Benutzung und Bearbeitung des Textes in gewohnter Liberalität gestattet hatte, ein weiteres Studium hinausgeschoben; erst später wurde mir dank der liebenswürdigen Vermittlung von Herrn Gaston Maspero, dem Generaldirektor der ägyptischen Museen, durch Herrn Chassinat, dem nach- folgenden Direktor des Instituts, der ehrenvolle Auftrag zuteil, in Gemeinschaft mit dem hervorragenden Agyptologen Pierre Lacau eine wissenschaftliche Veröffentlichung für die Texte und Untersuchungen in die Hand zu nehmen. Auch wurde mir dank der nie versagenden Unterstützungsbereitschaft von Exzellenz Harnack, dem Vorsitzenden der Kirchenvätercommission, die Möglichkeit gegeben, zu verschiedenen Zeiten das Ms. an Ort und Stelle einzusehen. Bei meiner Arbeit fand ich in Herrn Lacau einen unermüdlichen und überaus schätzenswerten Mit- arbeiter. Seinen Nachforschungen in den Räumen des Instituts verdanken wir es, daß außer umfangreichen Fragmenten zu vier

T. u. ü. 'H: Schmidt-Wajnberg. 1

9 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

bereits vorhandenen Blättern noch ein fast ganz erhaltenes neues Blatt und Stücke eines anderen Blattes ans Tageslicht gezogen wurden. Zu meinem lebhaften Bedauern mußte Herr Lacau in- folge Überbürdung mit anderweitigen wichtigen Publicationen auf ägyptologischem Gebiete die philologische Bearbeitung des koptischen Textes, wie sie ursprünglich geplant war, aufgeben. Jedenfalls hat sich Herr Lacau um die Constituierung des zum Teil lückenhaft überlieferten Textes mannigfache Verdienste er- worben, so daß die Publication als eine gemeinsame angesehen werden darf. Auf der anderen Seite freilich schien die Ver- öffentlichung dieser altchristlichen Schrift ein Wagnis zu sein, da sie von jeder anderweitigen Überlieferung verlassen war; nirgendswo lag ein Zitat vor, das eine Identifizierung ermög- lichte und eine Handhabe zu einer sicheren Bestimmung der Zeit und des Entstehungsortes bot. Und ich fürchte, wäre so- fort eine Publication erfolgt, man hätte das Werk für ein Provinzialerzeugnis der Kirche Ägyptens oder für ein gnosti- sches Geistesprodukt erklärt und im übrigen eine eingehendere Beschäftigung für unnötig erachtet. Nur Harnack lenkte die Aufmerksamkeit der Theologen auf den eigentümlichen Auf- erstehungsbericht in der Abhandlung: „Ein jüngst entdeckter Auferstehungsbericht" (Theol. Studien für Bernh. Weiß, Götf. 1S97 S. 5 ff.), und auch E. Hennecke nahm kurze Notiz davon in den Neutestamentl. Apokryphen 1, 38. Auf letztere Notiz stieß durch einen glücklichen Zufall Herr Bick, Bibliothekar an der k. k. Hof bibliothek zu Wien, als er bei der Bearbeitung der dort vorhandenen Palimpseste in dem Codex Palat. Vindobo- nensis 16, olim Bobbiensis, ein Blatt mit einem lateinischen Texte theologischen Inhalts endeckte und den entzifferten Text identifizieren wollte. Ich konnte seine Entdeckung nur bestä- tigen und im Anschluß an seine Publication: Wiener Palimpseste, I. Teil: Cod. Palat. Vindobonensis 16, olim Bobbiensis (Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. in Wien, phil.-hist. Klasse, 159. Band, 7. Abteil.) den Fund näher beleuchten in meiner Abhandlung: ..Eine Epistola apostolorum in koptischer und lateinischer Über- lieferung" (Sitzungsb. d. Königl. Preuß. Akad. d. Wissensch. 1908, S. 1047 ff.). In Anschluß an diese Arbeiten unterzog der be- kannte Palimpsestforscher Dr. Hauler in Gemeinschaft mit Bick das vorhandene Stück einer erneuten sorgfältigen Untersuchung

Einleitung. 3

und legte die Kesultate seiner erfolgreichen Bemühungen in einer besonderen Abhandlung vor: „Zu den neuen lateinischen Bruchstücken der Thornasapokalypse und eines apostolischen Sendschreibens im Codex Vind. Nr. 16" (Wiener Studien, 1908, Bd. XXX. S. SOS ff.). Alles das spornte mich an, nun meiner- seits mit der Publication des koptischen Textes nicht länger zu zögern, im Frühjahr 1910 konnte ich das Ms. zum Druck ein- reichen. Die Drucklegung des koptischen Textes wie des Index war bereits beendet und der Druck der Übersetzung sollte ge- rade beginnen, als wiederum eine unerwartete Störung eintrat. Herr Montague Rhodes James, der rühmlichst bekannte Forscher auf dem Gebiete der Apokryphen, machte mich nämlich brief- lich auf eine mir entgangene Xotiz des Abbe L. Guerrier in der Revue de l'Orient chretien (tom. II), 1907, S. lff. aufmerk- sam: „Un testament (ethiopien) de Notre Seigneur et Sauveur Jesus Christ en Galilee'', wo ein Text in äthiopischer Sprache besprochen sei, der mit dem von mir in den Sitzungsberichten der Akademie behandelten die größte Verwandtschalt zeige. Eine Correspondenz mit Herrn Guerrier bestätigte sofort die Vermutung von James. Der Athiope enthielt nicht nur die in Rede stehende Schrift, sondern, was vor allem von der größten Wichtigkeit, zugleich den vollständigen Text, während im kop- tischen Ms. größere Lücken vorhanden waren. Diese neue Ent- deckung ließ mich den Druck sofort unterbrechen; ich mußte, sollte meine Publication nicht gleich bei ihrem Erscheinen ver- altet sein, die Edition des Athiopen abwarten. Leider hat sich diese schon für die nächste Zeit in Aussicht gestellte Publication dadurch auf mehrere Jahre verzögert, daß der Herausgeber als Seelsorger an einem abgelegenen Orte in seiner wissenschaft- lichen Arbeit stark behindert war. Infolge dessen erschien die Ausgabe erst im Frühjahr 1913 in der Patrologia orientalis, herausg. von Graffin und Nau, Bd. IX, Heft 3, unter dem Titel: Le testament en Galilee de Xotre-Seigneur Jesus-Christ. Texte ethiopien. Edite et traduit en iraneais par L. Guerrier. Avec le concours de S. Grebaut. Mit dieser Publication hat sieh Herr Guerrier ein großes Verdienst um die theologische Wissen- Bchaffc erworben, indem er das hohe Alter der Schrift erkannt und sie aus der Verborgenheit ans Licht gefördert hat, während die Kenner der äthiopischen Sprache sie wahrscheinlich als ein

4 Schmidfc-Wajnberg: Epistola apostolorum.

spätapokryphes Produkt einer Veröffentlichung nicht für wert er- achtet hatten. Schon Dillrnann kannte den Text, wie aus der Verwertung einzelner Stellen für sein Lexikon hervorgeht. Dank dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Verfassers, den ich auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank aussprechen möchte, konnte ich die Reindruckbogen mit dem äthiop. Text und der Übersetzung schon vorher benutzen. Dabei zeigte sich nun, daß der koptische Text eine andere Bewertung der von Guerrier herangezogenen Handschriften notwendig machte. G. hatte nämlich seiner Textausgabe die Handschrift L zugrunde gelegt, die Varianten der übrigen Handschriften in die Anmerkungen verwiesen, obwohl gerade diese in vielen Fällen den ur- sprünglichen Text bieten. Aus diesem Grunde betraute ich Herrn "Wajnberg, einen tüchtigen Kenner des Äthiopischen, mit einer Neuübersetzung ins Deutsche, die natürlich wieder längere Zeit in Anspruch nahm.

Alles dies wird die langjährige Verzögerung der Publi- cation entschuldigen. Die Leser haben den unbestreitbaren Vorteil, daß ihnen jetzt das gesamte bisher bekannte Material vorliegt und sie sich eine viel umfassendere Kenntnis der Schrift verschaffen können. Ohne Zweifel wird eine lebhafte Discussion einsetzen, denn die Probleme sind so mannigfacher Art, daß sie schwerlich von einem Einzelnen gelöst werden können.

I. Die handschriftliche Überlieferung.

1. Beschreibung der koptischen Handschrift.

Die Handschrift liegt noch heute auf dem Institut francais. Sie wurde von Bouriant erworben, aber trotz eifrigen Nachforschens haben sich keine Notizen gefunden, wann und wo die Stücke er- worben worden sind. Doch aus früheren Ankäufen von koptischen Papyri in achmimischer Mundart wird man den sicheren Schluß ziehen können, daß auch unsere Handschrift einst zu den Bücher- schätzen des weißen Klosters, des sogenannten Schenute-Klosters in der Nähe von dem heutigen Sohag, gehört hat, einer Biblio- thek, die uns neben anderen wertvollen Stücken die Apokalypse des Elias und Sophonias, den 1. Clemensbrief und die noch unedierte Sapientia Salomonis geliefert hat. Denn auch die vorliegende Handschrift bietet den Text in dem reinen alt-

Beschreibung der koptischen Handschrift. ä

achmiinischen Dialekt. Das Ms. ist ein Papyrusbuch, recto und verso mit je 14 15 Zeilen beschrieben. Aber leider ist es wie so viele andere koptische Handschriften nur fragmentarisch überliefert. Zum Glück war das ganze Werk paginiert; davon sind noch folgende Paginierungen erhalten: 10^ ife (1 Blatt), ie— ih (2 Blatt), k<<— K-a. (1 Blatt), k--kh (1 Blatt), n^— %t (7 Blatt), also im ganzen 12 Blätter; dazu kommen S Blätter, deren Paginieruug abgebrochen ist, die sich aber auf Grund des Inhaltes leicht einrangieren ließen; infolgedessen erhalten wir noch Blätter mit folgender Paginierung: «► i (1 Blatt) iv— i«ä (1 Blatt), k&. k& (1 Blatt), kc k<; (1 Blatt), k-ö— A- (4 Blatt). Ferner ermöglicht der äthiopische Text die Fest- stellung, daß die beiden auf S. 25* gedruckten größeren Fragmente a und b (mit Einschluß von c) ursprünglich zu einem Blatt ge- hörten, das die Nummer m& n trug. Wir können also die Existenz von 2 1 Blättern nachweisen. Demgemäß sind die 4 Blätter zu Anfang *. h verloren, ferner k, dazu 6 Blätter A^ mh und der Schluß des Ganzen von £e ab, der höchstwahrscheinlich nur 4 Blätter bildete, wie sich aus dem äthiopischen Texte er- gibt. Der Umfang der Handschrift war also auf ca. 46 Blätter = "2 Seiten beschränkt; von denen sind 15 Blätter = 30 Seiten verloren. Das Ganze macht den Eindruck, als ob das Ms. in der Bibliothek des Klosters noch in ziemlich intaktem Zustande aufgefunden wurde, daß aber der Verkäufer oder der Antiken- händler, wie es sich noch an zahlreichen Beispielen nachweisen läßt, einen Teil der Papyrusblätter zurückbehalten hat, um sie bei anderer Gelegenheit an den Mann zu bringen, da man bei geteiltem Verkaufe höheres Geld herauszuschlagen hoffte. Frei- lich sind bis jetzt keine weiteren Blätter, soviel mir bekannt, in öffentlichen Bibliotheken Europas aufgetaucht; vielleicht liegen noch Fragmente an einem verborgenen Orte des Klosters selbst. Was das Papyrusbuch anbetrifft, so zeigt es ein kleines Format in einer Höhe von ca. 15 cm und einer Breite von ca. 14 cm, bei einer Beschriftung von 9% zu 10 r2 cm. Das Format entspricht ungefähr dem der Eliasapokalypse. Wie es bei den übrigen Papyrusbüchern der Fall ist, war das Buch nicht in einzelne Quaternionen zerlegt, vielmehr waren die einzelnen Lagen von Doppelblättern in einander gelegt. Daraus erklärt es sich z. B., daß mit den Blättern am Anfang auch zugleich

(j Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

die Schlußblätter verloren gegangen sind. Das Ms. stammt aus der Feder eines Schreibers, der seine Vorlage verhältnis- mäßig sorgfältig abgeschrieben hat. Daß das Ms. eine Abschrift einer älteren Vorlage darbietet, lehrt mit aller Deutlichkeit die Dittographie auf p. kh, Z. 9, wo der Abschreiber durch das Wort tyine auf den erst weiter unten, p. k«, Z. 1 folgenden Satz Tnujine ^e intyine hinüberglitt, aber bald seinen Irrtum bemerkte und die Dittographie durch Einklammerung beseitigte. Die Schrift ist eine zierliche kleine Buchschrift, deren Buch- staben aufrecht gerichtet sind; hierin unterscheidet sie sich bei aller Verwandtschaft von der mehr cursiv gehaltenen Elias- apokalypse (vgl. die photographische Reproduktion einer Seite). Der Schrift nach möchte ich die Handschrift auf das Ende des 4., resp. Anfang des 5. Jahrhunderts datieren. Auf alle Fälle gehört sie zu den ältesten Literaturdenkmälern der koptischen Kirche. Der Abdruck des Textes schließt sich genau an die Hand- schrift an. Alle Zeichen sind in Rücksicht auf die sprachliche Wichtigkeit wiedergegeben, unsichere Buchstaben durch unter- gesetzte Punkte, Ergänzungen durch eckige Klammern gekenn- zeichnet. Da nun der Druck des koptischen Textes vor Auf- findung des äthiopischen Textes stattgefunden hat, so sind einige Änderungen erforderlich geworden; ein Teil der Ergänzungen wurde nicht bestätigt, andere konnten mit Sicherheit hinzu- gefügt werden. Ich habe diese Verbesserungen in den An- merkungen bei der Übersetzung nachgetragen. Den koptischen Text habe ich nebst Index an den Schluß gestellt, damit die Sprachforscher ihn als Ganzes benutzen können.

2. Die äthiopische Überlieferung.

Die hier folgende deutsche Übersetzung des von L. Guerrier in der Patrologia orientalis, Bd. IX, Heft 3 veröffentlichten und mit französischer Übersetzung und ausführlichen Bemerkungen nebst Vorwort versehenen äthiopischen Textes ist durch die Tatsache notwendig geworden, daß wir jetzt in der angenehmen Lage sind, die Ausgabe des entsprechenden koptischen Textes und seine Übersetzung von Prof. Carl Schmidt benutzen zu können. Der Vergleich mit dem koptischen Text, auf den in letzter Instanz wahrscheinlich durch das Medium einer arabischen Übersetzung die äthiopische Version zurückgeht, gibt uns dieMög-

Die äthiopische Überlieferung. 7

lichkeit, manche Stelle in dem von Guerrier gewählten Text der Londoner Hdschr. anders aufzufassen, manche den anderen Hand- schriften entnommene Variante an die Stelle der Lesart des Haupt- textes zu setzen und ihr zu gebührender Wertung zu verhelfen, endlich den relativen AVert der verschiedenen Handschriften ge- nauer zu bestimmen. Da wir auch bei dem ersten apokalyptischen Teil dieses Werkes einige Stellen aus der syrischen Ausgabe von lgn. Rahmani's ..Testamentum domini nostri Jesu Christi" Mainz 1899) undP. deLagarde's, Reliquiae juris ecclesiastici antiquissimae, syriace (Lpzg. 1856) zum Vergleich heranziehen und da wir außerdem noch eine von Guerrier nicht gekannte Stuttgarter Hdschr. be- nutzen konnten, so sind wir in den Stand gesetzt, den Wert der einzelnen Handschriften dadurch zu bestimmen, daß wir den Grad der Übereinstimmung der verschiedenen Varr. mit dem syrischen und kopt. Text, welche beide sicherlich älter und ursprünglicher sind als die äthiop. Übersetzung, vergleichen. Es ergibt sich daraus in vielen Fällen die Überlegenheit der von Guerrier mit A und C bezeichneten Hdschrr. oder der soeben genannten Stuttg. gegenüber den von ihm B und L genannten.

Wenn wir also häufig an der Übersetzung einer äthiop. Stelle bei Guerrier Kritik üben, so geschieht dies erstens auf Grund des kopt. Textes, den Guerrier nicht zur Verfügung hatte, infolgedessen er ausschließlich auf den äthiopischen Text und den eigenen Scharfsinn angewiesen war, zweitens auf Grund des Vergleichs mit dem syrischen Text des Rahmani'schen Testa- ments oder mit dem kleinen lateinischen Fragment bei C. Schmidt (Süzgsber.d. PreulS. Akad. d.W., 1908, XLIII, S.1049f.), und drittens auf Grund der der Stuttg. Hdschr. entnommenen Varianten. Der äthiop. Text ist an vielen Stellen so lückenhaft, in allen Copien so schlecht erhalten und von den Abschreibern mit so tadelns- werter Nachlässigkeit behandelt, daß es nur bewundernswert ist, wie Guerrier, ohne im kopt. Text eine Unterstützung zu finden, es verstand, fast überall dem Sinn des Contextes ge- recht zu werden und die vielen Lücken sinngemäß auszufüllen.

Der äthiop. Text ist nach einer im Brit. Museum befindlichen Copie (Or. 793, vgl. Wright, Catalogue of the ethiopic manuscripts in the British Museum, London 1877, p. 270, Nr. CCCLXJ, be- zeichnet mit L) herausgegeben. In den Fußnoten sind die Varr. angegeben, welche in den anderen, in der Pariser Bibl. Nation.

8 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

aufbewahrten Abschriften enthalten sind, nämlich in Nr. 51 der Collection d'Abbadie, welche Guerrier mit A bezeichnet, in Nr. 90 derselben Sammlung, bezeichnet mit B, und in Nr. 199 = C. Dazu kommt die Copie Or. 795 des Brit. Mus. (Wright, Nr. CCCLX1I).

Die Hdschr. L, die sehr jungen Datums, d. h. aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt, enthält, wie man aus der Inhalts- angabe bei Wright schließen kann, von fol. 1 bis fol. 14 a die äthiop. Übersetzung des von Rahmani herausgegebenen syrischen Textes. Von fol. 14 a bis 15 a bietet sie den ersten Guerrier- schen Text (als ersten Guerrierschen Text bezeichnen wir das eschatologische Stück, welches bei Guerrier von S. 37 bis S. 47 abgedruckt ist, als zweiten Guerrier'schen Text den zweiten Teil, der auch im Koptischen vorliegt); von fol. 15a bis 21a den zweiten Guerrierschen Text.

Die Hdschr. Or. 795 (vgl. auchKent in The Dublin Review 1900, S. 245), welche von Guerrier mit wenigen Ausnahmen nicht be- nutzt worden ist, zeigt große Verwandtschaft mit L, enthält aber verschiedene Varr., die nur zu einem kleinen Teil von Guerrier in seinem Vorwort angeführt sind und deren erschöpfende Ausbeute für die Wiederherstellung der ursprünglichen Gestalt des Textes wahrscheinlich von Wert gewesen wäre. Das Ms. soll ebenso wie L in der Mitte des 18. Jahrhunderts ge- schrieben worden sein.

Zu bemerken ist weiter, daß L (Or. 793) und Or. 795 noch einiges enthalten, was eigentlich Guerrier zum Vergleich mit den S. 41 ff. abgedruckten Stellen heranziehen konnte, es aber leider unterlassen hat. Nämlich Or. 793 fol. lb und 2 a (Wright Nr. 361,5—6) und Or. 795 (Wright Nr. 362, 5—6) enthalten eine andere äthiop. Redaktion einiger eschatologischen Stellen. Wir haben diese Lücke auszufüllen versucht, insofern es uns möglich war, die syr. Übersetzung derselben Stellen bei Rahmani X, XI zum Vergleich heranzuziehen und dadurch manche nützliche Winke zu erhalten; auch habe ich die Varianten aus dem äthiopischen Texte der Stutfcg. Hdschr. verwertet. Leider stehen uns Or. 793 und 795 zurzeit nicht zur Verfügung, was um so bedauerlicher ist, als hier nicht, wie im zweiten Teil des Guerrierschen Textes, eine kopt. Übersetzung vorhanden ist.

Die drei Hdschrr. der Coli. d'Abbadie in Paris sind folgende:

Die äthiopische Überlieferung. 9

Nr. 51 der Coli. d'Abbadie in Paris = A 90 = B

. 199 , •• , * = C;

Diese Hdschrr. sind beschrieben von Antoine d'Abbadie in seinem Catalogue raisonne des manuscrits ethiopiens, Paris, 1859 p. 6<», 100, 199, neuerdings von Chaine in seinem Catalogue des manuscrits ethiopiens de la collection Antoine d'Abbadie. Paris 1012. Die Hdschr. Nr. «31 (A) wird beschrieben S. 34 f. und soll nach Chaine aus dem 16. Jahrh. stammen; der Text folgt un- mittelbar auf das Testamentuni domini nostri von fol. 113v bis fol. 130v. Dem gleichen Jahrh. soll angehören Nr. 90 (= B), wo unser Text auf fol. Slr bis fol. 114r ebenfalls unmittelbar auf das Testamentum folgt (vgl. Chaine, S. 5S). Die dritte Hdschr. 199 (= C) ist mit B identisch und enthält den Text von fol. 39v bis fol. 57 v (vgl. Chaine, S. 119).

Zu diesen von Guerrier angeführten fünf Hdschrr. tritt nun. wie sehon erwähnt, ein bisher nicht bekannter Text aus einem Stuttgarter Codex. Ich wurde nämlich während des Druckes der äthiopischen Übersetzung auf eine versteckte Bemerkung von Dillmann in seinem Lexicon Aethiopicum p. VIII aufmerksam, derzufolge in Stuttgart ein äthiopischer Codex vorhanden wäre, der, abgesehen von anderen Stücken, ebenfalls ein Testamentum domini nostri enthalte. Da nun Dilmiann für sein Lexikon eine Reihe Stellen aus dem von Guerrier publizierten Texte u. zw. in abweichender Form verwertet hatte, und andererseits in den bisher bekannten äthiopischen Mss. stets die Guerrierschen Texte zusammen mit dem sogenannten Testamentum überliefert wurden, lag die Vermutung nahe, daß auch der Codex Stuttgartensis jene in Frage stehenden Stücke enthalte. Eine Anfrage bei der Landes- bibliothek in Stuttgart bestätigte das Vorhandensein dieses Codex, so daß ich ihn durch das freundliche Entgegenkommen der Ver- waltung auf der Königlichen Bibliothek in Berlin einsehen konnte. Meine Vermutung hatte mich nicht getäuscht. Da nun diese Hdschr. (bezeichnet mit S) nirgends in einem Kataloge beschrieben ist, lasse ich hier eine nähere Beschreibung folgen. Die Hdschr., Cod. Orient, fol., Nr. 49 der Stuttgarter Landesbibliothek (vgl. Drews. Theol. Studien u. Kritiken, Bd. 74, S. 144) ist eine Pergament- handschrift mit drei Kolumnen auf jedem Blatte. Der Einband besteht aus Holz, mit gepreßtem Leder überzogen; der Cod. ist

IQ Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

ganz intakt. Blatt lr trägt die Überschrift «7fl{. * fl^A '• =

., feiert den Gedächtnistag" oder „das Fest" (fehlt wahrscheinlich die Angabe des Festes oder eines Heiligen oder Engels). Dann folgt die Widmung von Seiten des bekannten Afrikareisenden (von 1S52 bis 1S64) Dr. Heuglin: „Der Königlichen Bibliothek in Stuttgart. Gondar. 24. März 1853. Dr. Th. Heuglin". Da fol. 1 und 2 nur spätere Eintragungen in arabischer und äthio- pischer Sprache enthalten, beginnt der Text u. zw. die äthiopische Übersetzung des Testamentum domini nostri auf fol. 3 und reicht bis fol. 30r, Col. 2. Die Überschrift zu Anfang, mit roter Tinte wie alle andern Überschriften dieses Cod. geschrieben, lautet ähnlich der Überschrift dieses Textes in Or. 793 ( Wright, Catal., Nr. CCCL1, I) Wi : UhliW i etc. Weiter: ?»?»£"1rd J +?

s»h hlilto •■ K? frft ' friert* rt « hra^^i -. mhlii-Ch?

<D'^7l*, :• Der Text schließt mit der wahrscheinlich fälschlich von Guerrier an den Anfang seiner Ausgabe gestellten Ein- schaltung: (Dhl(l * C/uVb * h9°h<hhV : usw.

Auf fol. 30r, Col. 2 bis fol. 32v, Col. 1 steht der erste Guerriersche Text, dem sich unmittelbar von fol. 32v, Col. 1 bis fol. 42v, Col. 3 der zweite Text anschließt. Dann folgt von fol. 43r, Col. 1 bis fol. 118, Col. 3 der von Platt (The Ethiopic didascalia or the Ethiopic version of the apostolical constitutions received in the church of Abyssinia, London 1S34) herausgegebene Text der „Didaskalien der Väter" ■^JP'UC'l" •■ -^.Ä'ft^A,? : tih Ofl>* s; dazu ist auf fol. HSr, Col. 3 noch ein kurzes Verzeichnis von bekannten äthiopischen Schriften beigefügt. Den Schluß des Ms. von fol. 119r, Col. 1 bis fol. 173 v Col. 2 bildet die Schrift Faus Manfasäwi (<£fl>*f| : 0°'}d.fliR :) ..die geistliche Heilung"; vgl. Littmann, Gesch. d. äthiop. Liter., i. d. Gesch. d. christl. Liter, d. Orients, Bd. 7, S. 221), ein größeres theologisches Werk, aus dem Arabischen übersetzt, um das Jahr 1667. Das Ms. besteht mithin aus 174 Blättern, von denen die beiden ersten wie das letzte Blatt als Schutzblätter dienten.

Wie schon die Übersicht zeigt, sind verschiedene Werke in einem Bande vereinigt, aber auch äußerlich betrachtet, handelt es' sich nicht um ein einheitliches Ganzes, vielmehr sind zwei ursprünglich getrennte Codd. zu diesem Sammelbande später ver- einigt worden. Deutlich lassen sieb zwei verschiedene Hände unterscheiden, auch verschiedenes Material ist verwendet worden.

Die äthiopische Überlieferung. \_\_

In dem ersten Teile ist das Pergament dünn und von schlechter Qualität, die Schriftzüge sind nachlässig und klein, im andern Teile ist das Pergament dick und von guter Qualität, die Schrift- züge größer und etwas monumentaler. Die erste Hälfte des Codex umfaßt das sogen. Testamentuni domini nostri bei Rahmani, die beiden Guerrierschen Texte und die Didascalia, die zweite Hälfte besteht nur aus einer einzigen Schrift, dem Faus Manfasäwi, die also zufällig mit jenem ersten Teile zusammen- gebunden ist. Und wiederum innerhalb des ersten Teiles treten zwei getrennte Stücke uns entgegen. Während die ersten drei Schriften ohne jedes Intervall als zusammenhängendes Ganzes er- seheinen, auch dieselbe Überschrift h,^ : h.1liji\i : = ..Das Testament unseres Herrn" usw. mit roter Tinte tragen, beginnt die vierte Schrift, die Didascalia. auf einer neuen Seite. Hier liegt also der gleiche Tatbestand wie in den von Guerrier benutzten Hdschrr. vor; die äthiopische Überlieferung kennt nur das Testa- mentum domini nostri in unmittelbarer Fortsetzung mit den beiden Guerrierschen Texten.

Die Stuttgarter Hdschr. ist, soweit man aus der Qualität des Pergamentes und dem allgemeinen Aussehen der Schrift zu ur- teilen imstande ist, (wir haben dabei nur die erste Hälfte des Codex im Auge) wahrscheinlich ins IS. Jahrh. zu datieren. Andere Merkmale behufs Zeitbestimmung (Gebete etc.) enthält die Hdschr. nicht; auch die Namen des Besitzers und vielleicht auch des Abschreibers sind beim Besitzwechsel ausradiert worden. Von einem Kidän spricht Ewald in seiner Beschreibung der von Krapf erworbenen Tübinger Hdschrr. in der Ztschr. f. d. Kunde d. Morgen!., Bd. 5, S. 173, Xr. 16, sagt aber nichts Bestimmtes über den Inhalt des entsprechenden Ms.1.

Alle bisher bekannten Hdschrr. scheinen sehr schlecht und nachlässig geschrieben wrorden zu sein und stammen aus ganz später Zeit; denn in früheren Jahrhunderten hätte sich ein abessinischer Abschreiber so viele Fehler und Verwechslungen von Buchstaben nicht zu Schulden kommen lassen. Die schlech- teste scheint in manchen Fällen gerade die vielleicht durch Zufall von Guerrier seiner Edition zugrunde gelegte Bdschr. L zu sein. Selten gibt es äthiopische Copien, die so fehlerhaft

1) Drews in seinem oben genannten Aufsatze hat irrtümlich diese Bdschr. mit dem Stuttgarter Codex identifiziert.

12 Schmidt- Wajnberg: Epistola apostolorum.

sind. Es fehlen ganze Sätze, andere sind arg verstümmelt, so daß sowohl die französische Übersetzung von Guerrier als auch die von mir angefertigte deutsche oft nur auf Vermutungen, zweifelhaften Conjekturen und Ergänzungen auf Grund des all- gemeinen Sinnes (and die deutsche Übersetzung auch auf Grund des koptischen und syrischen Textes und auf Grund des Stuttg. Cod.) beruhen. Wie es mit den anderen Hdschrr. (ABC und Or. 795) in dieser Hinsicht steht, ist nicht ganz genau festzustellen, denn Guerrier scheint nicht absolut alle Varr. angegeben zu haben.

Außerdem zeigen sämtliche Hdschrr. eine ungewöhnlich große Verwirrung in bezug auf die Unterscheidung der verschiedenen Guttural- und Zischlaute. Aber auch die grammatischen Kate- gorien werden nicht immer streng unterschieden. Der Ab- schreiber unterscheidet oft nicht den Verbalgrundstamm vom vermehrten Stamm, verwechselt also qatala mit qattala, taqatla mit taqattala, in den Formen, wie das Imperfectum, wo diese Stämme durch Vokalunterschiede gekennzeichnet sind. Es werden also nicht allein (J, gh und *^, sondern sowohl )\ und 0, wie ft und 0 fast ohne irgendwelche Rücksicht auf die alte, regelrechte Schreibung der Vokabeln unzählige Male, in jedem Worte ver- wechselt. Die Abschreiber, wenigstens der Copist der L-Hdschr., scheint oft nur annähernd die grammatischen Formen skizziert und bloß die großen, groben Unterschiede berücksichtigt zuhaben; das Bewußtsein der feineren grammatischen Unterschiede in der Rechtschreibung scheint ihnen längst abhanden gekommen zu sein.

Im Allgemeinen sind ABC correcter als L(S), AC besser als B, S bedeutend correcter als L. Es gibt im Text eine größere Anzahl von Fällen, wo die drei Hdschrr. ABC das Richtige gegenüber der Lesart in L(S) haben. Natürlich kann über die Richtigkeit einer Var. gegenüber den übrigen entweder derallgem. Sinn des Kontextes oder die Übereinstimmung mit der kopt. und syrischen Übersetzung und mit dem latein. Fragment entscheiden. Diese so oft wiederkehrende Übereinstimmung aller drei Hdschrr., A B und C, gegenüber L läßt eine nähere Verwandtschaft von ABC vermuten. Wir finden aber auch eine größere Zahl von Fällen, wo nur A und C das Richtige zu haben scheinen, B und L aber das Un- richtige. Diese Übereinstimmung zwischen A und C einerseits und BundL andrerseits ist jedenfalls bezeichnend und bemerkenswert.

In manchen Fällen hat schon Guerrier den übereinstim-

Die äthiopische Überlieferung. 13

menden Lesarten von ABC gegenüber L den Vorzug gegeben und sie in den Text aufgenommen, so daß wir die verschmähte Var. L in den Fußnoten angegeben finden. In den meisten Fällen aber sind die besseren Varr. ABC in dem Apparat an- geführt, und die Übersetzung folgt L. Ob es besser gewesen wäre, wenn Guerrier als Haupttext etwa A oder C gewählt hätte, ist allein auf Grund der Guerrierschen Ausgabe, ohne die Hdschrr. in der Hand zu haben, nicht leicht zu behaupten, obgleich wir jetzt im kopt. Text von Schmidt ein Mittel zur Klärung besitzen, welches Guerrier nicht zur Verfügung stand. Letzterer ist jeden- falls der Meinung, daß von allen Hdschrr. L die beste ist.

Zur Illustration der Verwandtschaftsverhältnisse der Hdschrr.. besonders der Fälle, in denen ABC eine besondere Lesart haben, sollen hier einige Proben angeführt werden.

In Übeinstimmung mit dem Kopt. und gegen L(S) finden wir in ABC folgende bessere Lesarten:

Guerrier S. 70, Z. 12 ABC h(\fr : A^fcmff * gegen LS JR^-flft 71; ., 4 . (Dp,<nl.<rpav : gegen LS (Dh^T

add. hlH^h •', ebenso S om. AJi-fl •■ n

fcm-Th . geoeu LS h9°W '■ &(ud.OK : LS /k.£fl, " : n\\tn>- LS Hfl*:.

S. 57, Z. 7 ABC om. Ah*fl «" fl vor °Ml(?tfi>- -■ in Überein- stimmung mit dem lat. Fragment: „replen[t]es ministratione1'.

Dem Kontext entsprechen die Varr. ABC besser in fol- genden Fällen:

Guerrier S. 73, Z. 1 ABC OJj&M'Hl •' gegen L (D^°t^ü : S =

ABC. 76, s heftig* : gegen L (\ü*"ip, : (S =

ABC) (vgl. auch S. 39, Zeile 4. wo die Lesart von ABC in allen 5 Hdschrr. zu finden ist). 39, .. 5 .. Mü- gegen LS VH«:

(ABC wird auch durch 76, 9 AC bestätigt) . 77, 7 ABC (Dh9nl1 * gegen L Wh^tt '• S h'Fll *

77. i2 riVK'Wn^- •■ gegen ls nv>/:hp =

71,

.. 4—5

57,

.. 6

58,

2

65, .

. 9

65,

.. 11

14 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Guerrier S. 77, Z. 12 ABC flft?-i:Ml0»- : gegen LS dhl-khlf

OD« :

81, 11 , h9°1nfrh.irai>' gegen LS >»?»£

lfm* i (vgl. Kopt.) s2, 4 tD&ldC HÄ-A^^ : gegen L <D£V

-TIC HflÄ-A""^ * (ABC = Kopt.) S = (DW : flÄA : 84, .. 1U rD-flöA""0*«* gegen L (DhÜtto0**0' '

(ABC = Kopt.) (S = ABC) und viele andere.

Beispiele von Übereinstimmung der richtigeren Lesarten A und C gegenüber den weniger befriedigenden Varr. B und L: Guerrier S. 72, Z. 2 AC (Dh9ng:£ gegen LB a>ti9°VCo°- :

(AC = Kopt. ) S = ti9°££ t ..55. .. 9 .. \\K'\'h9oti'h'i- (AC = Kopt.); anders

LBS ., 57, .. 4 ,. honhtt°an'1 gegen BL g,en>t\(i*>a»' : i AC = Kopt.) S = <DJ&</»fi" s 64, 10 fc£JJdYhhtfi»-.-gegenLB;»«IFe#<>h<n>---

(AC = Kopt.) S = hP>Wfr » . 68, 5 -f'iP'/All^ ' gegen LB -t-wVM : S -

W/M :

75, öihnK-As lbs (D^nfr/h.-

76, 8 .. htm -. 9°baDt;'} . gegen LBS h^Ö"0 «J"> : (AC bestätigt durch 39, 3 ) ., 76, .. '.i .. hltt'- gegen LB M't '• (AC bestätigt durch 39,5 ABC); S = AC .. .. 40, .. 1 .. 0M"» gegen LB fl'fl'J'f- : (AC bestä- tigt durch alle 5 Hdschrr. 77, 4) S = AC. hier LB viell. ursprünglich. .. s2, .. 4 .. $1\ri- LBS Khr'l' (AC = Kopt.)

82, 6 °tfiTUl>: gegen BL nKWMl '• (AC

= Kopt.: BL haben eine Dittogr.)

„86,,, 2 Y\'i>hamj\(Dhti'0DCV(Z' gegen BL

V7H.?» M ^C°/^ : (AC = Kopt.)

S = AC usw. Was nun noch speziell die Stuttgarter Hdschr. anbetrifft, so geht aus der vorhergehenden Übersicht hervor, daß sie zu der

Die äthiopische Überlieferung. 15

schlechteren Hdschrgruppe zu stellen ist, indem sie am nächsten sich mit L berührt; aber eine noch größere Verwandtschaft zeigt sie mit Cod. Or. 795, den Guerrier, abgesehen von den in der Einleitung S. 2üf. angegebenen Varianten, für seine Textausgabe nicht verwertet hat. Dieses Verhältnis läßt sich jetzt auf Grund der von Wright (Catal. Xr. CCCL1I) für das äthiopische Testa- mentum mitgeteilten Varianten durch Vergleich mit dem Teste des Testamentum in S über allen Zweifel sicher stellen; dadurch bietet S für andere Texte gewissermaßen einen Ersatz für den nicht verwerteten Cod. Or. 7'.)."). Zunächst führe ich die Fälle au. in denen S mit Or. 795 zusammengeht und den Lesarten in L gegenübersteht:

(DXx*! : = Or. 795; L = : Ralmiani n^ocno = S

- athtl't-Cht i Or. 795; L htl^Ch?^ * Kahmani

^ A ..»\jj^\r<'0 = L

= (D-i*1v> i Or. 795: L aJ^*j7i*» : (falsch!) Rahmani

== <ö£4»V : - Or. 795: L = <Dfll£4»> :.

- (D'^^'i't = Or. 795 ((»•.«?. «f»V :); L = Ö>-J?.J^3rV «' V"}-hM : 0>£ "iH-lrt : = Or 795; L = bloß £"JH«HV •■

= W}d.ft t = Or. 795; L = oV}6.l\ j - = flWfflhtf0- : = Or. 795; L om.; Rahmani ^ fta^A.sq.io > = (D Palatino0' : = Or. 795; L om.; Rahm. __OA.l A^uo = S tDhfD-'lttV' « = Or. 795; L = hd^^Ö « Rahm, ^o

s

n^'ÜM s == Or. 795; L = H^HlA i Rahmani = S =

S toi. 3 v. I (Wright, S. 270, Zeile 7 von unten) S = ll)hl»'tTf\'i '. = Or. 795; L hüh^" :

= J&Äftfc : = Or. 795; L = fih^t l n = i'h9°/ri' » = Or. 7 15; L I^Ct :.

In der Überschrift des zwölften Abschnittes bei Rahmani: S = ÄA«"> i n-i.ao^ t .... Or. 795; L= ftA"'/' : ^ao^ ......

An derselben Stelle einige Fälle von Übereinstimmung mit L gegenüber Or. 795: S om. Wtro. ?::'»'/'/ , Rahmani.

16 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

S= (D-t-Aatil"/ :; L und Or. 795 == <D-f-£?>ri} : Rahmani =

= A0A»lf<»D- : = L: Or. 795 = nAÖfotfa»- t

■■ A.4*fr * L; Or. 795 = djl» i Rahmani = S = ^T» = tDRIö s - L; Or. 795 = a)Ä">*J * usw.

Das sind meist Fälle wie S AdA»l/,*,D* * , wo L gegenüber Or. 795 das Richtige bewahrt hat, aber es kommen auch um- gekehrte Fälle vor. Jedenfalls sind die Übereinstimmungen von S mit L viel seltener.

Diese und zahlreiche andere Übereinstimmungen im ganzen Texte zwischen S und Or. 795 gegenüber L führen uns zur Ver- mutung, daß zwischen S und Or. 795 eine nähere Verwandtschaft vorliegt, daß aber auch L derselben Hdschrrgruppe zuzurechnen ist. Denn L, Or. 795 und S bieten nur zu oft gemeinsame Lesarten gegenüber den Pariser Hdschrr. ABC. Wo aber gewöhnlich L das Falsche hat, da geht S zusammen mit ABC, häufiger bloß mit A und C, aber in diesen Fällen stimmt S, soweit man aus den wenigen bei Wright angegebenen Varr. von Or. 795 schließen kann, stets mit Or. 795 überein. Merkwürdig ist der in L vorkommende Schreibfehler (D'f'^li^ : ..und er war geduldig" für öJ*/«7im : „und er wurde betastet" (Wright, S. 270, Col. 2, Zeile 4). Au sich ist dies keine Monstruosität; das °i wird als unausge- sprochener Guttural ausgelassen oder manchmal viell. auch ein- geschoben. Aber in Or. 795 stand früher (D'tmf}7iP :, dann wurde das überflüssige *} ausradiert und so das korrekte tD'^'XW s er- halten. Diese correcte Form bietet S, ohne irgendwelche Spur von Verbesserung. Daß ein derartiger Schreibfehler unabhängig zwei Abschreibern unter die Feder geriet, ist wenig wahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist es, daß L als Vorlage dem Kopisten des Or. 795 diente, welcher den Fehler zuerst abschrieb, dann aber das überflüssige *J strich. Was S anbetrifft, so erlaubt das Xicht- vorkommen dieses Fehlers keinen Schluß über seine Beziehung zu L oder Or. 795. Einer Vermutung, daß Or. 795 als Vorlage dem S gedient hätte, stehen die Übereinstimmungen des S mit L im Wege. Ein viel näherer Zusammenhang aber von S mit Or. 795 steht außer Zweifel. Zu beachten ist noch, daß sowohl L wie Or. 795 zu derselben Zeit verfertigt worden sind, nämlich zwischen 1730—55 (vgl. Wright 275, Col. 1 und 276, Col. 1). viel-

Die äthiopische Überlieferang. 17

leicht von demselben Abschreiber. Beide enthalten zum Teil dieselben Bücher: L denBahnianischen Text, die beiden Guerrier- schen, den troftthd. : rt.T^-ft t ..Das Buch des Senodos'" und die Didascalien, Or. 795 bietet alle außer letzterem. Es sind alles Einzel- heiten, die die Vermutung, daß L als Vorlage für Or. 795 gedient hat, unterstützen. Von S unterscheiden sie sich beide in bezug auf ihren Inhalt dadurch, daß S den Sinodos nicht enthält, dafür aber den Faus Manfasäwi, der übrigens mit den Didascalien manchmal auch in anderen Hdschrr. zusammengeht: vgl. Wright, Or. 752, Fol. 103 a.

Ganz anders sind die Copien der Pariser Bibliothek 51, 90, 199 der Coli. d'Abbadie, welche weder Didascalien, noch Sinodos, noch den Faus Manfasäwl enthalten, insofern man nach den nicht sehr ausführlichen Angaben von d'Abbadie und Chaine in ihren Katalogen schließen kann.

Wie schon bemerkt, enthalten sämtliche Hdschrr., soweit sie bis jetzt bekannt sind, die beiden Texte in Verbindung mit der äthiopischen Übersetzung des von Bahmani aus dem Syrischen herausgegebenen Testamentum Domini nostri, und zwar folgen sie unmittelbar der Übersetzung des Bahmanischen. Es wäre interessant, die arab. Hdschr. des Borgianischen Mus., die Bah- mani S. XIV erwähnt, genauer zu prüfen, ob nicht auch dort ein unserem von Guerrier abgedruckten äthiop. Text ent- sprechender Inhalt vorhanden ist1. Jedenfalls scheint wenigstens in der äthiop. Überlieferung ein engerer Zusammenhang zwischen allen drei Texten, dem Bahmanischen und dem ersten und zweiten Guerrierschen, bestanden zu haben. Es ist zu bedauern, daß Guerrier nicht mitteilt, ob die äthiop. Übersetzung des Bahmani- schen Textes mit den von ihm gedruckten Texten auch durch irgendeine Übergangsformel verbunden ist, oder ob es einfach bei den abessinischen Copisten Usus geworden ist, dem Bah- manischen Text immer die beiden Guerrierschen folgen zu lassen, weil alle drei viel Ähnliches und Gemeinsames besitzen: z. B. schließt sowohl der Bahmanische wie der zweite Guerriersche Text mit einer Beschreibung der Himmelfahrt Christi, nachdem er die Lehren und Prophezeiungen zu Ende geführt hat. Das

1) Einer audern Borgian. Hdschr. sind entnommen die von I. und A. Perier in der Patrologia Orient, Bd. 8, II. 4. 1912 veröffentlichten Canones Apostol., die mit unserem Texte nichts zu tun haben.

T. n. ü. '14: Schmidt-Wajnber^.

lg Sckmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Zusammengehen der drei Texte im Athiop. erlaubt dieselbe Tat- sache auch für das Syrische und Arab. zu vermuten, doch sagt Rahmani darüber nichts. In der von ihm seiner Ausgabe zu- grunde gelegten Mossulaner Hdschr. scheint (mit Ausnahme von "wenigen, von uns zum Vergleich herangezogenen Stellen) nichts dem Guerrierschen Text Entsprechendes vorhanden zu sein. Jedenfalls haben ursprünglich die drei Texte eine gesonderte Überlieferung gehabt, bis sie zu einem Ganzen in einem Sammel- buch vereinigt wurden. Der Archetypus im Äthiopischen läßt schon diese Zusammenstellung voraussetzen. Dagegen sprechen auch nicht die Varianten in den einzelnen Hdschrr., aber das gegenseitige Verhältnis kann nur durch weiteres Studium der Hdschrr. selbst genau festgestellt werden.

Was die Vorlage des Athiopen betrifft, so vermutet Guerrier unter anderm die Möglichkeit einer Übersetzung aus dem Grie- chischen auf Grund eines Verschreibens "fa^ : für : im äth. Texte l. Übersetzungen unmittelbar aus dem Griechischen sind in der abess. Literatur wohl sehr selten, obwohl die Kenntnis des Griechischen nicht nur in älterer, vorchristlicher Zeit in Abessinien verbreitet war, sondern auch später, nach Islami- sierung des Ostens, den Mönchen nicht ganz abhanden gekom- men war, wie dies die in manchen äthiop. Hdschrr. vereinzelt vorkommenden Bruchstücke griechischer Gebete in äthiopischer Transcription beweisen. Guerrier vermutet in Yx^ ! das griech. eyco; doch kann es auch einfach ein Verschreiben für Y\*ii sein, ohne irgendwelchen Einfluß eines etwa dem Übersetzer vor- liegenden griechischen Originals zustande gekommen, da gerade ■) und ^ sehr ähnlich sind, und es bedarf nur einer sehr ge- ringen Verlängerung des Horizontalstrichs in '/. um daraus ein •^ entstehen zu lassen. Eine Verwechslung bis zur täuschenden Gleichheit beider Schriftzüge läßt sich unter der Feder solch fahrlässiger und sorgloser Abschreiber, wie die Copisten, welche unsere Mss. verfertigt haben, es gewesen sind, leicht denken. Daraus erklärt sich auch die Verwechslung von "h und f%, die in vielen anderen Stellen vorkommt. Angesichts des kopt. Textes von Schmidt und der Tatsache, daß die dem von Rah- mani herausgegebenen Texte entsprechende arab. Übersetzung.

1) Var. B zu Guerrier S. 73, Zeile 2 (s. u. Übers. S. 98, Zeile 1).

Die äthiopische Überlieferung. 19

welche auch manche Stelle des ersten Guerrierschen Textes ent- hält (vgl. Rahmani, S. XIV), gleichfalls aus dem Kopt. geflossen ist, scheint es doch am wahrscheinlichsten zu sein, daß der äthiop. Text entweder aus dem Kopt. oder wie die Mehrheit der äthio- pischen Übersetzungsliteratur höchstwahrscheinlich aus der (jetzt nicht vorhandenen und unbekannten, falls sie nicht im Mus. Borg, vorliegt) arab. Übersetzung übertragen worden ist l.

Der Text auf S. 38, Zeile 11 ff. entspricht zum Teil der Parallelstelle S. 76 ff., und ist einfach eine ungenaue Wieder- holung derselben. Wir machten uns diesen glücklichen Zufall zu Nutze und konnten auf diese Weise einige Winke für die Wiederherstellung correcterer, ursprünglicher Lesarten erhalten.

Zum ersten Guerrierschen Text ist noch zu bemerken, daß es eine augenscheinlich originelle abessinische Schrift von ana- logem eschatologischem Inhalt gibt, die bekannte *hl}<£, : /^f ft.ft : „Erklärung Jesu'- (hrsg. v. J. Wajnberg, St. Petersburg 1907); jedoch lassen sich keine Beispiele finden für irgendwelchen Zusammenhang zwischen beiden Schriften, außer manchen land- läufigen und in der entsprechenden Literatur zu Gemeinplätzen gewordenen Ausdrücken und Bildern.

Endlich sei noch bemerkt, daß die deutsche Übersetzung, die Fußnoten und die Einleitung von Herrn Prof. Schmidt durch-

1) In diesem Zusammenhange verdient ein merkwürdiges Wort aus dem Anfang der äthiop. Version des Testamentum erwähnt zu werden. Dort steht in S (D't,d.(DM '•> L und Or. 795 (D'l'&qift't :.

entsprechend dem syr. (Rahm. S. 2, Zeile 7) (Joa^^i^Kta „eertiores

effecti sumus". Die Wurzel aber d.Ü)(\ t hat nie im Geez die Be- deutung von „überzeugen", auch nicht in den neueren Dialekten, sondern immer „heilen", was hier keinen richtigen Sinn gibt. Wie der äthiop. Übersetzer oder Abschreiber dazu gekommen ist, in einem uns nicht belegten und unbekannten Sinn ein Verbiun zu benutzen, dessen Wurzel gerade mit der an derselben Stelle entsprechenden syrischen identisch ist, kann ich mir nicht erklären. Auch arab. gibt es keine Wurzel fws oder ähnl. mit der Bedeutung „über- zeugen". Das kann entweder bloß ein grober und unerklärlicher Fehler sein oder aber ein Übertragen der syrischen Wurzel ins Äthiopische, wenn nur die Vermutung einer Übersetzung des Testa- ments direkt aus dem Syrischen ins Äthiopische zulässig wäre. Wir machen hier diese Erörterung, weil der Ursprung der äthiop. Version des Kalimanischen Textes mit derselben Frage bezüglich der beiden Guerrierschen Texte auch eng verbunden sein könnte.

2*

20 Schinidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

gesehen und an zahlreichen Stellen verbessert worden sind; von ihm sind auch die Bibelzitate beigefügt. Noch will ich hinzufügen, daß die Übersetzung der Apokalypse, die ein viel späteres Pro- dukt und mit der sogenannten Epistola apostolorum in keinem ursprünglichen Zusammenhang stand, als Nachtrag am Schluß des "Werkes gedruckt ist.

Wir hoffen in absehbarer Zeit imstande zu sein, eine kri- tische Neuausgabe auch des äthiopischen Textes mit Benutzung der von Guerrier außer Acht gelassenen abessinischen und an- deren Hdschrr. folgen zu lassen.

3. Die lateinische Überlieferung.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, verdanken wir die Ent- deckung einer lateinischen Übersetzung dem Scharfsinn von Herrn Dr. Bick, der mit bewunderungswürdiger Ausdauer den bisher niemals gelesenen Text so weit entziffert hat, daß eine Identifi- zierung möglich war. Dieser lateinische Text ist aufbewahrt in dein Palirnpsestcodex Vindobonensis 16 olim Bobbiensis, den Bick in der oben angeführten Publication eingehend beschrieben hat. Es handelt sich leider nur um ein einziges Blatt (jetzt fol. 67); denn Herr v. Dobschütz konnte vermöge seiner ausgebreiteten Kenntnis der Apokryphen den Nachweis liefern, daß der auf den beiden ersten Seiten des Doppelblattes stehende Text (jetzt fol. 60) ein Stück der von ihm entdeckten sogenannten Bevelatio Thomae enthalte. Auch ich hatte Herrn Bick gegenüber meine Zweifel an der Zusammengehörigkeit der beiden Texte geäußert; nur die nachdrückliche Betonung der Einheit von Seiten des Herrn Bick Heß mich bestimmen, für die These der Zusammen- gehörigkeit einzutreten, zumal da die Bezeichnung Christi als pater omnium sich mit den christologischen Anschauungen der koptischen Schrift zu decken schien. Diese Stütze ist jetzt da- hingefallen. als es nach der neuesten Lesung ego sum pater omnium spirituum heißt. Das Einzelblatt hat nach den Angaben Bicks heute das Format 157 x 215 mm, doch sind die Ränder stark beschnitten. Beschriftet ist jede Seite mit zwei Spalten von je IS Zeilen, jede dieser durchschnittlich mit 15 Buch- staben. Die Schrift ist die schöne regelmäßige Unziale, die Dr. Bick dem 5. Jahrhundert zuweisen möchte; Hauler scheint

Die lateinische Überlieferung.

21

sie eher auf das 6. Jahrhundert zu datieren. Auf jeder der beiden Verso-Seiten befindet sich die Überschrift: epistula, auf unserem Blatte auf 67 v; die Fortsetzung des Titels auf dem Reste des anderen Blattes fehlt infolge des Verlustes jenes Blattes, während die Überschrift auf fol. 60 r durch Beschneiden des Bandes weggefallen ist. So erweist sich das Doppelblatt als das Anfangs- und Schlußblatt eines Quaternio der ursprüng- lichen Handschrift. Bick konnte nämlich auf fol. 67 v die Qua- ternionenzahl VIII oder Villi erkennen. Es ist also die mitt- lere Lage von drei Doppelblättern =12 Seiten ausgefallen, und da die Apokalypse des Thomas schwerlich mehr als 6 Seiten in Anspruch genommen hat, haben die restlichen 6 Seiten den An- fang der neuen Schrift enthalten. Ich bringe bei dem geringen Umfang schon an dieser Stelle den lateinischen Text nach der Lesung von Bick-Hauler, S. 314 der oben zitierten Abhandlung in den "Wiener Studien, zum Abdruck: die 4 Spalten sind mit den Ziffern V VIII bezeichnet.

V.

Nos enim temptantes, quo(d ve)re in (car)ne1 resure xerat , ora(mus):2

(ustorum 3

n

n

esseiiunis . . 4

et >

in c aelo) in . 5 .

et >6

VI.

Fol. 67 '.

<juae il)le (manifes)- (tavit sunt quae) di(cit) nobis.y Dum yenio (per) patrem omni)po (tente(m)) 7 (transie)ns caelos, (sa)- pientia ind)utu's su(rn)) patris et t)urn vir tute) spiirituis sian)citii pe)r yir-

t utei'm)) patris . Et cora)m (arch)- angelis et) angelis p(er)- trans)iens in simil(i)- tudinem; effigies il(lo)- rum quasi unus ex (il)- lis vir tutes et pot(es)- tates et priucipes (su(m)) transgressus e(t ei)- us, qui me misit, p)os(se)- <di sapientiam). Ar ch -

90

Schinidt-'VYajnberg: Epistola apostolorum.

tu.

(ang^elus Michael et (G)abriel et üriel et Ea- (f)ael palaru coniitati (s)unt mihi usque ad quintum caelum (p)utantes nie esse unu(m) ex eis. Talis data est po- (t)estas mihi a patre et tunc feci archan- gelos in stuporem vocis ducere8 ipsos ad (a)ltareum ,J patris mei s ervientes et replen- (t)es ministratione(m). (u)sque quo irem ad eu(m): (s)ic feci per sapientia(m) (s)imilitudinis. Ego eni(rn) (i;n omnibus omnia

Till. Fol. 67*. fac[u]tus sum, sim- ul ut voluntatem patris mei laudem, quia misit me i[njta. An-10 no implente inter pentecosten et az- yma erit adventus patris mei. Nos aute(m) dicimus illi : D(o)m(in)e, qua(n)- do dicebas te nobis venire ? Quomodo, ut dicis, qui te misit? Qui dicit nobis: Totus ego in patre sum. Dico 1 1 illi: Quid est quod de- relinquis nos usque ad adventum tuu(m)? ubi autem possimus

1) in . . . (ico?)ne. 2) r(oder njesure ofoder e)ra ... (3 oder 4

Buchst., von denen der erste vielleicht auch t). 3) Ifoder T)u(it oder at)stpr (oder p)um. 4) nach 4 5 Zeichen es.sei (oder p)iunjs . . (1—2 Buchst.). 5) Vielleicht am Ende der Zeile in mit 1 fg. Buchst. G) et (qui in me credunt). 7) po fo eher als e). 8) ducere (ob re in ns korr. ?). 9) . ltareum (oder ent . .). 10) misit me (qu oder ou)inta an (n oder h; gegen Zeilenschluß vielleicht 2 3 Buchstaben übergeschrieben); kaum für Tn(de) oder in(fr)a verschrieben. 11) sicut (t oder 1, auch sum möglich) dico (oder uiso).

IL Übersetzung des äthiopischen und koptischen Textes.

Vorbemerkung.

b'

Ursprünglich sollte die Übersetzung des äthiopischen Textes von Wajnberg als besonderes Stück hinter der Übersetzung von Ko. gedruckt werden; wir haben uns jedoch, um dem Leser die Benutzung der ganzen Schrift zu erleichtern, entschlossen, beide Texte derartig drucken zu lassen, daß die parallel laufenden Stücke einander gegenüberstehen. Die Entdeckung der Stutt- garter Handschrift, nachdem bereits der größte Teil der Über- setzung gesetzt war, zwang uns leider, um den Satz nicht völlig umzustossen, eine Teilung der neu hinzukommenden Bemer- kungen in der Weise vorzunehmen, daß die der Ausgabe von Guerrier entnommenen und im Apparat besprochenen Bemer- kungen um die Varianten von S vermehrt, daß dagegen die Varianten von S allein in einer besonderen Rubrik zwischen den Zitaten und den textkritischen Bemerkungen eingeschoben wurden. Hoffentlich wird dadurch dem Leser keine allzugroße Unbequemlichkeit bereitet. Die im Apparat beigegebenen Zahlen beziehen sich bei den Zitaten und den Varianten von S auf die Zahlzeilen, bei dem kritischen Apparat auf die Zahlen im Texte. Ferner haben wir die Capiteleinteilung von Guerrier, obwohl sie sehr willkürlich ausgeführt ist, beibehalten, aber, da der apokalyptische Text besonders gedruckt ist, eine neue Numerierung der Capitel vorgenommen, jedoch die Zahlen von Guerrier in Klammern beigefügt.

Äthiopisch

Cap. 1 (12) Das Buch1, welches Jesus Christus seinen Jüngern offenbart2 hat, und wie Jesus Christus das Buch wegen3 des Collegiums der Apostel, der Jünger Jesu Christi, das Buch für4 Alle, offenbart hat. Simon5 und Cerinth, die falschen Apostel, 5 über diejenigen | es geschrieben ward6, damit sich niemand ihnen anhefte, denn es ist in ihnen eine List, mit welcher " sie die

S 1 iVn : H^goo- fl)Hhi*"f* (L Hh i) fr***9* MH. ?iV ' hS frtl - ilCft-ft) i MxCZKV* i ÖJHh^y. „Das Testa ment, welches unser Herr Jesus Christus seinen Jüngern sagte und offenbarte und wie usw." 2 add. hhCftf^lh » Post hCfl-ßfl '■

„. . . Christus seinen Jüngern . . . ." 4 on:. AYf"«V : „für Alle".

6 S das correctere fl : f\(i(i,\Vtio* •, obwohl dem Sinn am genauesten das erste von den beiden Worten in L, nämlich fltf»- : „in ihnen", entsprechen würde: /[(ifolFoO' : 's* vollkommen überflüssig.

1) Com.m>ft7h£: „das Buch". 2) A om.Hhi*»^-,rt"'m*'/»«P

rt*rt: „welches Jesus ihnen offenbart hat" oder viell. ..wie Jes. Chr. seinen Jüngern das Buch offenbart hat und wie er. . ." 3 AC haben nicht XT"I* ! »das (Buch) des Collegiums", sondern fl^'J'/* : ..das Buch wegen" oder „in Sachen des Collegiums". Diese letztere, von Guerrier nicht aufgenommene Bedeutung scheint die passendere zu sein, weil a°Kth^ ! »das Buch" meines Wissens nie als Femininum vorkommt. }\'i'fm : ist aber Femininform des Relativpronomens. Doch vgl. unten 'f,ft"Ä<£.'Th ! „ist geschrieben worden" (Zeile 5) im Femin., falls es sich wirklich auf ..das Buch" bezieht. Vgl. folg. Note.

4) Für YxTft' : ..das (Buch) der " hoben AC H'J'f* * ..dieses "

Vgl. vorherg. Note, wo dasselbe ^'J'J' s als unwahrscheinlich darge- stellt wird. 5) ABC haben fl?1'}'f» : wegen Simon und

Cerinth " Vgl. beide vorherg Bemerkk. S Art«'/0'} '• (D^C

T'Ffl : (mit Pausazeichen nach Art, *f°'} : sie!). Also einfach: ..dies für Simon und Cerinth". *£A»'J"f"ft ! Qelentös erinnert etwas an ^*i\*9°Tr0^h : Qalementös = Clemens. In BC wird Cerinth «£rt» S°-f h '• Qelönöthös, in Or. 795 «feCM-ft •' Qirnöthös geschrieben. 6) A om. 't'ftilui.'l' : ,.es ist geschrieben worden". 7) Or. 795 hat OH £'!"'.'* A?1 ! »es kommt vor, daß sie (die Menschen) umbringen'", welche Variante aber ein Irrtum für flHjR*|,'J*A?,,tf0* 0 »ver- mittelst welcher sie usw ".

26 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostoloruin.

Äthiopisch

Menschen zum Untergang bringen. (Das Buch ist geschrieben worden), damit ihr standhaft seiet, nicht wanket, nicht in Ver- wirrung kommet, nicht von dem Worte des Evangeliums ab- weichet *, das ihr gehört habt. Wie wir (es) gehört, im Gedächtnis 5 behalten und für alle Welt aufgezeichnet haben. Wir empfehlen 2 euch unsere Söhne und Töchter3 in Freude, im Namen Gottes, des Vaters, des Herrschers der AVeit4 und Jesu Christi. Die Gnade mehre sich über5 euch.

Cap. 2 (13) (Wir) Johannes, Thomas, Petrus6, Andreas. 10 Jacobus, Philippus, Bartholomaeus, Matthäus, Nathanael, Judas Zelotes und Cephas, wir schrieben an die Kirchen7 des Ostens und Westens, Nordens und Südens (über Norden und Süden), indem wir euch verkünden und mitteilen, was unseren Herrn Jesum Christum betrifft, wie wir geschrieben haben (?)8, wie wir ihn hörten und berührten, nachdem er von den Toten aufer-

2 Vgl. Xöyoq xov evayyeUov Act. 15, 7. 3 vgl. 1. Joh. 1, 1.

7 vgl. 1. Petr. 1, 2; 2. Petr. 1, 2. 14 1. Jon. 1, 1; Job. 20, 27.

S 11 (D°t^'üi ..und Westen". 14 HfWflW •' -: daß (oder >die<) wir ihn hörten''.

1) C ÖJ*ih¥AA* : „und ihr abweichet1', ohne Negation, was aber syntaktisch dieselbe Bedeutung wie mit Negationspartikel gibt. 2) AC haben ha1^0ft)flao' ' »wir haben euch empfohlen". BLS h^'W} Vhfr)01** : »ich habe euch empfohlen". 3) Oder, wenn das übliche Vokativzeichen }\ ausgelassen, „wir empfehlen euch (seil, der Gnade Gottes), o unsere Söhne und Töchter1'. 4) AC om. ft»fl : „des

Vaters'-. ABCS fügen Vf"A* ! yor °tfs9° '• hinzu: „des Herrschers der ganzen Welt". 5) B ^hhiuh01*' : »zwischen, unter euch". 6) Or. 795 fl)&T(?ft : <D#°7/i ! un(l Petrus und Qömäs (Thomas). S IM Pvh'JA -MA £A*fl "T-k^fl » (Ott*;

fc,A <K*V. (Dp,V-*i -■ (DM* '• n^th^l „wir Johannes, Thomas .... Philippus .... Matthäus und Nathanael Zelotes und Jehuda und Cephas, die wir schrieben etc. . . ." 7) ABCS sing. AlL-/- s \lO\±n „an die Kirche". 8) C hat (DChJl Ärh<P> ' „wie wir gesehen haben, schrieben wir". Abweichend von Guerrier wird (D{\tnlöfilh ! „und wir haben ihn gehört" auf Jesum bezogen, wie das (in C) vorhergehende CÄ,V ! (wir haben gesehen) und das folgende luf/^^lh * (wir haben ihn berührt). Mit Rücksicht auf 1. Joh. 1,1 8 f'x?;jto'afA£v . . . . ö i&EctodfiE&a xcii cd %sl(JSg ?/fic5v ei^i]Xa- cpyoav scheint die Variante C richtig zu sein. Auch scheint der ganze Satz enger verbunden werden zu müssen, als es durch den Punkt in „. . . . nous avons entendu. Nous l'avons touche " bei Guerrier geschieht.

Äthiopische und koptische Übersetzung. 27

Äthiopisch

standen war, und wie er uns Großartiges, Staunenerregendes und Wirkliches offenbart hat.

Cap. 3 (14) Das wissen wir1: unser Herr und unser Erlöser2 (ist) Jesus Christus, Gott3, des Gottes Sohn, welcher von Gott 5 gesandt ward, dem (der) Herrscher der ganzen Welt, dem (der) Schaffer und Schöpfer, der mit allen Namen genannt wird 4, der über sämtliche Mächte (hoch dasteht), dem Herrn (der H.) der Herren und Könige (König) der Könige, dem Gewaltigen5 (der Gew.) der Gewaltigen, dem Himmlischen (der H.), der über den

10 Cherubim und Seraphim 6 (thront) und zur Rechten des Thrones des Vaters sitzt ", der durch sein Wort den Himmeln (zu werden befahl), die Erde schuf und was in (auf) ihr ist, und dem Meere Grenzen bestimmte, damit s es (ihre Grenzen) nicht überschreite: der Abgründe (Wasserabgründe) und Quellen (schuf), damit

15 sie über die Erde9 rieselnd dahinfließen; der Tag und Nacht, Sonne und | Mond10 gründete11 und die Gestirne am Himmel;

6 vgl. Phü. 2, 9. 8 l.Tim. 6, 15; Apoc. 17, 14; 19, 16. 9 vgl

2. Daniel 3, 54 10 vgl. Matrth. 22, 44; 26, 64; Marc. 16, 19; Act. 2, 33. Hebr. 1,3; 8,1; 12, 2 Apost. Symbol. 12 vgl. Gen. 1, 1. 13 vgl. Gen. 1, 9; Hiob 3S, 10. 11; 1. Clem. 20, 6. 7. 15 vgl. 1. dem. 20, 5. 16 vgl. Gen. 1, 5; 1. Clem. 20, 2. 16 vgl. Gen. 1, 16; 1. Clem. 20, 3.

S 3 S hat nach H*H* : Pausazeichen, auch fehlt ^j\9°C ' »wir

wissen". Es gehört somit H'J"f* : zum Ende des vorhergehenden Absatzes: „und wie er uns dies Großartige .... offenbart hat. Unser Herr usw." 7 «»AdAi* ' .über". 13 hJr^'^&Gh :

„nicht überschreite".

1) A hat hin.h-(\fl*,C'- nach >fcjTC: „das wissen wir:

Gott, unser Herr - 2) AC om. (D<w»J^*^Jr> : ..und

unser Erlöser". 3) In CS fehlt richtigerweise h'^Wjh'fitH.C

..Gott". Das Attribut ?»*7H.Ji*flrh»G » bezeichnet Gott den Vater und darf dem Sohne nicht beigelegt werden. 4) Guerrier anders:

„dont le nom est prononce par tous les etres". 5) Or. 795 das

richtigere ;SjPA : dem Gewaltigen. 6) A om. (D^/CA : and

Seraphim. 7) Bezieht sich auf Jesum, während die vorhergehenden und nachfolgenden Attribute auf Gott den Schöpfer abzielen. Beide> ist hier unklar und verwischt. 8) AC om. \\ao : damit. 9) C om. (D-M* '• 9°?:C •■ über die Erde. 10) Jahr und Monat? 11) C om. H"/*^ : welcher gründete.

28 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolormn.

Äthiopisch

der das Licht und die Finsternis trennte , die Hölle ins Sein hervorrief and im Augenblick den Regen im Winter, Nebel1 und Hagel und Eis ordnet, und die Tage zu ihren jeweiligen Zeiten ; der (die Erde ? 2) erschüttert und (wiederum) befestigt ; 5 der die Menschen nach seinem Bild und Gestalt geschaffen und mit den alten Vätern und Propheten in Gleichnissen sprach 3 und in Wahrheit (in Wirklichkeit); von dem die Apostel predigten und den die Jünger berührten. Gott, der Herr4, der Sohn Gottes, wir glauben, daß er das Fleisch gewordene Wort5 ist, 10 in Maria, der heiligen Jungfrau6, Leib7 getragen, vom heiligen Geist, nicht aber durch fleischliche Lust, sondern durch8 den Willen Gottes, erzeugt, in Bethlehem eingewickelt und offenbart9, erzogen und reif geworden, indem wir (es) sahen.

3 Vgl. Gen. 1, 14. 5 vgl. Gen. 1, 4. 4 vgl. 1. Clem. 20,9.

6 vgl. Gen. 1, 26. 7 vgl. Hebr. 1, 1. S vgl. Joh. 20; 27; 1. Job. 1, 1.

10 vgl. Job. 1, 14. 11 vgl. Mattb. 1,20; Luc 1, 35 Apostol. Symbol.

12 vgl. Luc. 2, 7.

S 1 S das gramm. correctere H7,/J</D :- 6 fflihiPC?"t

i\hal'i '' 7 in Gleichnissen sprach, und von dem die Apostel in

Wahrheit (Wirklichkeit) predigten " 13 S correct (D*f*

rhöV ' „erzogen".

1) Schnee? 2) Das Objektwort :,Erde" fehlt im Text.

31 AC: flin>fl«l?^hv C: -f">*7<J: -es ist gesagt worden". Wenn wir die letzte Variante berücksichtigen, so müssen wir abweichend von Guerrier übersetzen .,und durch die alten Väter und Propheten ist es verkündigt (gesagt) worden". Dies scheint auch sonst passend, da die Präposition fl im Äthiop. meines Wissens nie in der Be- deutung „mit jemandem" in bezug auf Menschen gebraucht wird, oft aber nach rf*V'7<i! „ward gesprochen" den Vermittler, den göttlichen porte-parole bezeichnet. 4) A om. "hlUjh s der Herr. 5) AC h^Pfo. : »von der Stimme", vgl. folg. Noten. 6) Im Texte

„von der heil. Jungfrau", vgl. vorherg. u. nachf. Note. S "h^C?^ s 4».^"" '• £*">°7A: «von Maria, d. heil. Jungfrau". 7) A OhM* : "Vifl^ ' -i'1 ihrem Leibe". C h^'JO'i '• „von ihrem Leibe". Zu diesem „von" vgl. vorherg. Noten über diese in dem Satze einigemal notwendiger- oder überflüssiger Weise vorkommende Präpos.; wahr- scheinlich eine Dittographie. 8) C h9°V't'(D't' ' von dem Willen, vgl. vorherg. Noten 9) AC om. (D-f*t5tD**l* : «und er ward offen- bart". Anstatt dieses Wortes haben AC j&'ih+'f'A ! rer wird getötet".

Äthiopische und koptische Übersetzung. 29

Äthiopisch

Cap. 4 (15) Dies tat unser Herr * Jesus Christus . welcher von Joseph und Maria, seiner Mutter, in die Lehre geschickt worden war2. Und als derjenige, der ihn lehrte, ihm sagte3: sprich „Alpha", da antwortete er und sprach: ..du sage mir zuerst. 5 was Beta ist". Diese Tatsache, die da geschehen, ist wahr- haftig und wirklich4.

Cap. 5 (16) Darauf geschah eine Hochzeit in Kana von Galiläa. Und man lud ihn ein mit seiner Mutter und seinen

5 vgl. Ev. Thomae 6,3; 14, 2 Pseudo-Matth., Ev. infant, 33, 1 Iren. c. h. I, 20, 1. S vgl. Joh. 2, lfl*. Hier werden zu den Eingeladenen auch die Brüder gerechnet. Wellhausen, Joh. Kommentar S. 13 hat auf Grund von Vs. 12 dies für den ursprünglichen Text erklärt.

S 2 J&^^ÜC-" um zu lernen 3 (Dli^^VC?* - »und

die ihn lehrten . . . ." 4 (DhO^/^tx : -und er antwortete".

1) A ÜOh}\'P ' "hlWjii ' ;- dieser unser Herr" oder viell. *Hfl>« h'U '• h^lltjh^ '' »derjenige, welcher (ist) unser Herr". S ÖJH'J'f*' l'(\£ i li(D'f\*P : usw- ..Und dieses tat derjenige. Avelcher ist (od. ..dieser unser") unser Herr etc." 2) Aom. 0^fCd\&^' (das Buch) und

hat bloß HJ^^°ÜC •• Der Text lautet hier wörtlich: ..welcher

geschickt worden war, wo er das Buch (A om.) lernen könnte, und der

ihn lehrte " 3) C om. ft^H : J?,°XÜC ' ..indem er ihn

lehrte". Im Text: „und derjenige, der ihn lehrte, sagte ihm, indem er ihn lehrte-' (letzteres om. C). S om. £fl»A" : htfl : JR^UC •' (die beiden letzt. Worte fehlen auch in C) = ..sagte ihm, indem er ihn lehrte". Das Überspringen in S erklärt sich durch die Identität der beiden JR"^U(? ! 4) Bedeutung nur annähernd. fl)ftjj0lfs ist

unverständlich; und außerdem scheint mit. Hinblick auf den Akkusativ des JJAf" ' l'üA ' der ganze Satz eine Kontamination oder Ana- koluth von zwei Konstruktionen zu sein: „er (Jesus) hat diese wahr- haftige und wirkliche Tatsache geleistet" und ..wahrhaftig und wirklich ist die Sache da, die geschehen ist". Am besten würden wir den ganzen Satz zu der folgenden Erzählung von der Hochzeit in Kana als deren Überschrift ziehen. C hat (DJ\(D* : HhTi '• ctc- -.oder aber folgende wahrhaftige usw." Letztere Lesart scheint dem Sinn besser zu entsprechen und darauf hinzuweisen, daß der ganze Satz eine Überschrift der darauf folgenden Erzählung des Wunders von Kana ist. S tDh9°H ' i\hall ©UAffl ' I-IH'. > Ifl-fl < •' viell. = ..und darauf in Wirklichkeit und wahr ist die Tatsache, welche er vollzog" (gehört natürlich zum folgenden Wunder der K ana- hoch zeit). Der Accus. in\)/\(n : wird viell. dadurch erklärt, daß 0*l)i\(D s (wie auch i\hai}'} •■ I Nominalprädikate zu einem zu er- gänzenden \\^ : oder Jr*»h{/)«'} : (..war" oder ..ist") sind.

30 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

Brüdern. Und er verwandelte Wasser in Wein. Er rief die Toten zurück ins Leben und den Lahmen befahl er zu gehen. Demjenigen, dem die Hand verdorrt war, streckte er sie aus, und die Frau1, die bereits zwölf Jahre an Monatsfluß litt, berührte 5 den Saum seines Kleides und ward zur selben Stunde genesen. Und indem wir über das Wunder, das er vollbracht, dachten und staunten, sprach er: wer hat mich berührt? Da sagten wir: das Menschengewühl hat dich berührt, Herr! Er aber erwiderte und sagte uns: ich erkenne, daß eine Kraft | von mir2 ausge-

30 gangen ist. Zu dieser Stunde trat jenes Weib vor ihn, sagte ihm3 und sprach: 0 Herr, ich habe dich berührt. Und er antwortete und sprach zu ihr: geh, dein Glaube hat dich geheilt! Darauf4 machte er die Tauben hören und die Blinden sehen; aus den (von Geistern Gequälten) vertrieb er die (sie plagenden)

15 Unholde und die Aussätzigen reinigte er. Der in einem Manne 5 (innewohnende) Geist, (dessen Name) Legion (war), schrie Jesu entgegen und sagte: ehe die Zeit unseres Untergangs gekommen ist, bist du gekommen, um uns zu vertreiben 6. Jesus, der Herr, schalt ihn aber und sprach: geh von diesem Manne heraus, ohne 7

2 vgl. Luc. 7, 14. 15; 8, 49 ff.; Marc. 5, 35 ff.; Joh. 11, 39 ff. vgl. Matth. 9, 2 ff; Marc. 2, 3 ff. 3 Matth. 12, 13 ff.; Marc. 3, 1 ff. ; Luc. 6, 10 ff.

5 Luc. 8, 43 ff.; Marc; 5, 25 ff.; Matth. 9, 20 ff. 13 Vgl. Matth. 11, 5;

Luc. 7, 22. 14 vgl. Matth. 4, 25; S, 16. IG Marc. 5, 2 ff; Luc. 8, 27 ff. ;

Matth. 8, 28 ff.

S 2 (DüaD^l^o, : £ft? : J&^C : flJHf-flrt ' etc. „und dem Lahmen befahl er zu gehen. Derjenige . . . usw. 6 '}%&* *• Bed. dass. 8 1<£^\\ : rt-flh '- (D1ww\\ s fflt\X\dM ! »die Leute

haben dich gedrängt und angetastet und berührt". 11 7iA»/*'Trh s

..ich habe berührt".

1) Aadd.|DA'n?iA.;hsM+*J8.l»«A'H!Ä^,,vor^1^j^|l^:

„und die Frau, welcher das Blut floß (welche an Monatsfluß

litt)". 2) ACS h9°1ÖA>? ' von mir hinunter; B tiÖt\>? '• über mir. 3) AC ora. ÖJ^fl^/^A*^ : -uud sie sprach ihn an (antwortete ihm)". 4) C om. (Dlt\901l ; „darauf". Also: „die Tauben machte er hören usw.". 5) Hfl : '{\hfl. : wahrscheinlich statt Hfl'fl

hfl. '• 6) C $miYQY\'i '• um uns zu vertilgen. 7) Im Text

h'itt '• hAfl •' H'Th<J»ftP* : »indem du ihm irgendetwas nicht an- richtest". C hat tih'ihh «" "t"dttl?': „ohne daß du ihm etwas an- richtest".

Äthiopische und koptische Übersetzung. 31

Äthiopisch

ihm Unheil anzurichten1. Und (jener) ging2 in die Säue hinein und ertränkte sie im Wasser, und sie wurden erstickt.

Darauf ging er (einst) auf die See, und es bliesen3 die Winde. Und er schrie sie an, und es wurden die Meereswogen sanft4.

5 Und als wir, seine Jünger, kein Geld hatten, fragten wir ihn5: was sollen wir wegen des Steuereinnehmers? Und er sagte uns und antwortete: laß einer von euch die Angel6 in die Tiefe werfen und einen Fisch hervorbringen, und er wird in seinem Innern einen Denar finden; den gebet dem Steuereinnehmer für

10 mich und euch. Als wir darauf kein Brot hatten, nur bloß fünf Laibe und zwei Fische, da befahl er den Leuten sich hin- zusetzen, und es war ihre Zahl fünf Tausend außer Kindern und Frauen. Diesen legten wir Brotschnitte vor, und sie aßen und wurden satt, und es blieb noch übrig, und wir räumten zwölf

1") volle Körbe Brotschnitte ab. indem wir uns einander fragten

3 Marc. 4, 35 ff.; Luc. 8, 22 ff.; Matth. 8, 23 ff. 10 Matth. 17, 24 ff.

15 Matth. 14, 17 ff.; Marc. 6, 3Sff.; Joh. 6, Off.

S 2 fl/hCfc* -Wasser". 5 ^SC' „Geld'', wenig correcter Nominat 6 tfDX**fl'h'} : ..wegen der Steuereinnehmer".

9 fl)fj'flfp s correct: ..und gebet ihn"'. 10 HA.4* «' -tür den

Herrn" statt H/V.'f" : "mi' mich". In S Dittographie des fajp : aus der vorletzten Zeile. 11 CDg'J«*/ : ..und 2 Fische''. ftHH00** „er befahl" statt (Dh" •'• 13 d.'fc't'i «' 'V'flft'I* '• ..diesen legten wir Brot vor, nachdem wir es zerschnitten". Das ^'f,^"*t" s in den anderen Mss. könnte auch Dittographie des in der nächsten Zeile folgenden H<h'fvJ*;Jh : sein.

1) Hier fügen AC hinzu OHOfth (C (D(DRh*) (D'h'U

/_!£*} : .,und es ging (C es gingen) jener Geist hinaus", welcher Satz im Text ausgelassen zu sein scheint. 2) C (Dflh« : und sie gingen hinein. A fügt hinzu flQ,'/ : ..alsdann" (und sie gingen alsdann in die Säue hinein). 3) A add. i\{i(i,\b : nach j4«*VTh : ■■'an^ es tobten die Winde über ihm". 4) BCS hihtlh ' 7.ulllt ei' beruhigte die MeereswoLren''. 5) ABCS add. A.4* o Herr (was sollen wir

usw ). 6) Im Texte stehen für Angel zwei Synonyme:

«w^TV : un'l <yD/*,'IC*f" •' h'ifl'Ci- welch letzteres Guerrier für eine Marginalglosse des Abschreibers hält. In dem hlrf^tl '• ver" mutet Guerrier das griech ay/.voa. Vgl. Dillmann, Lexic. Aethiop. die Zusammenstellung mit Vfe^ „ausgestochen sein", hebr. IpD. Unsere Stelle wird daselbst s. v. ao4"Y'}: angeführt.

32 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorurn.

Äthiopisch

und sprachen1: „Avas ist denn mit diesen fünf Brotlaiben?" Dies ist2 das Sinnbild unseres Glaubens an das große Christentum3 und dies an den Vater4, den Herrscher des Weltalls, und an Jesum Christum. | unseren Erlöser 5, an den heiligen Geist, den Paraklet °, 5 an die heilige Kirche und an die Vergebung der Sünden.

Cap. 6 (17) Dies offenbarte uns unser Herr und Erlöser und belehrte uns. Wir aber tun es wie er7, damit8 ihr an der

S 2 y£ö7T;Jh> : „unseres Glaubens". 4 S correcter ID(\

Wi&h '• Ä^'J'A.fnfl ! ;iun(l an den Geist, den Paraklet".

5 (D'^Sbl't* i etc. „und die Vergebung". 7 (Dd^OCl : »und be- lehrte uns für a*i\at>Ci :. a>?jritf£»'-

1) A om. fl)*}'flA: »und wir sprachen'-. 2) A om. IfOh'h'i: : dies ist. S flJfffl^M: : ..und dies ist" 3) ABC hCtl't?'} '•

..Christen" für JrjCrt'h'i" : ., Christentum". Da aber im Satz TfflH

h-U hrtiti *"ZT'ThV flM-fr °/flJ& i ftCft-tn auch

in ABC das Adjektiv °/f[^£*i im Sing, „gross'', unverändert bleibt, was keinen befriedigenden Sinn gibt, so müssen wir vielleicht den Stat. constr. *Jfl.f vermuten; es würde dann heißen: „dies ist das Sinnbild unseres Glaubens an den Großen (d.h. etwa „den Herrn") der Christen". Vgl. den Parallelismus im folgenden Satze „und dies an

den Herrscher des Weltalls". 4) A om. OK'fl ! 5»an den

Vater". 5) AC om. <w>£*;!»JrV : „unsern Erlöser". 6) ABC

om. Ä^^A.fTift : ..den Paraklet". 7) ABCS add. Ah00* '•

„euch" vor \\av : „wir aber tun es euch wie er, damit ".

8) Im Text wörtlich: „damit ihr Genossen (Mitteilnehmer) werdet

Äthiopisch

Cap. 7 (18) Cerinth und Simon sind gekommen1, um die Welt durchzuwandern-. Sie sind die Gegner des Herrn3 Jesu Christi, sie, die in der Wirklichkeit diejenigen verführen, die

S 1 ÜCt-f-tl '• fLf'i i -Cerinth, Simon".

1) Im Text ÖJft*Jt« : „sind ausgegangen". Mit Rücksicht aber auf das kopt. *wTei muß hier tf»ft*K«: gestanden haben = „sie sind ge- kommen" (so übersetzt auch Schmidt). Die Verschreibung fl) für tro ist in den äthiop. Handschrr. überaus häufig. 2) Im Text „ßfj-.1?. : = „damit sie herumwandern, herumkreisen". Im kopt. Text fehlt hier das entsprechende Verbum, welches aber unzweifelhaft dieselbe Bedeutung gehabt zu haben scheint. 3) B om. A?t<7H.J»'fl

rh»C ! Gottes. Dieses Wort als Attribut Jesu wäre wirklich über- flüssig, da es im Äthiop. nur auf Gott, den Vater, bezogen wird, obgleich ein Schwanken in Bezug auf die Scheidung der Attribute

Äthiopische und koptische Übersetzung. 33

Äthiopisch

Gnade unseres Herrn, unserem Gottesdienste und unseren Lob- gesängen teilnehmet, indem ihr an das ewige Leben denket. Seid fest und wanket nicht in der Erkenntnis und in der Er- gründung unseres Herrn1 Jesu Christi, und er wird Gnade 5 tun - und (euch) retten immerdar und ewiglich - , bis in die Un- endlichkeit.

S 4 ÖJ^^/VA : »UQd er wird Gnade tun".

der Gnade unseres Herrn usw." Guerrier übersetzt: afin que vous deveniez (nos) compagnons par la gräce du Seigneuru. Wir wür- den aber in diesem Falle eher die Form fr'fc^.JrV : erwarten, ob- gleich die Präposition fl in flRpÜ' * für Guerrier's Auffassung spricht; vgl. auch C (t'^'A0^ '• ..unsere Genossenschaft, unsere Genossen". B hat f|4-/£«V i = „begründet'- (auf der Gnade Gottes begründet, d. h. crestützf, fest stehend fußend). S u»«4-^^ : = B, aber correcte Form. S (D0*>fo}\}}:t''i •* ©fl'flrh'fcV •" -.unser Gottesdienst und unsere Lobgesänge". (?)

1) C om. }\1\\Jii J = „unseres Herrn". S "h^Dl^h ' ,-des Herrn". 2) AC add. (D^9°0C'- (für fllJRjPVhC i V) „damit

er Erbarmen schenke" (BS (D£,a%VC '• welches, obwohl (D^9° thC * lautähnlich, der grammatischen Form aber wegen nur = ,,uud er wird belehren"). 3) AC A£:V ■' *>A?° »bis zum Ende

der Welt, bis zur endlichen Welt"; vgl. Matth. 28, 20. S tiaitKf° '• °it\9° „e^ig und immerdar".

Koptisch

*********** 4 Blatt fehlen * * * * * * * * * * *

I

Kerinthos und Simon sind gekommen, um (zu wandeln) in der Welt (xoofioc). Diese aber (öe) sind (Feinde) unseres Herrn Jesu Christi, denn sie verkehren die (Worte)

1 Dem Abschreiber war der Name des Cerinth (KqQiv&og) un- bekannt. — Auf Grund des aetli. Textes: ..um die Welt zu durch- wandern", würde man *J.«d.e.]oe ergänzen, oder, da der Kaum größer, &.[otp A.-vMfc.d/jge ;?und sind gewandelt".

3 Das kopt. ruocg entspricht dem griech. SiaoxQiqaiv. Im Äth. steht: .,die . . . verführen diejenigen, die an das wahre Wort und an die Tat, das ist an Jesuin Christum, glauben", aber der Ausdruck „glauben.... an die Tat" scheint mir wenig passend. Guerrier übersetzt: qui

T. u. D. '14: Sclimiat-Wajnberg. 3

34 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

an das wahre Wort und an die Tat l, das ist an Jesum Christum glauben. Habt also Acht und hütet euch vor ihnen, denn2 Schmerz und Schmutz und Tod wird das Ende 3 des Verderbens und des Gerichtes sein.

Cap. 8 (19) Wir haben nun also nicht gezögert mit dem wahren Zeugnis von unserem Herrn Jesu Christo4. Und in

S 3 ^"79° ' (Dq0^ : <DCtf*fl •* „Schmerz und Tod und Schmutz (Befleckung)". 5 S hat statt K.'t'thU^ s das leicht verwechsel- bare A.'f*rhP/?'V ! »Wir haben nun also nicht für geringfügig ge- achtet". — fl?k"}'^, s HflUAö*" s etc- „wegen des wahren (wirk- lichen) usw."

und Benennungen des Vaters und des Solines Gottes in der äthiop. Literatur gar nicht so selten ist. Die Var. B gibt aber keinen Sinn, weil sie das vorhergehende 0<£. : „sein Feind" unverändert läßt, und ein 0{. : Ä.f frft » JlCfltfft für *0£ : ^ frft : *]Cft#fl : oder etwa *0<- : AÄ,P ft-tl » YlCft-f-tl ,-der Feind Jesu Christi" ist unmöglich. Das Kopt. hat hier (I, 3) nits^eic, was ein äthiop. *(ihinM* oder *Ä«7fU»>' vermuten läßt. S HhlHM ' K? A-fl i Y\C+h hfr-t-t: ' 0^ •• ha^-ii: hh f^ao^^^a^ : etc. „Unserem Herrn Jesu Christo sind sie Feinde, sie, die .... ver- führen usw •' S entspricht also unserer Vermutung eines A?t

l) Der kopt. Text und Schmidt's Übersetzung weichen hier vom Äthiop. ab. Guerrier übersetzt: eux qui detourneront reellement ceux qui croyaient au Verbe veritable et ä ses oeuvres. Das entspricht un- gefähr der äthiop. Version. Das Kopt. in Schmidt's Übersetzung lautet: „denn sie verkehren die (Worte) und den Gegenstand"'. Das äthiop. J&</»/&'PfP<n>* : (in Guerrier's Textausgabe) könnte ganz gut auch „ver- kehren" bedeuten. Aber die Worte A&A : t\9oll' : ,,clie da glauben" sind mit dem Koptischen nicht in Einklang zu bringen. Vielleicht wäre es besser, im Kopt. für das nur vermutete nnuje^e Ö.&Ä.A] eine andere Conjectur anzusetzen, denn gerade an dieser Stelle könnte gut etwas dem äthiop. A?iA s h^'h ! Entsprechendes gestan- den haben. S t\Hhal'i ' J^Ä : (D^IQC : -,an Jas wahre Wort und (die wahre) Tat". Oder soll fllJAfl'* : zu }\9°^ : gehören:

.,die an die Wirklichkeit glauben, an das wahre Wort "?

2) AC add. fltf»* : „durch sie", also: „denn durch sie wird Schmerz

nsw ", wie im Kopt. (I, 6) otmot c*.p [cq^oon Sgpm

n^HTOT = weil nämlich Tod sich befindet in ihnen (Schmidt). Also vielleicht besser mit dem kopt. (lao*: ,,in ihnen", als mit Guerrier durch sie (par eux). 3) Guerrier = la fin de la perdition ....

Äthiopische und koptische Übersetzung. 35

Koptisch

und den Gegenstand, d. h. Jesum Christum. (Ihr) nun 5 haltet euch ferne von diesen, weil nämlich (/ao) Tod

sich befindet in ihnen und große (Befleckung)

(und) Verderben, diesen, denen das Gericht (xqiOic) zuteil werden wird (und das)

Ende und das Verlorensein ewiglich. Deswegen

haben wir nicht gezögert euch zu schreiben in betreff des Zeug- nisses (ßCCQTVQia) 10 von unserm Erlöser (ocot7]q), Christus, was er getan hat, während wir ihn (beständig) begleiteten,

5 vgl. Rom. 16, 17: exx?.ivaze an avz&v; Ignat. ad Trall. 7, 1: <p)).äx- zeo&e orv zovq zoioizovq ibid. ad Smyrn. 7, 2. tiqztiov ovv iazlv ane- Zeo&cci zä)V xoioizwv. 6 vgl. Ignat. ad Trall. 11, 1: tpsvysre ovv zäq xaxäq 7iagci<pv«öaq zäq yevvcoaaq xagnbv &avaz7]<pöoor, oi- eav yevorjzai ziq, nag' avza ano&v/joxei. 10 vgl. Act. 1, 21.

croyaient au Verbe veritable et ä ses oeuvres, c'est-ä-dire ä Jesus Christ. Der Äthiope hat m. E. den Sinn geändert. Die Ergänzung von niüyef'xe] ist nicht zu bezweifeln. Das koptische Wort c£iofc ist vieldeutig, kann auch „Tat" neben „Sache, Gegenstand" be- deuten.

6 f. Wörtlich: „eine große verderbliche Befleckung".

10 encevnT nctoq wörtlich: „indem wir sind (waren) schauend hinter ihm".

Letzteres scheint dem Sinn des Satzes zu widersprechen. Schmidt's Conjectur frx[io.glue wird somit durch die äthiop. Version (<DCVf"J| .,und Schmutz'-) gerechtfertigt, obwohl das Kopt. und das Äthiop. in diesem Satz wenig übereinstimmen. Für A^^ftT ! wäre vielleicht besser ein *(Da°'tl^ : „und Verderben" zu vermuten (vgl. das kopt. htcko, I, 7). Der ganze Satz ist im Äthiop. corrumpiert, und sowohl die Guerrier'sche als meine Übersetzung scheinen nicht das Richtige zu treffen, während das Koptische hier das Alte und Rich- tige zu enthalten scheint. S $&& : Aö°*ftV «' <DßJ&7 •' »das Ende des Verderbens und des Gerichts" (?), oder „nach dem Vn- derben und Gericht". 4) Der äthiop. Variaute B und C {/)//'>

Ä^fcV : »uncl unserem Erlöser" neben ttixIMjx'l «" ..unserem Herrn" entspricht das koptische nnncTöp. Am nächsten steht dem Kop- tischen B, wo A<7DÄ*^3r.V : an erster Stelle steht. S fljP*} : fatm Pr.'itf : fl»?!0/»!» : Hh«70 : 1'üC s „Zeugnis von unserem Er- und unserem Herrn. Und in betreff dessen usw. . . ."

3="

36 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostoloram.

Äthiopisch

betreff dessen, was uüser Herr getan hat, indem wir es sahen, und wie er immer unsere Gedanken uns erklärte . . . . K

Cap. 9 (20) Wir legen Zeugnis ab und das wissen wir2, daß er gekreuzigt ward in den Tagen des Pilatus Pontius und Archelaos3 des Fürsten, daß er inmitten der zwei Käuber ge- kreuzigt ward, und mit ihnen zugleich4 nahm man ihn vom Holze des Kreuzes herab , und er ward in einem Orte , dessen Namen war Kranion (Karänejö) begraben5. Wohin sich drei

S 4 Ä/JflWE* Pontius. 8 p i "}fl : bestätigt das p-^fl :

in L, welches wahrsch. statt fl^fl : „wohin" steht. Vgl. A ;}fl :. l^Afl •• hlMr •' „drei Frauen".

1) Die Stelle ist dunkel, und wir möchten sie jedenfalls anders wie Guerrier übersetzen. Erstens faßt Guerrier im äthiop. Texte (S. 193, Z- 8) H A<£« ' für das Verbuni \\ti&. * .,corrigere". Schon der Unter- schied des Mittelvokals spricht dagegen; außerdem paßt dazu nicht das kopt. ence^HT ncojq (bei Schmidt übersetzt: wahrend wir ihn beständig begleiteten"). HA*£. : könnte einfach das Adverbium HA<£: „continuo, perpetuo" sein. In Verbindung mit dem im Text fälschlich mit "J<2,/t, : verbundenen (JAfl*"V * würde es den Sinn ergeben: „während wir beständig mit ihm waren" (?i*JH : Uf[lO'^ * 9°tlfttO* •)■ Letzteres 9°ftA»U" : entnehmen wir der Variante C. Das '}40Y\^ : ist ja überhaupt unsicher (vgl. "^loh* : *n ^). Der allgemeine Sinn des Absatzes wäre dann: „Und in betreff dessen, was unser Herr getan hat, während wir ihn beständig begleiteten, und wie er uns unsere Gedanken erklärte". Ungefähr dasselbe bieten auch die kopt. Version und die äthiop. Varianten. Das von Guerrier in diesem Absätze übersetzte AHftJ^'J ! J&lflfl*"'} ! würden wir lieber im Einklang mit dem Koptischen und mit Anwendung der äthiop. Variante C *>hfl>"*J s für das von Guerrier gewählte ß,\l" t zum folgenden Absatz ziehen. Wie auch anderwärts, scheint liier die Variante C richtiger den Urtext, der im allgemeinen mit dem Koptischen in Einklang ist, wiederzugeben. S (n\l\\a° t HA£ fadS^ fHtt»* •• « (mit Pausazeichen nach fHfl>* •") = „und wie immer(?) die Gedanken bei uns sind"(?) oder viell. mit Guerrier „und wie er uns die Gedanken richtig stellte". 2) Eigent- lich vielleicht richtiger: „der, über den wir Zeugnis ablegen". Da- für spricht das koptische nei" [eTnjS]AinTpe, welchem genau das sonst etwas unverständliche tf in httt\9°0i '• entspricht. C hat tsXH\9°°i ' J&hfl*"*}hs? „welcher dir zum Zeugen wird". Dem Kopt. ent- sprechend könnten wir vermuten ein äthiop. *i[Utl9°at ' *3,hfl*""J ! CJhfl^Vll) „'lern wir Zeugen sind (du, dem wir Zeugen sind)", falls das von Schmidt ergänzte Pron. der 1. pers. plur. | eTnpj.witTpe , dem

Äthiopische und koptische Übersetzung. 37

Koptisch

(und) noch mehr? (sri) in den Gedanken und Werken, dieser, über den (wir) Zeugnis ablegen, daß der Herr ist dieser, der gekreu)zigt ist (oravgovv) durch Pontius Pilatus (und) Archelaus inmitten des Räuberjoches (-ZtjOTijg), 15 und) der begraben ist an einem Orte (ro^rog), der heißt

14 vgl. Matth. 27,38; Marc. 15, 27; Joh. 19, 18..

11 Der Anfang der Zeile zerstört, daher die Ergänzung sehr fraglich. Nach dem Äth.: „und wie er immer unsere Gedanken uns erklärte".

14 Die Ergänzung jVJpx^^oc wird durch den Äth. bestätigt. Darnach hat der Verfasser den Matth. 2,22 genannten König Archelaus, Sohn Herodes' des Großen und König von Judäa, der bereits im J. 6 n. Chr. abgesetzt war, mit seinem Bruder Herodes Antipas, dem Herrscher von Galiläa, verwechselt. Eine Zusammenstellung von Pilatus und Archelaus habe ich nirgends gefunden. Archelaus nannte sich wie Antipas mit dem Familiennamen Herodes s. Schürer, Gesch. des jüd. Volkes I3, S. 450 iv (.uoco zov tvyov Ar/<jrc5v hat wahrscheinlich in der Vorlage gestanden; fryov = Paar; Äth. „inmitten der zwei Räuber".

15 Der Äth. hat den Zusatz: „und man nahm ihn mit ihnen zugleich vom Holz (vgl. Act. 13,29) des Kreuzes herab''; der Zusatz m. E. nicht ursprünglich.

im Athiop. sowohl ein Pron. 3. pers. sing, als 1. pers. plur. ent- sprechen, richtig ist. S fflWM.ih : (\ttft9°°/ '• 7VV> * H^-f- •* 'ih 9°C ! etc (ohne Pausazeichen nach 'jfb'} i) = ..damit wir dem- jenigen, der es gehört hat, zur Erläuterung werden. Das wissen

wir usw "Zu S "}Yb7 : vgl. C "ilnO^'i :. 3) C hat

fcCllAP-fl Arkeljos. B Y\Chb*Pl\ Arkalewös. A hC\ht\hl\ ' Arökelaas. S ftChAM ' Arkaläos. 4) C (D^txtUifo0- •■ ih'V» A*fe s vund mit ihnen ward er gezählt"'. 5) A (D't'dk'ti'- fl</DJ|'J : ..und er ward in einem Oite gekreuzigt".

38 Schrnidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

Frauen, Sarrha, Martha und Maria, begaben und mit sich Salbe nahmen, um sie auf Christi Leichnam zu gießen, indem sie "weinten und trauerten über das Geschehene. Als sie sich aber dem Grabe genähert hatten, fanden sie den Stein, wo man ihn 5 vom Grabe fortgerollt hatte; sie öffneten1 den Eingang und ] fanden nicht seinen Leichnam.

Cap. 10 (21) Als sie jammerten und weinten, erschien ihnen der Herr und sprach zu ihnen: „Weinet nicht, ich bin es, den ihr suchet. Es gehe nun eine von euch zu euren

10 Brüdern und sage ihnen2: kommt, es ist unser Meister von den Toten auferstanden". Maria kam zu uns und erzählte uns. Wir aber sagten ihr: „Was ist dir und uns, o Weib! Wer gestorben und begraben ist, kann denn der lebendig werden?" Und wir schenkten ihr keinen Glauben, daß unser Erlöser von den Toten

15 auferstanden wäre. Darauf kehrte sie zu unserem Herrn3 zurück

S 2 J&flh,P «' fehlerhaft statt des besseren J&fllU^ '• in L- 3 HVl^" : „über das, was ihnen geschah (was sie geworden sind)".

9 om. (\{t\*t: t ..aber (nun)" im Gegensatz zu Ko. II, 10 e^AAe..

10 A/J* i •t''}/*ßh : hc*"^0} * "Trrt.^ s „es ist der Meister bei uns von den Toten auferstanden" in Übereinstimmung mit dem kopt. e. ncö..g Turne etc. (II, 12) und teilweise auch mit C "h"}Ujh ' „der Herr"- 12 "Z^ÖM » „was ist über uns!" Vgl. Ko. II, 13 d.peo-iroi)^ o neAiert. 14 fll K.ii00^ s correct statt L fl)/^ ti9°" t ..und wir schenkten ihr keinen Glauben".

1) A WtC" „und es öffnete sich " 2) C fl)^

flj/K} : „und sage ihnen (femin.)" für (D^fUfra»' :. 3) BS Ah *7H«A ' h,¥(bt\ „zum Herrn Jesu". Kopt. (III, 1) ige». nx^eic.

1 Auf Grund des Äth. muß JKp<Mtj]on ergänzt werden.

2 Nach dem Äth. sind die Namen der drei Frauen Sarab, Martha und Maria; Sarah ist sicherlich verderbt. Ob das kopt. „die zu Martha Gehörige" richtig ist, bezweifle ich; es ist m. E. st. T^M*.pe*. zu lesen &ot M&po& „und Martha". t^m^p^^ ist wohl eine Glosse, derzufolge unter Maria die Schwester der Martha und des Lazarus verstanden sein soll.

3 Im Ms. steht „und sie haben gegossen".

6 Der Äth. bietet: „fanden sie den Stein, wo man ihn fortge- rollt hatte" (vgl. Luc. 24, 2; Marc. 16, 4) und ferner: „sie öffneten den Eingang", was ohne Parallele ist. Wahrscheinlich hat der Kopt. das Ursprüngliche und hat der Äth. den kurzen Bericht durch den

Äthiopische und koptische Übersetzung-. 39

Koptisch

II

{Schädelstätte (xQaviov)). (Und) es sind gegangen zu jenem Orte (drei) Frauen: Maria, die zu Martha Gehörige, und Maria (Magd)alena, und sie nahmen Salbe, um sie zu gießen (auf seinen Leichnam (öa^t/a), indem sie weinten und trauerten (IvjteZö&cu) über 5 (das, was) geschehen war. Als sie aber ( öt) sich genähert hatten dem Gra- be (r« <pog)), blickten sie hinein und nicht fanden sie den Leich- nam (ocöfia). Wie (mg) sie aber {dt) trauerten (Xvjrüod-cu) und weinten, offenbarte sich

der Herr (ihnen und sprach zu ihnen: „Wen beweinet ihr? Nicht weinet mehr; ich bin's, den ihr sucht. l" Aber (aX/.a) möge eine von euch zu euren Brüdern gehen und sagen: Kommet, der Meister ist auferstanden von denToten^. Martha kam und sagte es uns. Wir sprachen zu ihr: „Was wünschest (du) mit uns, o (cj) Weib! Wer (gestorben und begraben, ist es möglich, daß er lebt?" Nicht haben wir ihr geglaubt (jnozEvsiv), dal> der Erlöser (ocot?'jq) von den Toten auferstanden wäre.

1 Matth. 27, 33; Marc. 15,22; Luc. 2?,, 33; Job. 19, 17. Über das Be- gräbnis an der Schädelstätte vgl. Joh. 19,41. 2 nach Matth. 28, 1 gehen Maria Magdalena und die andere Maria zum Grabe; nach Marc. 16,1 die drei Frauen Maria Magdalena, Maria des Jacobus und Salorne; nach Luc. 24, 10 ebenfalls drei, aber Maria Magdalena. Johanna und Maria des Jacobus; nach Joh, 20, 1 Maria Magd. 3 Die Absicht der Salbung des Leichnams Marc. 16, 1; Luc. 24,1. 4 Weinen und trauern vgl. Marc. 16,10. 6 Hineinblicken in das Grab vgl. naQaxvnteiv Joh. 20, 5. 11; Ev. des Petrus ed. Harnack vs. 56 ov% svqov xb aü/ua Luc. 24, 3. 7 Erscheinung

des Herrn am Grabe Joh. 20, 14f.; Marc. 16, 9. 8 xiva xXaiexe vgl.

Joh. 20, 15. 9 tycb dut, T,v Ojxelxs vgl. Joh. 20, 15; 18, 4. 10 Meldung an die Brüder vgl. Matth. 28, 10; Joh. 20, 17. 11 vTiäyexz, ,) 6i6ä<>-

xa).og rjysQ&tj and xtbv vexowv Matth. 28, 7 12 vi ^uiv xal aoi, ü» yvvai i vgl. Joh. 2, 4) entspricht wörtlich dem Koptisch, „was wünschest du mit uns, o Weib". 15 Unglaube der Jünger Marc. 16, 11 f.; Luc. 24, 11.41

Evangelientext bereichert, da das „Hineinblicken" ohne Erwähnung der Abwälzung des Grabsteins nicht möglich schien. 12 Nach dem Äth. geht Maria zu den Jüngern.

40 Schmidt- Wajnberg: Epistola apostolorum.

äthiopisch

und sagte ihm: „Es hat mir Niemand von ihnen1 wegen deiner Auferstehung glauben wollen''. Und er sagte ihr2: „Laß eine andere von euch hingehen, um es ihnen zu verkünden" 3. Und Sarrhakam und brachte uns dieselbe Kunde. Wir aber straften sie Lüge. Und 5 sie kehrte zu unserem Herrn zurück und erzählte ihm wie Maria. Cap. 11 (22) Da sprach der Herr zu Maria und ihren Schwestern: „Gehen wir zu ihnen hin!'* Und er kam und fand uns, indem wir verhüllt4 saßen. Wir aber zweifelten und glaubten nicht. Wie ein Gespenst erschien er uns, und wir

10 glaubten nicht, daß er es wäre. Er war es aber doch5. Und er sagte uns so: ..Kommt und fürchtet euch nicht! Ich bin euer Meister, den du, Petrus, dreimal verleugnet hast, bevor der Hahn krähte, und auch jetzt verleugnest du wiederum?" Und wir traten zu ihm hin, nachdenkend und zweifelnd, ob6 er es wäre.

15 Er aber sprach zu uns: „Warum" zweifelt ihr und was sagt

S 2 -^vh-C '• = L %;hC •• „laß hingehen ..." ftA

hf * hih± > „eine andere" = L V : J) ' :. 6 £fWK> : =

L £fl»4 s ., sprach —BS A^C^ ' fl>Aa7C;^ » ^ Gegen- satz zu Ko. III, 6 nMa.pid. mh necKecume. 7 7r/h*G : "iiWl :

„gehen wir " 13 't\\ihRlh •• ...... willst du verleugnen?"

Mit Fragepartikel statt Adverbium „auch, wiederum". A h.'t JlUJ^rY. ! ..wiederum wirst du nicht verleugnen".

1) ABC om. ?i9°2".l/,<n>* : >iV01i ihnen" (im Gegensatz zum Kopt.). 2) C £D'>H» : „und wir sagten". 3) AC om. \]ao : „um". Der Satz würde also lauten: U'i't s hTfli : ^"(\ti*'an' : „indem sie dies ihnen sagen wird". Der Text in L ist eine Contamination zweier, einander ausschließender Constructionen: H*>-f"* : Xl00 ! *jf*»flA*,<,,>* : „damit sie dies ihnen sagt" und ff'j'jh : ?i*>H ;j*'fl/t*,ö1>« : „indem sie dies ihnen sagt" (wie in AC). 4) Guerrier hat hier: „et nous trouva

en train de nous aveugler". AC haben ?»"}H : 'J'iA'fl : (Dillm., Lexicon, col. 1138 nach S: 'JlA'flOi welches nur „fischen" be- deuten kann, und so versteht es auch Dillmann; also: „er fand uns, indem wir fischten". Diese Variante geht zurück auf Joh. 21, 3 ff. Der kopt. Text (III. 8) hat: ^qernTne n^o?n „und fand uns drinnen*' (Schmidt). 5) C om. (D*j\wt: :. Der Satz würde also nach C

lauten fl)fl>«?rl:rt : (DhWtt '• £fl»Ai : » wir glaubten nicht, daß

er es wäre. Er aber sagte uns " 6) C om. t\Ov i\ also viell.

auch folgendermaßen: „nachdenkend und zweifelnd. Er aber sprach

usw " (im Gegensatz zum kopt.). 7) ABCS om. fl?/)"f" :

„wegen", also „was zweifelt ihr" statt „warum zweifelt ihr ... ." im Gegensatz zu kopt. (IV, 1): e-rfee o Tcmp^icr^Te.

Äthiopische und koptische Obersetzung. 41

Koptisch

111

Darauf (rorf) ging sie (kehrte sie zurück) zum Herrn und sprach

zu ihm: ..Niemand von ihnen hat mir geglaubt (möTEveiv), daß du lebst". Kr sprach: „Möge eine andere von euch zu ihnen geben und es ihnen wiederum sagen". Maria kam und sagte es uns wiederum, und 5 nicht haben wir ihr geglaubt (jiioreveiv). Sie kehrte zum Herrn zurück, und auch sie sagte es ihm. Darauf (rort) sprach der Herr zu Maria und ihren andern Schwestern: „Laßt uns gehen zu ihnen!" Und er kam und fand uns drinnen; er rief uns heraus; wir aber (dt) dachten, es wäre ein 10 Gespenst {(pavxaöia), und nicht haben wir geglaubt (jiiOtsveiv), daß es der Herr wäre. Darauf (rors) sprach er > zu uns: „Kommet, fürchtet euch nicht! Ich bin euer Meister;, dieser, du Petrus, den du verleugnet (agveZOd-ai) > hast dreimal, und jetzt wiederum verleugnest (ägvüofrcu) du?" Wir aber (öt) traten zu ihm, zweifelnd (öiGraZeiv) (in) 15 unserm) Herzen, ob er es wäre. Da sprach er zu (uns):

8 £Ou> vgl. Joh. 20, 19. 20; Marc. 10, 14. 10 cpawaola vgl.

Luc. 24,37.39; (fdvzao/Aa Marc. 0,49; Matth. 14,20. 11 VTtaysxs' ,«/;

ifoßeiote Matth. 28, 10; vgl. Matth. 14, 27; Marc. 0, 50; Joh. 0, 20. 12 dreimalige Verleugnung des Petrus Matth. 20, 34. 69ff. u. Parall. 14 dunäCßiv vgl. Matth. 28, 17; 14, 31.

2 Der Äth. hat „wegen deiner Auterstehung glauben'' st. .. ur<'- glaubt, daß du lebst".

4 Nach Äth. geht Sarah st. Maria.

8 Der Äth. hat das eoca „drinnen'- resp. seine Vorlage nicht ver- standen, da er übersetzt: „indem wir verhüllt saßen"; er denkt wohl an die Trauernden; s. die Bemerkung zum Äth.

12 Nach dem Äth, ist statt der von mir vorgeschlagenen Er- gänzung aatö-K [t'evp ne nx^eic] „ich 'nämlich (yao)) bin der Herr" zu lesen ^ne^K jne neTncivg].

13 Der Äth. hat sich auf Grund der Evangelienberichte den Zusatz „bevor der Halm krähte" erlaubt.

42 Schraidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

ihr? Wisset1 ihr denn nicht, daß ich es bin, der euch von meinem Leibe, meinem Tode und meiner Auferstehung sprach? Damit ihr aber wisset, daß ich es bin, so lege, Petrus, deine Hand2 in die Nägelmale meiner Hände, und du, Thomas, in 5 meine Seiten3, du aber, Andreas, sieh', ob mein Fuß die Erde berührt und ob | eine Fußspur bleibt. Denn es ist im Propheten geschrieben worden: »Die Erscheinung eines Gespenstes hat keine Fußspur auf der Erde«".

Cap. 12 (23) Wir berührten ihn also (und überzeugten

10 uns), daß er wahrhaftig im Fleisch auferstanden war. Alsdann

fielen wir vor ihm auf unser Gesicht und huldigten ihm und

baten ihn um Verzeihung, daß wir an ihn (ihm) nicht geglaubt

hatten. Darauf sagte uns unser Herr und Erlöser: „Stehet auf,

S 3 flJ-hi^ ' 0D9°VCYla°' : »daß ich euer Meister bin" im Gegensatz zu allen anderen Mss. und zum Kopt. Vielleicht nur Ditto- graphie des tfDjPUCfa00* : „euer Meister" einige Zeilen früher, •i Ifx&fi i „meiner Hand" im Gegensatz zu Ko. IV, 5 nnd.s'rx. (Dh'i't'Yi s statt t°h'i't' ! »un(l aucü ^u' Thomas usw." 5 J\Oo : = ob. 8 HJiAP * „welche hat keine Fußspuren usw." 13 a°f£ $Xi s h*? M : hCft-Wl •• Erlöser Jesus Christus' .

1) Für (D9°'i± ' ^-nA- •' hJrhWh » h*» ' M (D-hi: :

tfilC\l'Y}a0m s (LBS) = „und was sagt ihr? Wisset ihr denn nicht,

daß ich es bin, der usw " haben AC (D9°'}:t '• (C (\9°l^r ')

\iKm't'h9ni s Y\*l '• (O'Tti'pi etc , was heißen würde, wenn wir

m llK.'i'h^^ im Auslaut ein ^- : für V lesen: „und warum seid ihr

ungläubig? Ich bin es, der usw " Hier stimmen AC genau mit

dem Kopt. überein (IV, 1): cti tctRc Haane^Te noch und seid

ungläubig". Wenn das Kopt. und AC wirklich das Ursprüngliche bewahrt haben, so ist wahrscheinlich aus Hh^tx^Y* s das V* : in das ihm äußerst ähnliche £. mi^ Beibehaltung des ^- s durch den Abschreiber geändert worden, indem er das ^. : nunmehr nicht als Auslautskonsonanten des Verbum %\9°^ :, sondern als Fragepartikel Y- : auffaßte. 2) BC add. (Dh^'üaiM : „deine Hand und deine Finger". C bloß (D (?)K?'fll%.h : »lege, Petrus, deine Finger" in Über- einstimmung mit dem Kopt. (IV, 4 5) tcjokc nneK^&e. 3) Anders der kopt. Text (IV, 6 7) Ao^^h nn^cnip ,die Lanzen- stiche meiner Seite". Der Äthiope hat nach Joh. 20, 27 conformiert.

2 Der Äth. L setzt die Frage auch im zweiten Satze fort: „Wisset ihr denn nicht, daß ich es bin ... .?"; aber nach der Var. AC ist dies ebensowenig ursprünglich, wie der Zusatz „und was sagt ihr?" AC zeigt in Übereinstimmung mit Ko. das Richtige.

Äthiopische und koptische Übersetzung. 43

Koptisch

IV

„Warum zweifelt {dioraZtiv) ihr noch (tri) und seid un- gläubig? Ich bin's, der euch gesagt hat in betreff meines Fleisches (ö«p|) und meines Todes und meiner Auferstehung.

Damit ihr erkennet, daß ich es bin, so lege, Petrus, deine o Finger in die Nägelmale meiner Hände, und du selbst, Tho- mas, lege deine Finger in die Lanzenstiche (loyy?]-) meiner Seite; du aber (de), Andreas, betrachte meine Füße und sieh', ob sie an der Erde haften. Denn (/«(>) es stehet ge- schrieben im Propheten {jiQocprjTf/g): »Eines Daimonsgespenstes {6ai^cov-(pav- xuoia) 10 Fuß haftet nicht auf der Erde«". Wir aber (öe) haben

(befühlt ^ ihn, damit wir wahrhaftig erkennten, ob (er aufer- standen wäre) im Fleisch (ö«p£), und wir fielen auf unser (Antlitz, indem wir bekannten (et-ofioXoyüod-ca) unsere Sünden, daß wir (un-) gläubig gewesen seien. Da sprach der Herr, unser Erlöser (ocozrjQ): „Erhebet euch,

I vgl. Luc. 24, 38f. anioxoq vgl. Joh. 20, 27 ; Marc. 16, 14.

4f. vgl. Joh. 20, 20. 27. 9 Das Zitat des Propheten unbekannt. Harnack (Theol. Studien . . . B. Weiß zu seinem 70. Geburtstage dargebracht) will die Stelle mit Sap. Salom. 18, 17 in Verbindung bringen, Guerrier fälsch- lich mit Dan. 14, 18ff. Über die doketische Vorstellung, daß die Fuß- spur Jesu auf der Erde sich nicht zeigt, vgl. Acta Joh. ed. Bonnet in den Act. apostol. apocrypha II, S. 197,5 f. 11 rpr]Xa<päv xal löeiv vgl. Luc. 24, 39 ; l.Joh. ], 1; s. Ignat. ad Smyrn. 3,2. 12 snsaav tnl tiqöoiotiov avzüv vgl. Matth. 17, 6. 13 e^ouol.oyeio&ai rag auaQxiaq Matth. 3, 6; Marc. 1,5. 14 fyipfyve Matth. 17, 7.

II „wahrhaftig'" = ahjdcög, ovrcog ist wohl besser in Überein- stimmung mitÄth. in den Nebensatz zu stellen: „ob (daß) er wahrhaftig auferstanden" vgl. Luc. 24, 34. Auch der Latein. hier ist der Anfang des lat. Textes bezeugt dasselbe: Nos enim temptantes quo(d ve)re in (car)ne resure(xerat). Der Lat. scheint nicht wie Atb. u. Ko. geboten zu haben: „wir fielen auf unser Antlitz" wenn oia ums richtig gelesen ist, aber da die Kolumne noch 15 Zeilen enthielt, muß der Lat. eine längere Fassung geboten haben.

12 Man könnte auch ergänzen [&np]e£oMoA. ..und wir bekannten".

44 Schmidt- Wajnbei'g: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

und ich werde euch enthüllen, was auf Erden ist und über den Himmeln und wegen eurer Auferstehung im Himmelreiche 2, um dessen willen3 mein Vater mich gesandt hat, damit ich euch hinaufführe und diejenigen, die an mich glauben".

Cap. 13 (24) Dies ist nun, was er uns offenbarte, wie er (es) uns mitteilte: „Als ich vom Vater des Alls kam4, als ich durch die Himmel ging, in die Weisheit des Vaters ge- kleidet und in seine Kraft gehüllt, von seiner Kraft, war ich

S 2 <Df|'ih*}u/Ai»Jl<n>" „und in eurem Auferstehen". 6 bloß ft'Jff : A./Zi^f'^Äfl^ '• ohne rt°7jP^ also „indem ich nicht überschritt" oder „indem er nicht überschritt" oder „übertrat". Aber was ist nicht überschritten oder übertreten worden?

l) AC<D?»h/*';]h:Ah<»,»--Hrtö7^-fl»H<w»AdA^srtö7^J

„und ich werde euch enthüllen, was in den Himmeln und oberhalb der Himmel". Dem Sinne nach entspricht das f/flJP'.R'C : in LBS mehr dem Kopt. (V, 1 2): nneTÄinca.[g]pe nrüm-ve als AC. 2) Abweichend von Guerrier, welcher übersetzt „et ce qui concerne le royaume des cieux" (weder LS noch A rechtfertigen diese Auffassung) und in Über- einstimmung mit dem Kopt. (V, 3): eT<üt TMfrrppo nim-ye. Nach Guer- rier, welcher ff fl</D7*7/*,'t* ! etc nicht als Ortsattribut zu fl)^-^«'/ ft, hm»« iauffaßt, müßte weder Hflm>1«7/*»-f«-(L) noch ffm»'>«7/M'i%: (A), sondern **Dff m»^<7/*f^ : fl"!^^ « gestanden haben. 3) A ff H?i 'J'fc frh*70" ! "um euretwillen". Guerrier übersetzt dieses Wort nicht. Es fehlt auch im Kopt. S ffflft'J'fcj'tP ! »daß um meinetwillen". 4) So AC, während LBS haben £*}ff : hihd^C *1fl Mlj ..indem ich zum Vater ging". Im Kopt. (V, 7) eeminr &&<vA grm neiorr; es scheinen also AC das Richtigere zu enthalten. Guerrier übersetzt den ganzen Passus im Präsens, während wir die Ver- gangenheit wählten, in Übereinstimmung mit dem Koptischen (V, 6), wo der ganze Absatz durch ein &cgione ^e „es geschah nun" ein- geleitet wird, durch welche Formel im Koptischen keine präsen- tischen Prädikate eingeführt zu werden pflegen; auch weiter folgen sämtliche Verba in der Vergangenheit (ö.eipn*.pea«e . . . . e^i^wne ....). Im äthiop. Text steht hier in den Hauptsätzen das Perfektum, in den Nebensätzen das Imperfektum als begleitende Zeitform, die in Ab- hängigkeit vom Hauptsatz ebensowohl Vergangenheit als irgendeine andere Zeit bezeichnen kann. Schmidt übersetzt am Anfang „als ich im Begriff war zu kommen usw." Ob das entsprechende äthiop. ?»*Jff : t\OD?\)\s so aufgefaßt werden könnte, muß dahingestellt bleiben. h9°^t(\ ' h-tt '• W*A° : steht vielleicht statt h9°'\" « ftfl « W*A* « entsprech. d. Kopt. V, 7: neicoT nnTHpq (oder viell. Vf-ft» : zum folgenden: „indem ich alle Himmel durchging"?).

Äthiopische und koptische Übersetzung. 4;">

Koptisch

V

<«■>

so will ich euch offenbaren das was oberhalb des Himmels und das was im Himmel und eure Kühe (avajiavöiQ), die im Himmelreich. Denn (/ao) mein (Vater hat mir die Macht (ei-ovöia) gegeben, euch hinaufzu- führen 5 und die, welche an mich glauben (möTZVEiv)". Was er aber (da) offenbart hat. i-r dies, was er sagte: ÄEs geschah aber (dt), als ich im Be- griff war zu kommen her von dem Vater des Alls (und) vorüberging (jcagayaiv) an den Himmeln, da zog ich an die

Weisheit ioocpia) des Vaters und ich zog an die Kraft (dvvctfuc) seiner Macht (?) Ich

lf. anoy.a).i\pü) ifiTv inävcu xöjv ovquvöjv aal xa ev xolg ovya- voiq aal r/tr avänavoiv i\uvjv (vgl. Matth. 11, 20; Hebr. 3, 18; 2. Cleru. 5,5; 6, 7) iv T// ßaai?.eia xöjv ovQavüv. 2 ßaoi/.eia xöjv ovQavüjv aus Matth. 4t. 6 Tiaxt'jQ (iov söioatv (toi x^v i^ovoiav vgl. Joh. 1, 12; 5, 27; 10, 18; 17, 2; Matth. 11, 27; 28, 18 äväyeiv v/xäg xal xovq moxevovxag stq £[ie vgl. Matth. 18, 6; Joh. 6, 35; 7, 38; 11, 25. 26; 12, 44. 46; 14, 1. 12. 6ft'. vgl. die Schilderung des Abstiegs Christi in der Ascensio Jes. 10, 7 ff. 8 vgl. Jac. 3, 15.

1 Nach Äth. ist z. 1. nueT.«ncew[a]pe „das was oberhalb" st. nucTÄince.[^]pe ..da- was unterhalb"

3 Äth. ..eure Auferstehung", als hätte der Übersetzer das kopt. aiartavoig mit aväoxaaig verwechselt.

5 Äth. ..uns offenbart hat"; in Ko. kann nen ..uns" leicht aus- gefallen sein.

6 Wörtlich: „was er sagt" wörtlich ..als ich gegangen bin, indem ich kam" vgl. Pistis Sophia ed. Schwartz S. 12, 1 &.-s-u> «Tepies eYuH-y eiiKoc.uoc.

7 Eigentlich „durch den Vater"

8 „durchschritt die Himmel" Lat. (transie^ns caelos. Man könnte den Hauptsatz schon beginnen: „da ging ich vorüber und zog an"

'.t Hinter övvanig steht nneq^sin. Das Wort -sin ist unbekannt: es kommt noch einmal X, 5 vor. An beiden Stellen übersetzt der Äth. das Wort mit „Macht, Kraft", er hat also ein övva^ig ähn- liches Wort vorgefunden, wie z. B. ioyyg, xqÜtoc.

46 Schmidt-Waijnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

in den Himmeln ' und an den Engeln und Erzengeln 2 ging ich vorüber in ihrer Gestalt und wie einer3 von ihnen (war ich) unter den Amtern, Herrschaften und Fürsten4. Ich durchschritt sie, indem ich das Maß der Weisheit des Vaters 5 besaß, der mich 5 gesandt hat. Und es folgten mir die Erzengel Michael, Gabriel, Rufael und Uriel (Uräel) bis zum fünften Himmelsfirmament6,

I) Guerrier übersetzt Art0?,?^" : „aux etres Celestes", indem er es zugleich mit den folgenden „Engeln und Erzengeln" als Objekt zu OJji'jVl- s „je suis semblable" auffaßt. Art0?^" ! heißt aber wörtlich „den Himmeln" und nach Guerriers Übersetzung müßte Al/rt0?,?^" : stehen. Zweitens heißt flJji'jYh : bloß „ich war", und ist das „ähnlich" (semblable) von Guerrier nur ergänzt. Das Kopt. (V, 9) hat ausdrücklich ^rgtone cm nnrnre „ich befand mich in den Himmeln". Wir ziehen deshalb vor, dem Koptischen gemäß hier *flrtö7,P,;ih s „in den Himmeln" zu lesen und flJAö°A?i5Fl'ih s etc. mit dem folgenden Satz in Zusammenhang zu bringen. 2) Da Guerrier (vgl. vorhergeh. Note) die „Engel und Erzengel" mit dem vorhergebenden Satz verbindet, so muß er hier ein Objekt ergänzen „alors que je tra-

verse (les cieux) sous leur aspect " S om. fllAA»^'^ ! o°\i\

Jrj*!* s „und Erzengeln". Im Äthiop. ?i*J"*}£fptfs>* : „ich gehe an ihnen vorüber" oder „ich gehe durch sie", ohne genaue Bezeich- nung, auf welches von den vorhergehenden Dingen (Himmel, Engel, Erzengel) das „sie" sich bezieht. 3) „Einer" fehlt in L. Über- setzt nach ABCS Yxfh^i' ! bzw. 6. 4) Die entsprechenden äthiop. Substantiva «J£<7»;f»'jr* : etc. stehen im Akkusativ; deshalb übersetzt Guerrier „je traverse les Functions, les Puissances, les Dominations". Wir beziehen aber •\*°iPJft* : „ich überschritt" auf den nächstfolgenden Satz in Übereinstimmung mit dem Koptischen. Freilich müßte in diesem Falle **\jao^^ s etc. mit einer zu ergänzenden Präposition „unter, zwischen" stehen. Das Kopt. (V, 12) hat ausdrücklich <m «^P9CH A1" ne^o-yci^. Ein gewisser Bedeutungsunterschied muß noch hervorgehoben werden zwischen «Jfa</»^"f" : und fl)/*,A"l<i"rf* ' einer- seits, welche gewöhnlich das Amt bezeichnen, und (D0*>X\'}'}'fr : ander- seits, welches den Würdenträger, nicht aber die von ihm getragene Würde bedeutet. Die zwei ersteren Substantiva entsprechen im Äthiop. genau dem kopt. n&.p^H .wir ne^ovci**, das dritte fehlt überhaupt im Koptischen und wird von Guerrier „lesDominations" übersetzt; die Stelle ist hier jedenfalls inkonsequent. Es ist auch noch zu erwägen, ob wir nicht das Substantiv (Dtro\\'i'}'fM s von den ersten beiden zu 'scheiden und mit dem folgenden Satz in Verbindung zu bringen haben, etwa „ich durchschritt die Fürsten". Es wäre auch eine andere Auffassung möglich, die, wie es scheint, Guerrier angenommen hat, nämlich: „ich durchschritt die **t,ao^"-f- :, die /**A'I)<i,'f" » und die f/o\tt'}'i-f- :". doch stimmt dies nicht zum Koptischen. Im Lateinischen steht hier

Äthiopische und koptische Übersetzung. 47

Koptisch

10 befand mich im Himmel, und an den Erzengeln (a.Q%äyytXos)

und den Engeln (dyytlos) ging ich vorüber (jcagaytiv) in ihrer Gestalt,

gleichsam als (cos) wäre ich einer aus ihnen unter den Herrschaften (dQ%r]) und

Gewalten (ßgovaia). Ich durchschritt sie, indem ich die Weisheit (öocpla) dessen, der mich

gesandt hat, besaß. Der Oberanführer (aQXtCTQatf//6g) der Engel (ayytXos) aber (dt)

ist Michael 15 und Gabriel und Uriel und Raphael, sie

VI

aber (6t) sind mir nachgefolgt bis zum fünften Firmament (ottgtcofia), denn (ydg) sie dachten in ihrem Herzen (bei sich), daß

12 a.Q-/ul xal it-ovolai vgl. Eph. 3, 10; Kol. 1, 16; 2, 15; Tit. 3, 1. 13 <) Ttsfixpaq ne Joh. 4, 34 u. ö.

11 Der Lat. in simil(itudinem) effigies il(lo)rum, in Ko. scheint „in der Ähnlichkeit" ausgefallen, da nur der Genitiv nnoveme „ihrer Gestalt" steht; eine kann in Ko. sowohl „Gestalt" wie „Ähnlichkeit" bedeuten.

12 Wörtlich „einer mit ihnen".

13 Das Durchschreiten ist wohl auf die Herrschaften und Ge- walten zu beziehen, nicht allein auf die Erzengel und Engel.

14) Nach Ko. hätte der griech. Text 6 ao^tfroaTT/yu? 61 rcüv ayyiliav sott MiiaiqX gelautet, aber auffällig ist die beziehungslose Hinzufügung der ührigen 3 Erzengel. Der Lat. bietet ar(chan)gelus. Ath. „die Erzengel".

.,pot[es]tates et principes". 5) AC add. fl>:5»£A* : (C richtiger (D'S £A°:) }\:l'0tQf\''' „indem ich das Maß der Weisheit besaß und in die Kraft mich hüllte des Vaters usw. . . ." Die hinzugefügten Worte feh- len im Kopt. 6) Sowohl im kopt. wie im latein. Text stellt Uriel vor Raphael. C om. yX'W'l" -" vor flö7J& :, hat also einfach „bis zum fünften Himmel". Vgl. das lateinische „usque ad quin- tuui coelum".

4S Schmidt- Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

indem ich 1 ihnen gleichsam einer von ihnen schien. Solch' eine Macht ist mir vom Vater verliehen worden. Darauf habe ich die Erzengel durch (meine) Stimme erbeben lassen 2, damit sie zum Altar des Vaters gingen und den Vater nach ihrer Art dienen3, bis ich zu ihm zurückkomme. So4 tat ich nach der Art seiner Weisheit, denn ich war in Allem mit ihnen 5, da-

1 ) BLS haben hier im Gegensatz zum Kopt. (VI, 3) eota.K ove etc. das unrichtige f^trolift*»00'* „er schien ihnen", falls in diesen Mss. nicht noch ein f\0D s : vor & stand, so daß es hieß: „denn es schien ihnen, daß ich einer usw. . . ." In C ist wenigstens dieses f]tio ; er- halten. 2) Im Kopt. steht etwas auf den ersten Blick gänzlich Ver- schiedenes (VI, 5): e/iTceno nnö.px.^c*,:,e^oc •£« 0"5\gp&.TF nM&ige = ..schmückte ich die Erzengel mit einer wunderbaren Stimme, damit

sie usw " Obwohl ^flf : gewöhnlich „machen, veranlassen"

bedeutet und £/}7Ä s „zittern", wäre es jedoch nicht unmöglich, den äthiop. Text dem kopt. anzupassen. <^rtf: kann nämlich auch „mit etwas versehen, parare, vestes induere" heißen, und £*J*Jft s heißt auch im Kausativ „Verwunderung erregend, wunderbar". Es könnte also nach einer kleinen Änderung Ji&'J'^fJ« : als Attribut zu fl^A ' aufgefaßt werden (oder vielleicht *ygS}"l0* s statt ££1*70-* = „ich ließ die Erzengel durch ihre Stimme Staunen erregen"?), und der Satz tibersetzt werden „ich versah die Erzengel mit einer wunder- baren Stimme". Darauf weist vielleicht auch hin die etwas ungewöhn- liche Stellung des £>&'}"}&• i vor „den Erzengeln" anstatt dahinter, obwohl dieser Umstand gerade keine starke Stütze ist. Vgl. auch latein. „feci archangelos .... stuporem vocis". 3) In ABC

fehlt Aft'fl * fl E* bleibt mithin (Dp,:t"PW : l-flC0, •', welches nur übersetzt werden kann „und sie werden ihren Dienst dienen, aus- üben". Hier, wie so oft. bewahren ABC das Ältere oder wenigstens das dem Kopt. genauer Entsprechende. Letzteres hat (VI, 7): coyp-irnHpe- tci i.oT ce-xioK Ö.&Ö.A nrÄ.i&.nom&. = „und dienten und vollendeten den Dienst". *7'flC?ö0"s bedeutet nämlich sowohl „Art, Weise" wie, was das gewöhnlichere ist, „Dienst, Amt". Zur vollen Übereinstimmung des Äthiop. mit dem Kopt. fehlt nur noch ein Verbum, dem cestoK ent- sprechend, zwischen <Dj&*]h«f»J£ s und *7*flC<n>« :- Die Konstruktion des Satzes schließt jedenfalls nicht die Möglichkeit aus, daß hier ein derartiges Wort ursprünglich gewesen sein könnte. -Die Var. ABC wird auch durch das latein. „et replen[t]es ministratione" bestätigt, wo eben- falls das Wort „dem Vater" fehlt. 4) A add. H*}^ : vor ti"°H ', also: „dies tat ich so", in Übereinstimmung mit dem Kopt. (VI, 8) tci te T\ge etc. S Oi\\00*\l : „und so . . . ." Im übrigen lautet der ent- sprechende Satz im Kopt. etwas verschieden: Tei Te T.ge cra/ieec giTii Tcoc^ie. nneine, was Schmidt übersetzt: „Also habe ich durch die Weis-

Äthiopische und koptische Übersetzung. 49

Koptisch

ich einer von ihnen wäre. Der Vater aber (öe) hat mir ge- geben die Kraft (dvvaitic) von dieser Beschaffenheit, und an jenem Tage 5 schmückte ich die Erzengel (agy/r/ysZoc) mit einer wunder- baren Stimme, damit sie hineingingen zum Altar (&vOiaöTTJQiov) des Vaters und dienten {vjitjqbteIv) und vollendeten den Dienst (öiaxovia) , bis daß ich zu ihm (sc. Vater) zurück- kehre. Also habe ich durch die Weisheit (oorpid) die Ähnlichkeit (Gestalt) gemacht. Ich 10 nämlich (yccg) bin geworden alles in allem, da-

0 9vctaGTTJQiov vgl. Apoc. Joh. 8, 3 f. 8 Rückkehr zum Vater vgl.

Joh. 37,3; 14,12.28 u. 5.

5 Ko. hat m. E. das Richtige überliefert. Der Lat. bietet: et tunc feci archangelos in stuporem vocis ducere ipsos ad (a)ltaneum patris mei, der Äth. ..darauf habe ich die Erzengel durch meine Stimme erbeben lassen"; vgl. aber die Bemerkung von Wajnberg. Lat. u. Äth. deuten auf ein griech. i^iavavai.

9 Wörtlich: „dies ist die Weise, wie ich habe gemacht" Im Lat. steht sie enim feci per sapientiam [sjimilitudinis.

heit die Ähnlichkeit (Gestalt) gemacht". Das Äthiop. h9°tlß\. : heißt zwar auch ..Gestalt'-, aber so wie der Text in allen Älss. aussieht, können wir nicht anders übersetzen als „ich machte (tat) nach der Gestalt seiner Weisheit". Vgl. auch das latein. „sie enim feci per sapientiam [sjimilitudinis", welches genauer dem Kopt. als dem Äthiop. entspricht. 5) Guerrier übersetzt:

„car .... je serai toujours avec eux". „Toujours" ist jedenfalls im äthiop. Text nicht direkt enthalten. Der Satz könnte eher übersetzt werden „denn ich war alles in allem mit ihnen" in voller Übereinstimmung mit dem Kopt. (VI, 9) wi^r p&jj a/igome on nTHpq (Schmidt korrig. iTnTHpq) gn o-s-^n im*. Allerdings fehlt in ACS das dem miTHpq entsprechende Vf*A»:. Dafür finden wir im Kopt. kein dem Äthiop. l)nt\(\,\rao- = mit ihnen (A f* tlfoYl019' '• = mit euch) entsprechendes Wort. Das Prädikat übersetzt Guerrier in der Zukunfts- zeit ...je serai .... avec eux"; jedoch ist lOYl" : deutlich Präteritum und noch deutlicher das kopt. a/igume. Vgl. auch das latein. „ego enim in omnibus omnia facutus sum".

T. u. U. '14: Schmidt- Wajnberg. 4

5(J Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

mit ich, nachdem ich den barmherzigen "Willen des Vaters und die Herrlichkeit dessen, der mich gesandt hat, vollendet habe1, zu ihm zurückkomme.

Cap. 14 (25) Wisset ihr nun denn, daß der Engel Gabriel | 5 gekommen und Maria verkündigt hat?" Und wir sagten: „Ja, Herr!" Er aber erwiderte und sagte uns: „Erinnert ihr euch denn nicht, daß ich euch einst gesagt hatte, daß ich den Engeln einem Engel gleich geworden bin?'* 2 Und wir sagten ihm: „Ja, o Herr!" Er aber sagte uns: „Damals erschien ich der Jungfrau5 Maria 10 in der Gestalt des Erzengel Gabriel und redete mit ihr; ihr Herz nahm auf, sie glaubte 4 und lachte 5. (Darauf) ging ich,

1) Guerrier faßt \\ao : als Präposition „selon" auf, nicht als ein- leitende finale Konjunktion zum Hauptsatz jxl'ültx *• I^es ist wahr- scheinlich nicht zutreffend, erstens weil die entsprechende Präposition gewöhnlich HlT70 : lautet, zweitens spricht dagegen das Kopt. (VI, 10) ■xck^öx TOiKono.uie. nneiwT nn£6.T AineTd.gTeoire.ei Te.'xe.Kq e>.fee.'A. Wenn die (Schmidt, Fußnote zum kopt. Text) Ergänzung „laudem" nach dem Lateiner richtig ist, müßten wir dementsprechend auch im äthiop. Text ein Verbum wie *^rt"flrh! °der dergl. vermuten (hinter AJt'fl !j- Bei Guerrier ist, wie gesagt, die Gliederung des Passus eine ganz andere, mit dem Kopt. nicht übereinstimmende und auch wenig dem Äthiop. ent- sprechende. Bei Dillmann ist \\oo t als Präposition mit abhängigem Nomen nicht belegt, und scheint Guerriers Auffassung von ft<7» : d.&'&t

etc als selon le desir etc grammatisch undurchführbar zu

sein. 2) Vgl. oben. Im Kopt. (VII, 4) noch außerdem eupn-mpq .gn o-rr*.n ihm. S \\0D : tf»A?ifa'h : O)\\0D : etc. = „wie die Engel und wie ein Engel ihnen geworden bin". 3) ABC om. £*"y7A : „Junefrau'1 in Übereinstimmung mit dem Kopt. (VII, 7) e.YoTfujng e.fce.A nMe.pi*.. S htyRtl't' '• Rtlfo : »der heiligen Jungfrau". Der ganze Satz lautet im Kopt. etwas anders: .gn c^oo-se oe.p ctmaio eTe.i-xi T-uop-Jm t*e.kpiHA etc. „an jenem Tage, wo ich

angenommen habe die Gestalt des Gabriel " 4) ABC

)\tju'/'l~ : „sie glaubte", in Übereinstimmung mit dem Kopt. (VII, 9) e.cpnicTeue, gegenüber LS (/»AH •' l'tDto&fy i) h9°^i' ' „(ihr Herz nahm an) den Glauben". Obwohl ABC sich hier auf das Koptische stützen, ist jedoch die asyndetische Verbindung von •f-fljjF)^« s mit jc\9°^'t' : befremdend, besonders da die Subjecte der beiden Prädikate verschieden sind. 5) Dem Verbum „und sie lachte" entspricht im Kopt. (VII, 9) ein Wort, welches Schmidt e.Ypn[A]*.cce ämm oder e.epnA. liest und mit „ich formte mich*' übersetzt. Der Äth. resp. der arab. Übersetzer muß das kopt. nAe.cce mit t-eAe.cce ver- wechselt haben. Das Lachen hätte doch nur Sinn, wenn Maria nicht ge-

Äthiopische und koptische Übersetzung. 51

Koptisch

mit ich die Veranstaltung (olxovofiia) des Vaters ^preise? und) die Herrlichkeit dessen,

der mich gesandt hat, vollende und zu ihm zurückkehre.

Denn (ya(>) ihr wisset, daß der Engel {ayyeXoo) Gabriel ge- bracht hat

der Maria die Botschaft". Wir selbst antworteten:

VII

ie

„Ja, o Herr!" Da (roxt) antwortete er und sprach zu uns: „Erinnert ihr euch denn nicht (jit/), daß ich zu euch gesagt habe vor einer kleinen Weile: »Ich bin geworden Engel (ayytloc) unter den Engeln (ayysXog), und ich bin geworden alles in allem« ?" .:> Wir (sprachen) zu ihm: „Ja, o Herr!* Da (rort) antwortete er und sprach zu uns: „An jenem Tage Dämlich (/ap), wo ich angenommen habe die Gestalt (fioQcprj) des Engel (ayysXog) Gabriel,

erschien ich der Maria und (redete) mit ihr. Ihr Herz nahm mich auf und sie glaubte (xiOTCvtiv); ich formte (jtXao-

ötiv) mich

11 6öqa xov Tiefjupavzöq jie vgl. Joh. 7, 18; 17,4 oizovoftla vgl. Kol. 1, 25; Ephes. 1, 10. 13 Sendung des Gabriel Luc. 1, 26 ff.

VII 7 iAOQ(pfj Phil. 2, 6. 9 Ober das Gespräch des Gabriel mit der Maria und die eigene Zeugung durch das Eingehen der (pwvfj des Gabriel- Christus vgl. Orac. Sibyll. VIII, 459ff. ; Pistis Sophia c. S (Kopt.-gnost. Schriften ed. Schmidt, S. S, 31 f. u. S. 8'), 31 f.; dazu Reitzenstein, Zwei reli- gionsgeschichtliche Fragen, Straßb. 1901, S. 119 ff.

11 Der kopt. Text ist nicht correct, da das Wort oi/.ovofila ohneVerbum; der Lat. simul ut voluntatem patris mei laudem: der .Uli. „damit ich, nachdem ich den barmherzigen Willen des Vaters und die Herrlichkeit ... vollendet habe, zu ihm zurückkomme". Auf- fällig ist, daß Lat. und Äth. übereinstimmend vom „Willen des Vaters'', resp. „gnädigen Willen" reden, andrerseits kann Ko. den Begriff oiaovoiiia nicht erfunden halien. Ko. XIV, 12 hat Äth. den Aus- druck ohovoiiiu mit „Barmherzigkeit, Gnade" übersetzt.

13 Man kann auch den Satz als Frage auffassen.

VII 3f Diese Stelle geht m. E. zurück auf V, 10 und VI, 10.

8 Der Äth. fügt fälschlich hinzu „der Jungfrau".

9 Wenn man liest a.cpn[A]d.cce i\m&.Y heißt es: „sie formte mich", aber wohl kaum anzunehmen, da Christus als der Former

52 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopiscli

das Wort l , in sie hinein und ward Fleisch. Ich war also mein eigner Bote und in der Gestalt eines Engels tat ich so2. So pflegte ich zu tun. Darauf ging ich zu meinem Vater zurück 3. 5 Cap. 15 (26) Ihr aber feiert den Gedenktag meines Todes,

das ist das Passah. Dann wird man einen von euch, die ihr vor mir dastehet4, ins Gefängnis5 um meines Namens willen werfen. Und er wird bitterlich trauern und jammern, weil, während ihr das Passah feiert, wird er im Gefängnis sich be-

S 2 Jl'jYl* s A?»fa : „icü war meui eigener Bote". 9 ^7

*fl4- ! Yxi't'00' : „während ihr .... feiert".

glaubt hätte in Analogie zu Sarah (Gen. 18, 12), hier heißt es aber auch im Äth. unmittelbar vorher „und sie glaubte". Vgl. aber die Note von Schmidt. l) AC regelrechter ID^A : „und das Wort". Fehlt

im Kopt. 2) BC (D(\hTt\t\ hCh? ' <w»AJiJl! »und in der Ähnlichkeit der Gestalt eines Engels" in voller Übereinstimmung mit dem Koptischen (VII, 12) <m ott^ic^hcic neinc HiO'feAoc. gegenüber ALS. 3) Es wäre nicht undenkbar, daß dieser Satz,

welcher in losem Zusammenhang mit dem vorhergehenden steht, zum folgenden gehört: „nachdem ich .... zurückgekehrt bin, tuet meine Gedenkfeier usw." Die Gliederung des entsprechenden kopt. Satzes gibt keinen sicheren Anhalt zur Entscheidung dieser Frage. 4) AC $?ß't»(lha0' s „welche dastehen". Fehlt im Kopt. S om. *1fl»P •' „vor mir". 5) ABCS richtiger fl,-f« : Ttyäx „Ge-

fängnis" statt fp*pÄ\i „Gefangenschaft".

seiner selbst gilt. Der Äth. bietet dafür in allen Hdd. „sie lachte", als wenn ursprünglich im griech. Text gestanden hätte: iyikaötv resp. iyskaoösv. Das müßte dann schon im koptischen Text, der als Vor- lage für den arabischen resp. äthiop. Übersetzer gedient, gestanden haben, und eine Verlesung von nkaGoe und yskaaas war ja sehr naheliegend. Merkwürdig aber ist gerade von einem Lachen der Maria bei der Verkündigung des Michael in Orac. Sibyll. VIII, 466 ff. die Rede, eine Stelle, die auch sonst mit unserem Text bemerkenswerte Übereinstimmung zeigt: avrig 6' EvcpQuv&r) xctl lav&rj xictQ etvöy | xovqIöiov ö' iyEkaOoev, er\v ö SQv&rjve TiaQSirjV | ^aßficm T£07to(ievrj Kai ■fttkyofiivr] cpQSvctg cxiöoi | xal oi d-ä^aog iTcijk&sv. Es handelt sich hier nicht um ein ungläubiges Lachen, sondern um ein Lachen der Freude. Über das Lachen der Maria bei ihrer Reise nach Beth- lehem vgl. Protev. Jacobi ed. Tischend, c. 17 und beim Abendmahl

Äthiopische und koptische Übersetzung. 53

Koptisch

10 und ging hinein in ihren Leib ; ich wurde Fleisch (occq^), da (ejtti) ich war mir allein Diener (öidxovoq) in bezug auf Maria in einer Sichtbarkeit (aioti/jOic;) von Engelsgestalt (ayytJ.og-).

Also werde ich handeln. Nach meinem Heimgang zum Vater, so gedenket ihr meines Todes. Wenn (oxav) nun 15 das Passah (jraö^a) stattfinden wird, dann (rote) wird einer von euch

VIII

ins Gefängnis geworfen sein um meines Namens willen, und er

wird sein) in Trauer (Xvjrr/) und Sorge, daß ihr feiertet (das) Passah (jtaoxa), während er sich im Gefängnis befindet und <fern) von euch ist;

10 vgl. Joh. 1, 14. 11 Über Christus als Diener seiner selbst vgl. Pistis Sophia S. 80, 31. 14 vgl. 1. Kor. 11, 26. 15f. vgl. Act. 12, 3ff.

VIII 1 evfxev zov övöfxaxoq fiov Luc. 21, 12; vgl. Joh. 15, 21; Apoc. Joh. 2, 3.

vgl. Apostol. Kirchenordnung ed. Lagarde, Reliquiae iuris eccles. antiquissimae 1856, S. 79.

10 Nach Äth. „ich, das Wort, ging hinein"; unter Einwirkung von Joh. 1, 14.

11 Maria im Äth. ausgelassen.

12 Im ursprünglichen Text ein Doppelausdruck: afcdrjaig und fioQcpij, also „in einer sichtbaren Gestalt eines Engels".

13 Wörtlich: „dies ist die Weise, wie ich tun werde". Man könnte auch die Worte: „nach meinem Heimgang" zum Vorgehenden ziehen, d. h. nach seiner Rückkehr wird Christus als Engel den Seinigen erscheinen, wie er es einem der Jünger in Aussicht stellt. Der nächste Satz würde dann beginnen: „Und ihr gedenket meines Todes". Der Äth. bietet statt des Fut. „werde tun" ein Imperf. „ich pflegte zu tun".

14 f. Der Ath. identifiziert direkt den Gedenktag des Todes mit dem Passah, aber dadurch fehlt der Vordersatz des folgenden Satzes. Ko. hat das Ursprüngliche bewahrt, wie auch die Beibehaltung der griech. Partikel örav zeigt.

15 Äth. fügt hinzu: ..die ihr vor mir dastehet". VIII 3 Im Ath. fehlt: ..und fern von euch ist".

54 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

finden 1, und nicht wird er das Fest 2 mit euch mitmachen. Und ich werde meine Kraft in der Gestalt meines 3 Engels schicken, und es wird sich öffnen das Tor4 des Gefängnisses5, und er wird zu euch kommen, um mit euch zu wachen und auszuruhen. 5 Und wenn der Hahn kräht und ihr meine Agape vollendet und meinem Gedächtnis (Genüge getan habet), wird man ihn wiederum fortführen und zum Zeugnis ins Gefängnis zurück- bringen6, bis er frei geht und zu predigen (fortsetzt), wie ich euch befohlen habe." Und wir sagten ihm: „0 Herr, hast 10 du denn nicht selbst den Trank des Passah7 vollbracht? Ist es denn notwendig, daß wir es wiederum vollbringen?"8 Er ant-

S 7 ahh-ir '• fl»tf* «' 'Ptyih '• „ins Gefängnis'.

1) Hier fügt A £'fc3flTf : .,er wird besorgt sein" hinzu. C Ju-'kJl'H s fl'P^'H'J ' „er wird in Sorge und Trauer sein", im Gegensatz zu BLS und in Übereinstimmung mit dem Kopt. (VIH, 4) qn^pAirnei <'*p. 2) In LBS ftfttf» : 9°t\MlO^ '• Ä«*M1<£

„weil er mit euch nicht mitgemacht hat". AC Ä„7'fl<£ Art«^l : „weil er nicht das Passahfest gemacht hat mit euch". C 9°tl(t»

\la°' •" h+Uhr ■" <D(?)/v.*Ml£ : fcA«*l : »weil er nicht war mit euch und das Passahfest nicht machte". AC stimmen mit dem Kopt. überein (VIII, 4) ivxe nevqeipe en nnnA-c^xid. etc. Das in C hinzugefügte A,UA°s „er war nicht (mit euch)" entspricht vielleicht dem im Kopt. etwas früher stehenden \ov eqnneTnfßewV] (VIII, 3)

3) ABC <w»AK3f1 : „eines (oder ,des') Engels" in Übereinstimmung

mit dem Kopt. (VIII, 5—6) ^n^Tim*.-»" Iü*ev&piH<V. nd^oeAoc,

Der im Kopt. erwähnte Name des Engels (Gabriel) fehlt im Äthiop.

4) Im Kopt. (VIII, 6 7) cen^oven n^i npuiov „und es werden sich öffnen die Tore". Bei der Unbestimmtheit der syntaktischen Unter- scheidung des Plurals und Singulars im Äthiop. läßt es sich schwer bestimmen, ob Yx'i^K s „Tor" oder „Tore" bedeutet; gewöhnlich wird Yxtjtyfx : als Plur. gebraucht, aber auch der Singular kann pluralische Bedeutung haben, zumal Yx'ityK : ursprünglich vielleicht schon ge- brochener Plural ist. Das Prädikat g,~fr£*»ahi ist tertiae „w". und infolge des Schwankens der neueren Rechtschreibung bei diesen Verben zwischen ffh : und (B. : läßt uns auch hier dieses Mittel der Numerusunterscheidung im Stich. 5) AB fügen hier noch hinzu iny.MÖh. ! ?,und er wird hinausgehen und kommen" in genauer Übereinstimmung mit Kopt. (VIII, 7) qnmr *.&e<A qi uj^pio-rne. S bloß (Dgßfflbh s „und er wird herausgehen". 6) AB fDj&CDf|£,$P J „und man wird ihn nehmen" statt des ähnlich lautenden fl)£fl),£* J&JP :. Dem Kopt. (VIII, 11) cen^-renq entsprechen genauer SLC. 7) ABCS Ärt.h : Passah. 8) Anders der Passus im Koptischen.

Äthiopische und koptische Übersetzung. 55

Koptisch

denn (/«(/) er wird trauern (Xvjxeio&ai), daß er nicht feiert das

Passah (jtaöxa) 5 (mit > euch. Ich werde nämlich (/«(/) schicken meine Kraft (övva-

fitg) in der ^Gestalt; des Engel (dyyeXoq) Gabriel, und es werden sich

öffnen die Tore des Gefängnisses. Er wird herausgehen und kommen

zu euch, er wird eine Nachtwache mit (euch) verbringen und bei euch

bleiben, bis daß der Hahn (dlexrcog) kräht. Wenn aber (orav öe) ihr

vollendet habt 10 das Gedächtnis, das stattfindet in bezug auf mich, und die Agape

(dyajit]), so wird er wiederum (jiciXiv) ins Gefängnis geworfen werden zum

Zeugnis, bis daß er von dort herauskommt und predigt das, was ich euch übergeben (befohlen) habe". Wir aber (de) sprachen zu

ihm: „0 Herr, ist es denn (ß?j) wiederum eine Notwendigkeit (avayxrj), daß wir den Kelch

(jtoxr]Qiov) nehmen 15 und trinken ?•' Er sprach zu uns: „Ja, eine Notwendigkeit

(avdyxrf) ist es nämlich (yccg)

6 vgl. Luc. 5, 19. 9 aUy.iiog vgl. Matth. 26, 34 u. Parall.; alexiQo- <f(ovia Marc. 13, 35. 10 >/ ifiij avä/.(VTj<jit; vgl. Luc. 22, 19; l.Kor. 11,24. 25. 11 eh uaQzvQiov vgl. Marc. 13, 9. 13 a naQeöcoza v/uv vgl. 1. Kor. 15,3.

14 noxrjQiov Icifxßäveiv xal nlveiv vgl. Matth. 26, 27.28; Marc. 14,23; 1. Kor. 11,25. 26.

G Äth. L „in der Gestalt meines Engels" oder richtiger Dach ABC ...... eines Engels", mit Auslassung des Namens

Gabriel.

9 sag av (pavy'jOtj 6 aksKicog. Im Äth. zum folgenden Satz ge- zogen.

13 Der Äth. bietet: „o Herr, hast du denn nicht selbst den Trank des Passah vollbracht? Ist es denn notwendig, daß wir es wiederum vollbringen?" Das geht wohl zurück auf Luc. 22, 18; vgl. Matth. 26, 29; Luc. 22, 18. In Ko. ist die Frage anders orientiert, ohne auf Jesus selbst Bezug zu nehmen.

56 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

wortete uns: „Ja, bis ich vom Vater mit meinen Wunden1 zurück bin".

Cap. 16 (27) Da sagten wir ihm: „0 Herr, groß ist dies, was du uns sagst 2 und uns enthüllest. Mit welcher 3 Kraft aber 5 und in welcher Gestalt ist es dir bestimmt zu kommen?"4 Und er sagte uns: „Wahrlich, ich sage euch, ich werde kommen | wie die Sonne in ihrem Aufgange, so werde ich auch in sieben- facher Glut aufleuchten in Herrlichkeit. Auf den Flügeln der Wolken in Glanz getragen, und indem mein Kreuz vor mir5 10 einherschreitet, werde ich auf die Erde kommen, um die Leben- den und Toten zu richten".

Cap. 17 (28) Und wir sagten ihm: „0 Herr, wieviel Jahre?"

S 7 fftA-flM- : „in siebenfacher ..." 8 PI. nifl*£ :

„auf den Flügeln". 9 "hOO^C ! „ich werde tragen". 12 ao (ffi i atOD^^ i „wieviel Jahre?"

l) Im Kopt. (IX, 1) uja. cJjootc e^iiOT mh neTA.-y.g&.T&O'y ct&ht = „bis zum Tage, wo ich kommen werde mit denen, die um meinet- willen getötet sind". S ftft"?iA"3hP ! unbekanntes Wort für hRfoö ^f : „meinen Wunden". 2) Anstatt „was du uns sagst" hat A Ulfttm : ^7-flC „was du tust"; B \l\\ao : -^J-flC s (von A nur durch den Unterschied der leicht zu verwechselnden *} und J ab- weichend) „wie du weilest". Im Kopt. (IX, 2 3) ne-rawKS'&.'Ano'v i'd.p nen n.g*.pn jennMS1 ne. Mit Rücksicht auf n.gd.pn wäre es denkbar, vielleicht die Lesart B zu wählen und *J*J'flC: a^s Hilfs- zeitwort zum folgenden CD-/*h/A,^h zu betrachten: „was du uns (früher) zu offenbaren pflegtest". Diese Bedeutung hat bekanntlich ^fl<£ : im Amharischen. 3) C hat anstatt fl)fl^i£ : „und mit

welcher" das lautlich etwas ähnliche fl)flr}fl.J& : „und mit großer", was wahrscheinlich auf einem Diktatfehler beruht, da der fragende Charakter des Satzes sowohl durch das Koptische als auch durch den Sinn der Antwort Jesu bestätigt wird, und der Mangel einer Frage- partikel oder eines -Pronomens scheint im Äthiop. nicht üblich zu sein. B wiederholt fHflft.C, : „mit welcher" auch vor hCh?1 „Gestalt", ent- sprechend dem zweimal im Kopt. stehenden ne.g (IX, 4). S ffldhCh? s Im übrigen ist der kopt. Satz hier etwas vom Äthiop. verschieden. 4) ABC haben den Indikativ '[•oo^fx : statt des beim Hilfszeitwort üblichen und zu erwartenden Subjunktiv 'lm90%]ti •• Mit Bücksicht auf die Einstimmigkeit aller drei Varianten und des Indikativs im Kopt. (IX, 3) kühhit <m ou-ö'e.M etc. wäre es vielleicht nicht undenkbar, in f/Af')h einen späteren Zusatz zu sehen und das Ganze mithin zu übersetzen mit welcher Kraft .... wirst du kommen". 6) Im

Äthiopische und koptische Übersetzung. 57

Koptisch

IX

'S

bis zu dem Tage, wo ich kommen werde mit denen, die um

meinetwillen getötet sind". Wir sprachen zu ihm: „0 Herr, was du nämlich (yag) offen- bart hast uns zuvor, ist groß (herrlich). Wirst du nun kommen in Kraft von irgendwelcher Beschaffenheit oder (rj) in Wahrnehmbarkeit

(aiod-rjoig) von irgendwelcher Art?" Er 5 antwortete aber (dt), indem er zu uns sagte: „Wahrlich nämlich

{a(i7jv yag) ich sage euch: Ich werde nämlich (yag) kommen in der Art der

Sonne, die aufgegangen ist, und ich bin leuchtend siebenmal mehr als (jiagd) sie (sc. Sonne) in meinem Glänze. Indem die Flügel

von Wolken mich (tragen? im Glanz, und indem das Zeichen (orjfielov) (des) Kreuzes (oravgog)

vor mir her ist, 10 werde ich herabkommen auf die Erde, um zu richten die

Lebendigen und die Toten?" Wir aber (de) sprachen zu ihm: „0 Herr, nach

1 vgl. Apoc. Joh. 6, 9; 20, 4; Didache 16, 7; Apoc. des Elias ed. Stein- dorff, TU, N. F. II, 3a, S. 105, 10. 8f. vgl. Matth. 24, 30; Luc. 21, 27;

Marc. 13,26; 14,62; Apoc. Joh. 1,7; Didache 16, 8; Ascens. Jes. 4, 14f. und die Schilderung der "Wiederkunft Christi in der Apoc. des Elias ed. Steindorff ibid. S. 87. 10 xqLveiv tjüivxaq xal vsxQOvq Act. 10,42;

1. Petr. 4,5; 2. Tim. 4,1.

1 (KcTk räv cntoze&vijKOTav evsxsv ifiov vgl. Apoc. 20, 4. Der Ath. „mit nieinen Wunden". Auch das ist eine alte Vorstellung, daß der wiederkehrende Christus noch die Zeichen seines Todesleidens tragen werde; vgl. Apoc. Joh, 19, 13; Barnab. 7, 9.

8 Der Satz: „indem die Flügel etc." kann auch zum Vorgehen- den gezogen werden, u. Z. 10 lauten; „und ich werde herabkommen". Die Ergänzung oi[oTc*.]n ..zugleich" fraglich, vielleicht ist qi „tragen" st. gi zu lesen.

Gegensatz zum Koptischen hat A 9°f|A»P : «wfl'l'AP : „mit mir

mein Kreuz".

58 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

Er sagte uns : „Wenn 150 Jahre vorbei sind, in den Tagen l des Passah- und Pfingstfestes, wird die Ankunft meines Vaters statt- finden". Wir sagten ihm: „0 Herr, jetzt sagst du uns: >Ich werde kommen<, und du hast uns doch wiederholt gesagt: >Es wird 5 kommen2 derjenige, der mich geschickt hat<". Und er erwiderte uns: ..Ich bin ganz im Vater und der Vater in mir"3. Darauf sagten wir ihm: „Wirst du uns wirklich bis zu deiner Ankunft verlassen ? Wo werden wir einen Meister finden ?" Er aber er- widerte uns und sprach: „Wisset ihr denn nicht, daß wie ich bis

10 jetzt hier war, so war ich auch dort bei dem, der mich geschickt hat?" Und wir sagten ihm: „0 Herr, ist es denn möglich, daß du hier und dort seiest?" Er aber antwortete uns4: „Ich bin ganz im Vater und der Vater in mir, denn (ich bin) von seinem Ebenbild5 und Gestalt, von seiner Macht und Vollkommenheit

15 und von seinem Lichte6. Ich bin sein vollkommenes (oder: Wirklichkeit gewordenes) Wort7.

S 3 ora. J&fcH. : Jetzt". 10 fJA<f>-Yl« •' „war". 12 ff? '■ flUPfc : -hie1* unfl dort'-.

7) AC haben ^"Mlfi ' »zwischen dem Pfingst- und dem Passahfeste", entsprechend dem kopt. (IX, 14) nTMHTe IvrnenTHKocTH

S Y\O0 : 't'&jhaci i „Im 150 ten Jahre, wenn die Tage des

Passah- und Pfingstfestes vorbei sind . . . ." 2) AC om. J&<w»

Rh : ..es wird kommen". 8) Im Kopt. fehlt ein Stück von

diesem Satze bis zu der gleichlautenden Stelle, welche Guerrier S. CO, Z. 4 entspricht. Der kopt, Abschreiber hat sich durch die Wiederholung „ich bin ganz im Vater und der Vater in mir" irre führen lassen und einige Zeilen übersprungen. 4) Bis hier die

im Koptischen ausgelassene Stelle. 5) Im Text ftjP^A« : „sein

Ebenbild"; es ist aber sehr wahrscheinlich, daß ursprünglich *%i9°)\ 9°tlfc ..von seinem Ebenbilde" gestanden hat, nur hat der Abschreiber die Präposition ?tJJ° s ..em" infolge ihrer Ähnlichkeit zum Anlaut von ..amsälü" übersprungen. 6) B om. (D'}\90'{\C.yth : „und von seinem Lichte". 7) AC (D?ijr*^0«{rJ : .^»Ä : „und vom vollkommenen

Worte" mit Auslassung des Pronomen „ich", und in gewisser Über- einstimmung mit dem Kopt. (X. 6) ^oir n.gi ctshk ö.&a.A n.gp&.-y = ..und des vollkommenen Maßes und der Stimme". Genau ist die Übereinstimmung nicht, und es scheint der Fehler auf äthiopi- scher Seite zu liegen. Sowohl (Dfä s Q&.90 j Pfc s „und ich bin seine vollkommene Stimme" wie auch das etwas richtigere flJjtJP1^ 0, jp ; tjtfc . jn aq stehen in schroffem Gegensatz zu den fünf anderen vorhergehenden Substantiven. Es ist somit wahrscheinlich, daßursprüng-

Äthiopische und koptische Übersetzung. 59

Koptisch

wieviel Jahren wird dies geschehen?" Er sprach zu uns: „Wenn das Hundertundzwanzigstel vollendet sein wird, zwischen der Pentekoste {jnvxrjxoöxr]) und dem Fest 15 der Ungesäuerten wird stattfinden die Ankunft des Vaters''.

X

IH

Wir aber (de) sprachen zu ihm : „Jetzt nun, was hast du zu uns gesagt : Ich werde kommen und wie (ttcöc) sagst du: der, welcher

mich gesandt hat, ist der da kommen wird?" Da (rors) sprach er zu uns:

.,ich bin ganz [sieht auf)

in meinem Vater und mein Vater ist in mir von wegen (in Rück-

5 der Ähnlichkeit der Gestalt (ßOQ(pr}) und der Macht? und der

Vollkommenheit und des Lichtes und des vollkommenen Maßes und der Stimme. Ich bin der Logos (/.oyog), ich bin ihm geworden ein Etwas

(eine Sache), d.

2 xal nü>q XtyeiQ Joh. 12, 34. 3f. vgl. Joh. 10, 38"; 14, 10. 11. 20:

17, 21. 22. 23 u. Acta Joh. ed. Bonnet p. 201, 11. 7 vgl. Joh. 1, 1.

13 Wörtlich: ..der hundertste Teil und der zwanzigste Teil" = ixarooTuv y.a\ eUoarov. Äth. abweichend „wenn 150 Jahre vollendet sind". Der lat. Text setzt hier wieder ein, aber leider ist das Zahlwort vor anno implente unleserlich.

14 Äth. L: „in den Tagen der Pentekoste u. des Passah", aber AC bieten in Übereinstimmung mit Ko. u. Lat. (inter pentecosten et azyma) den richtigen Text „zwischen der Pentekoste und dem Passah".

15 Ath. „meines Vaters" wie Lat. patris mei.

X 1 In Ko. ist die Anrede „o Herr" ausgelassen; vgl. Äth. u. Lat.

2 Lat. qui te misit.

o Hier hat Ko. eine Reihe Sätze übersprungen infolge des doppelten: „Ich bin ganz im Vater". Dies scheint schon bei der Über- setzung aus dem Griechischen stattgefunden zu haben. Der Äth. bietet: »Darauf sagten wir ihm: „Wirst du uns wirklich bis zu deiner Ankunft verlassen? Wo werden wir einen Meister finden?" Er aber erwiderte uns und sprach: ..Wisset ihr denn nicht, daß wie ich bis jetzt hier war. so ich aucli dort bei dem, der mich gesandt hat, war?" Und wir sagten ihm: O Herr, ist es denn möglicb, daß du hier und dort seiest?« Der Lat. lautet: Quid est quod derolinquis nos usque ad adventum tuum? ulii autem possimus damit endet die latein. Übersetzung.

5 Der Äth. übersetzt auch hier das unbekannte sin mit „Macht".

»i vgl. die Bemerkung zum Äth.

60 Schmidt- Wajnberg: Epistola apostoloruiu.

Äthiopisch

Cap. 18 (29) Es war1, nachdem2 er gekreuzigt worden, ge- storben und auferstanden war3, (als vollendet war) das Werk, das im Fleisch vollbracht ward4, und er gekreuzigt ward, und die Himmelfahrt am Ende der Tage5 geschah, da sagteer dieses6: ..Die Wunder, die Symbole "' und die ganze Vollendung werdet ihr sehen (oder: Alles werdet ihr genau sehen?) in mir infolge (wegen) der Erlösung, die durch mich 8 stattfindet, und indem ich zu meinem Vater gehe, der im Himmel ist. Nun aber ,J gebe ich euch ein neues Gebot, daß10 ihr nämlich einander liebet und

S 9 fh^rt : „neues" correcter als ghtfft s in L.

lieh für <DY\i : ein fD^JJ0 : (wie in AC), für Q%.9° : ein entsprechendes Substantiv derselben Wurzel, etwa ^ft*<n»« : und für pfc : ein fljft 9°fPfa : gestanden haben könnten. Möglich und vielleicht wahrschein- licher ist die Vermutung, daß im äthiop. Text die dem kopt. n.gi ctxhk öiie>/A .«n ii.gpe.-5- entsprechenden Worte fehlen, und aifä : *t-ft»JP * $*fc : richtig ist, indem es dem weiter im Kopt. (X, 7) stehenden e.nö.K ne n'Aouoc entspricht. Das Überspringen des Satzteiles (etwa (Djx^QRo0* '• (Dh^Pfc :) wurde dem äthiop. Abschreiber durch den Umstand ermöglicht, daß im Geez ß*£\.: sowohl „Stimme" als „Wort" (hier „Logos") bezeichnet, und im ursprünglichen Text pfo, : zweimal nacheinander stand. S (Dh^W^llh ' (Dh9°t£&.9° ! •flCyV* : (DY\*l * Pfc J (ohne Interpunktion nach $Pfc :) „von seiner Vollkommenheit und von seinem vollkommenen Lichte (?), und ich (bin) sein Wort". Das (Dfä : ^A" : im S entspricht fast genau dem Kopt. (X, 7) e.ne>.K ne nAot'oc. 1) Hier scheint eine spätere

Einschaltung, von Tffl>-M: : Y\"° '• 'frflty/i « bis Tfflh-ft'J: ' fl4? 9l°%i, enthalten zu sein, eine Stelle, die im Koptischen fehlt. Merkwürdig allerdings, daß die eingeschaltete Stelle gerade mit demselben TfflJ-X't ' anfängt und auslautet; in solchen Fällen ist ein Übersprung im Kopt. wahrscheinlich. Aber hier in unserem Falle gibt die besprochene Stelle keinen Sinn und wird wohl doch ein späterer Einschub sein. 2) Für Yx00 ! 'f'rt^'A ! hat A \\ao : 't'd^ti1 »daß er gekreuzigt ward". Y\ und J| werden in den Mss. leicht und oft verwechselt. 3) Hier fügen AC WJ-f" :

£-flA! „dies sagte er", LB fön : WH* : jr>flA -indem er dies sagte" hinzu; der Satz scheint ein überflüssiger Einschub innerhalb der ganzen Einschaltung zu sein. 4) ABC "l'flC :

\\\\(io . 'J»7*fl^ : fl/*\? : „das Werk, wie es im Fleisch vollbracht ward". Der Sinn und noch mehr der Zusammenhang mit dem Context sind dunkel, aber merkwürdig diese Übereinstimmung dreier Hdschrr. S Hfl/^J5 : -das im Fleisch". Vgl. auch folgende Fuß- note. 5) ABC bloß ^S^°% : 'V-A*IM" mit Auslassung der

Äthiopische und koptische Übersetzung. 61

Koptisch h der Gedanke:, vollendet im Ty- pus (tvjzoc); ich bin geworden in (der) Acht(heit:, welches ist

die y.vQia- 10 yjj. Die gesamte Vollendung aber (dt) der Vollendung werdet ihr sehen infolge der Erlösung, die stattgefunden hat in bezug auf

mich, und ihr werdet mich sehen, wie ich gehen werde nach oben zu

meinem Vater, der sich im Himmel befindet. Aber (tO.Xc't) siehe nun, ich gebe euch ein neues Gebot (tvrolr(): »Liebet einander und x^.*******-** 1 .Blatt fehlt x^xx*******

9 Über die Bezeichnung der xigiuxi) als des 8. Tages vgl. Barnab. 15, 8 ; Justin, Dial. c. 24. 41. 138 (dazu Zahn, Skizzen aus d. Leben d. alt. Kirche. S. 315, Anm. 20). Über die Gleichung öyöoag = xvQiaxtf s. Clem. AI. exe. e Theodoto 63, 1 : fj fxsv ovv tüiv Tcvev/iaztx&v avänavoiq ev xvqhxx%, iv öyöo&öi, )) y.vQiaxij uvofiü'^zai etc.; vgl. auch Strom. VII, 57, 5 und V, 106,2 4. 12 d nazrjg /xov 6 ev xoXq, ovQavolq Matth. 7, 21 u. ö. 14 Joh. 13, 34

vgl. 1. Joh. 3,23.

8 Die von mir früher vorgeschlagene Ergänzung a.n^K ne sehr fraglich: möglich, daß statt [n.ueo]ire zu ergänzen ist (nujej-xe = „Wort" entsprechend dem Äth. „das vollkommene Wort", aber Ko. behält sonst den griech. Ausdruck für Xuyog bei. Der Äth. hat aus dogmatischen Gründen den Text gemodelt; das zeigt besonders der sinnlose Einschub; vgl. die Bemerkungen zum Äth.

11 Äth. „durch mich".

Präpos. fl ., also „das Ende der Tage". 6) „geschah" und „da

sagte er dieses" sind ergänzt und ist der Satz dem äthiop. Text der vorhergehenden Zeile entnommen (vgl. die drittletzte Fuß- note). Der ganze Absatz ist überhaupt dunkel. Da er eine spätere Einschaltung ist und im Kopt. fehlt, und da ferner auch das im Kopt. Vorhandene ebenfalls nicht ganz verständlich, resp. lücken- haft ist. so ist auf eine erfolgreiche Rekonstruktion wenig Hoff- nung. In dem äthiop. H^ft*^ : *V-A*fM" : (»m der Vollendung der Zahl") scheint eine Reminiszenz des kopt. ctshr a.&*.A <m irronoc (X, 8) irgendwie enthalten zu sein. 7) CS IDjiJF'^A"'^ : "Uüd dire (3. fem.) Symbole"; doch müßte eher * (Dh9° tltUlf"i stehen. Soll dieses (DY\9°{\tV* dem -nenoe des Koptischen entsprechen? Vgl. vorhergehende Note. 8) Auch Guerrier übersetzt -f\f s „par moi". während Schmidt das entsprechende aj&p&i (kopt. Text, X, 11) über- setzt: in bezug auf mich. 9) A om. fl^'j: : ..aber", im Gegensatz zum kopt. (X. 13) Ä.A'Aev cctc «s'e etc. 10) B om. \\ao : ..daß'".

62 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

einander gehorchet *, daß immer Friede zwischen euch walte. Liebet eure Feinde, und was ihr nicht wollt, daß | man euch zufüge, das tut auch keinem andern.

Cap. 19 (30) Und dies 2 prediget auch ihr und lehret die-

5 jenigen, die an mich glauben, und prediget das Himmelreich

meines Vaters 3 , und wie mein Vater 4 mir die Gewalt gab 5,

damit ihr die Kinder meines himmlischen Vaters näher bringet.

Ihr prediget, und sie sollen den Glauben gewinnen, daß ihr es

3 Matth. 5, 44. Luc. 6, 27. 35. 4 Didache 1, 2; Aegypt. K.-O. c. 5.

Apostol. Const. VII, 1; vgl. Matth. 7, 12; Luc. 6, 31. 7 vgl. Luc. 9, 2.

16 vgl. Joh. 5, 27; Matth. 28, 18. 8 vgl. Matth. 5, 45.

S 5 flftjPf i „an meinen Hainen" statt »flf : „an mich". 7 \\at> : a*fc?- : ptyCtt' ' Afcfl*P '• ftlfE •" „damit ihr seine Kinder näher bringet meinem himmlischen Vater". 8 fl)^!i'J*J"<n>- 1 ?iA s UAfl^lfl01*" ! »• und sie sollen den Glauben gewinnen. Ihr seid es, denen es bestimmt ist, usw "

1) AS om. fD'Th'lhJiHtt* « flfl^T'fch <"**•* »Uüd gehorchet ein- ander". 2) Guerrier gliedert ©H*)*!* : h'i^'00' ! „und dieses ihr" dem Vorhergehenden an, was ihn zu überflüssigen Ergänzungen zwingt: et ce que vous (voulez qu'on vous fasse, faites-le aux autres). S hat auch kein Interpunktionszeichen nach ft'J'Th"0* *• ©HT"!"^ ! (ABCL (DH'i't' 0 hl^**0* ft'flVl* * (in den anderen Mss. (D(\ »flYl« :) „Und auch dies prediget . . ." (im neuen Absatz). 3) ABC a*)^alf*ß'iM i hfr? s „das Reich meines Vaters". 4) ABS om.

Jtfl-f : mein Vater. 5) C add. "hlhiVf}00" '• „icn werde euch

geben" nach /^A'HJ :- VVir können somit den Satz folgender- maßen auffassen: „und wie mein Vater mir die Macht (Gewalt) ge- geben hat, so werde ich (sie) euch geben, damit ihr meinem himmlischen Vater seine Kinder nahe bringet". In diesem Falle müßten wir (D^x'i't'aO' : ft'flfr* : in Zusammenhang mit dem Folgenden bringen: ..ihr aber prediget, und sie werden glauben, (daß) ihr diejenigen seid usw." Ganz anders Guerrier, welcher außer der von uns ver- schiedenen Gliederung der einzelnen Sätze noch wahrscheinlich ein 'hVhV- s ergänzt und übersetzt: „(ainsi je vous la donne), pour que vous (soyez) les fils de mon Pere Celeste", was ihn zwingt, die einzelnen Sätze aus ihrem Gefüge zu reißen und an andere Stellen zu versetzen, obgleich dies hier eigentlich nicht absolut notwendig scheint. B hat ^Y\9otf „und sie werden glauben" statt J&fttf»^. : „damit sie glauben" der anderen Mss. Schmidt bemerkt hierzu die Analogie zwischen dieser Stelle und kopt. V, 4. Mit Rücksicht auf diese kopt. Stelle wäre vielleicht ein */jA : nach (D}\0o''}'fc s

zu vermuten: ..(damit ihr die Kinder nahe bringet) und auch

diejenigen, welche glauben "

Äthiopische und koptische Obersetzung. 53

Äthiopisch

seid, denen es bestimmt ist, seine Kinder1 dem Himmel zuzu- führen". Und wir sagten ihm: ,,0 Herr, dir ist es möglich, was du uns gesagt2, zu erfüllen3. Wie werden wir4 es aber im stände sein?" Er sagte uns: „Wahrlich, ich sage euch, prediget 5 und verkündet, wie ich (es euch sage), (denn) ich werde mit euch sein5, weil es mir wohl gefällt mit euch zu sein, damit ihr meine Miterben G werdet im Himmelreich , (in dem Reich) dessen, der mich gesandt hat. Wahrlich , ich sage euch , ihr werdet mir Brüder und Genossen sein, denn es hat mein Vater an euch

10 Wohlgefallen gefunden, und es werden sein, die durch euch an mich glauben". Wahrlich, ich sage euch: solch' eine Freude und eine so große hat mein Vater8 (euch) bereitet, daß die Engel und die (Himmels-)Mächte begehrten und begehren9, sie zu sehen und anzuschauen, es ist aber ihnen nicht vergönnt

15 worden, die Herrlichkeit meines Vaters zu sehen10". Wir sagten ihm: „0 Herr, wie ist das, was du uns sagst?"

6 Vgl. Matth. 28, 20. 7 Vgl. Rom. 8, 17. 13 Vgl. 1. Petr. 1, 12.

S 12 add. Ah"0* •" vor ftfl-f :„.... euch bereitet". 16 flft ">*J* '• 9°'i:t' •* (O'h'P ' t\Gi i etc. „weshalb ist das (und) wie, was du uns sagst?".

1) C oin. flHW^: seine Kinder. ABfl>«A«£: die Kinder. 2) C TJHhCV : »was wir erwähnt haben". 3) Im Texte ^flC •' „daß du erfüllest". A hat 7*7flC: „daß wir erfüllen". 4) C om. tjtfi : Avir. 5) Vielleicht wäre richtiger: „verkündet, daß ich mit euch sein

werde, denn es gefällt mir wohl usw " Guerrier anders, mit

manchen vielleicht zu vermeidenden Ergänzungen. 6> BC tfö'PC rt"tf » meine Miterben. 7) C om. fljfl : ftA ' ?h9a'h '(\Y}an's „und es werden sein, die durch euch an mich glauben". AS haben ÖJflhA: etc- „denn es hat mein Vater Gefallen gefunden an euch und an diejenigen, die durch euch an mich glauben". Die Var. AS ist augenscheinlich die richtigere. S om. *f\\\a°*i ..durch euch". 8) B hat Kal\\.h'(\<h,C '• „Gott" anstatt fcfl-f : „mein

Vater" , welches auch in C fehlt. 9) C &^fD\ : (D&^dJim. :

„er hat mich gesandt (oder „er hat auch (£) gesandt") und sie werden gesandt" für ^.-f«flJ« : OifH.dst'tD' ' „sie begehrten und begehren". A hat ^.-f- fl>- s „sie begehrten"; £,6j\'(D"- „sie be- gehren" fehlt. Die Var. C £V<»>. •* (D^.^^OK ■■ ist wahrscheinlich aus einer Verwechselung mit dein ähnlich lautenden ^.i'fll« : (D.C. dA*(D, : entstanden; die Verwechselung wurde noch erleichtert durch «las usuelle Zusammengehen von ftfl-f : und d,*ltO't, '• in der oft

64 Schniidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

Und er antwortete uns: „Ihr werdet ein Licht erblicken, das heller als das Licht leuchtet *, und vollkommener ist als die Vollkom- menheit. Und der Sohn wird 2 durch den Vater, das Licht, voll- kommen werden, denn vollkommen ist der Vater, der den Tod 5 und die Auferstehung vollbringt3, und eine Vollkommenheit, die vollkommener ist als das Vollkommene 4. Und ich bin ganz 5 die Rechte des Vaters, in ihm, der vollkommen macht" 6.

Und wir Zwölf sagten ihm: „0 Herr, in Allem wardst du uns

zur Erlösung und Leben, und solch' eine Hoffnung verkündest

10 du uns!" Und er sagte uns: „Seid getrosten Mutes und stark!

S 10 CDftT'flö- '• „seid . . stark!"

in diesem Texte wiederkehrenden Formel }\(\'f t W&hWlM ! „mein Vater, der mich gesandt hat", so daß das eine Wort bei dem Abschreiber unwillkürlich das andere unter die Feder drängt. S <£.*!* {I)«J7ö»>- : (D^d/^OK t „hat mein Vater euch bereitet, welche ihr begehrtet und es begehrten die Engel, usw." 10) C om. (D^Pd (D-tti?**10"' Ö(W' ' Ahfl*P! £»Chf*s »es ist ihnen aber nicht ver- gönnt worden, die Herrlichkeit meines Vaters zu sehen". B hat für die erste Hälfte des Satzes („es ist ihnen nicht vergönnt worden") bloß Ch$ •' ..sehet!" S (DA^flOHrhin»- •' flfl£ * etc. ... „er (Gott?) hat ihnen aber nicht vergönnt etc. ..."

1) Guerrier erachtet diese Auffassung des Passus für möglich, gibt aber einer andern Übersetzung den Vorzug „voyez la lumiere

(venant) de la lumiere etc „Der koptische Text scheint diese

letztere Deutung nicht zu bestätigen. Die entsprechende Stelle, die übrigens recht lückenhaft ist, lautet dort (XI, 1 ff.) : .... &iri[eme

nei eTJ-XA.ce AireTpoTAeme nswK e-vxHK a&a<V , was

Schmidt übersetzt: .,ein Licht . . . ., (das) erhabener ist als das, wel- ches leuchtet, .... die Vollendung, die vollendet in . . . ." Letzterer Satz lautet im Äthiop. (D^^ao : h9°Q%-9° ! = entweder „und vollkommener ist als die Vollkommenheit" oder mit Guerrier „le Parfait (venant) du Parfait". Beides ist vom Koptischen verschieden. Hier kommt uns B zu Hilfe, indem es die Var. (D^f^tw : ^ft.JF» : enthält, was entweder genau dasselbe wie das Kopt. bedeutet „und die Vollendung vollendet . . . ." oder „und das Vollendete des Voll- endeten, das Vollendetste". Vgl. auch die drittfolgende Fußnote. S 't'&hV' s „ihr werdet sehen". 2) Ebenfalls futurisch aufgefaßt im Gegensatz zu Guerrier. Im Koptischen hier eine kleine Lücke. 3) Abweichend Guerrier, welcher die Satzteile anders gliedert, manches ergänzt und übersetzt „le Pere qui rend parfait, qui de la mort (fait passer) ä la resurrection". Ergänzungen sind aber möglichst zu meiden. Guerrier gliedert den Satz gemäß dem Pausazeichen nach

Äthiopische und koptische Übersetzung. 65

Koptisch

XI

(Er sprach zu uns : „Ihr werdet nämlich (yao) schauen ein Licht,

(das") erhabener ist als das "welches leuchtet

die Vollendung, die vollendet in

ich bin ganz die

5 (Rechte > des Vaters, der ) mich?, welcher ist die Vollkommen- heit". Wir aber (de) sprachen zu ihm: .,0 Herr,) in allen Dingen bist du geworden uns Heil und Leben, 'indem du uns verkündigst eine derartige 'Hoffnung ". Er sprach zu uns: „Seid ge-

laQoelte Matth. 14,27; Joh. 16,33; Marc. 6,50.

lff. Mit Hilfe des Äth. kann man einige der zerstörten Stellen besser ergänzen: Z. 2 [nei eTj-xa.ce Z. 3 To-y[ita.Ai] Z. 7 [nov- xeei .vin] mono] Z. 13 [nTeJfnpKoinionei en a. Z. 14 [a/AAa. T]eTna.-xi - Z. 15 [*.ttcko nna.ei(.oT].

1 Die Vermutung von Guerrier, daß hier der Verfasser Kennt- nis des Symbolum von Xicaea zeige, wird durch Ko. widerlegt; auch ist die zweite von G. vorgeschlagene Übersetzung der Stelle im kom- parativen Sinne die richtige. Äth. bietet einen längeren Text, der vielleicht Ursprüngliches enthält, z. B. die Identifizierung Gottes mit dem Lichte (vgl. XXIX, 1. 2).

3 Am Schluß der Zeile muß ein griech. Wort auf cm gestanden haben, vielleicht [nTeAei]ou = „dem Vollkommnen".

5 a.pa.Y „mich" vielleicht komparativisch zu fassen „als ich", indem man ergänzt eT-xa.ee ..der erhabener". Äth. fälschlich: und wir Zwölf", da ja die Offenbarungen nur den Elf zuteil werden un- mittelbar nach der Auferstehung.

7 Yiell. fragend: „verkündigest du uns eine solche Hoffnung?"

8 ..Hoffnung" nach dem Äth. ergänzt.

F'<*oft9° v welches Zeichen aber in S fehlt. 4) Soll dieser Passus < - Bein, den wir (vgl. 0. Anm. 1) im Kopt. haben (XI, 3) n-xum ctxhk &&&A? 5) Vf*A'^*f ist wie im äthiop. Text über-

setzt in Übereinstimmung mit dem kopt. a.ua.u THp? tc tot[ii*»m]. Guerrier bezieht es zum folgenden Satz. 6) Im Kopt. (XI, 4) ctc u.uo-vo nc ..welches ist die Vollkommenheit/*. Daß hier nicht alles richtig ist, zeigt kopt. a.pa.Y, welches sich dem Äthiop. nicht recht anpassen läßt.

T. u. D. *U: Schmidt- Wajnberg. 5

66 Schniidt-Wajnberg: Epistola apostolornm.

Äthiopisch

"Wahrlich, ich sage euch: solch eine Ruhe wird euch zuteil werden, wo es weder Essen noch Trinken, weder Trauer * noch j Sorge, weder irdische Hülle noch Vergehen gibt2. Und ihr werdet Genossen nicht3 der irdischen Schöpfung, sondern 5 derjenigen meines Vaters4, die nicht verwest, damit ihr nicht vergehet 5. Wie ich immer in meinem Vater (bin), so auch ihr in mir". Und wir fragten ihn wiederum : „In welcher Gestalt (aber) ? in der der Engel oder vielleicht im Fleisch?" Und er beant- wortete uns darüber und sagte: „Ich habe euer Fleisch angezogen, 10 in dem ich geboren, getötet, begraben6 und auferstanden war durch meinen himmlischen Vater, damit erfüllet wird, was durch den Propheten David über meinen Tod und meine Auferstehung 7 gesprochen ward:

S 6 ht^ov-t : „auch ihr'-. 11 ^^9,9° : ..erfüllet

wird" fehlerhaft statt J&^" :.

1) Das Kopt. hat hier (XI, 12) |re]^H[A] „Jubel", wir werden also besser fl)Ä.(JAP- '• (S <D/v.rhAP* ■)' zu thfi? m- (manchmal I 2) ziehen, also = „noch Gesang". 2) Im Kopt. nneiit^pHi' [Tt^HTqJ =

..denen, die in ihm"; s. aber die Note zum kopt. Texte. 3) CS haben hier flJAi^l1^* : , ziehen also auch dieses Nomen zum Vorhergehenden: „weder Vergehen noch Schöpfung", was sehr wahr- scheinlich ist. Der kopt. Text hat hier eine Lücke und gibt keinen Anhaltspunkt. A hat ÖJfl^'P^'^ : ohne Negation, was am wahr- scheinlichsten bloß auf einem Fehler beruht. Für ?»*>h ' (LB) = „also" („ihr werdet also nicht Genossen usw.") haben AS das ähnlich lautende Y\{\[\ : („bis daß" oder „so daß ihr Genossen werdet usw."). In C fehlt die entsprechende Conjunction. 4) A flfifl'p : „der- jenigen, die in meinem Vater". Vielleicht steht aber fl nur für das lecht in der Schrift zu verwechselnde fa, was „derjenigen meines Vaters" hieße. Vgl. S "Jtit't* ! Äfl*P « „derjenigen meines Vaters". 5) Oder „ihr werdet unvergänglich werden". In A fehlt ^}| fl>«^«!, also „meines Vaters, die nicht verwest, die ihr nicht ver- gehen werdet" (oder bloß eine bedeutungslose Dittographie mit an- gehängter Pluralendung?). 6) Dem fl)'f«f»'J*AYl* : <D*f*+flCVl" ■" „ich bin getötet und begraben worden" entspricht im Kopt. (XII, 5) *ov ^TpcT^poT. 7) B (DflTtf-f* : ni'l'üd Mil-t ^Tth? * „und über das, was in betreff meiner Auferstehung geschehen war". S flJfl']h*JM/?lp ' „und in meiner Auferstehung".

11 Die Ergänzung [nTn]e fraglich; Äth. „solch' eine Ruhe" Ist vielleicht [H^.g]e „von dieser Art" zu ergänzen?

Äthiopische und koptische Übersetzung. 67

Koptisch

trost (habt Vertrauen) und ruhet in mir! Wahrlich {a{irjv) ich sage 10 euch: Eure Kühe (dvccjcavoig) wird statthaben

oben?), an dem Orte nämlich (/«p), wo es gibt (weder) Essen

noch (ovze) Trinken, weder (övzs) (Jubeln) noch (ovxe) Trauern {Xvjtelöfrai) noch (ovrt) Vergehen

denen, die sind in (ihm. Ihr; nämlich (/«p) habt nicht teil (xoivcoi'üv) an

(sondern (äXXa)) ihr werdet empfangen von der

15 Unvergänglichkeit meines Vaters. Wie ich mich) befinde in ihm, also

XII

<K&>

(werdet ihr) selbst xeuch befinden) in mir". Wiederum {pcaXiv)

(sprachen wir) zu ihm: „In welcher) Gestalt? In der Art von Engeln (ayyeXoc)

oder (//) auch (im Fleisch (öap|)?" Er) antwortete und sprach zu uns:

„(Siehe, ich habe) angezogen (euer) Fleisch (ö«p£), in dem (ich) geboren 5 und gekreuzigt (otüvqovv) (und) aufer- standen bin durch meinen Vater, der (im Himmel), damit erfüllet würde die Prophezeiung (yrgocpr/raia) (des) Propheten (jtoocprjTtjc) David in betreff dessen, was (verkündigt) ist über mich und (meinen) Tod und meine Auferstehung, indem

(er sagte):

0 auijV It'/ü) vfilv aus den Synopt. 11 vgl. Apoc. Jon. 7, 16.

15 vgl. 1. Petr. 1, 4. XII 1 vgl. Joh. 14,20; 15, 4 f. 9 vgl. Luc. 24, 44f.

12 Äth. „-weder irdische Hülle noch Vergehen". Der Äth. hat 3 Paare. Sollte die Ergänzung [tc]Ah[ä] „Jubel" nicht richtig sein, da Äth. „Sorge" bietet, so müßte man erg. [p]eor[uj]. erg. am Anfang n^HTq; statt h^ht „die sind in mir"; dieser Zusatz fehlt im Äth.: oder hat der Äth. „irdische Hülle" aus einem mteTivgpiii [gn Tc*.p£] resp. |.g£i nccoAi^]= „denen, die in [dem Fleische] resp. [dem Körper |" gewonnen?

14 Nach Äth. zu erg.: „der irdischen Kreatur".

XII 1 ff. Auf Grund von Äth. ist zu lesen Z. 1 [rn^cone] Z. 2 die Ergänzung m-.uh-v zu streichen; viell. zu lesen [ricg njeine. Z.3 Schluß «m. Z. A-\ Te[-rnjce»p£ am Schluß H^htc Z. 6 statt iieif^ginn^vT] ..der mich gesandt hat" besser ner[.gn nmrrc].

5*

ß§ Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

1) 0 Herr, wie viele sind, die mich bedrängen; Viele haben sich gegen mich erhoben;

2) Viele sagen zu meiner Seele:

Nicht gibt es (für ihn) Hilfe bei seinem Gott. 5 3) Du aber, o Herr, bist mein Beschützer,

(Du) meine Ehre und der Erheber meines Hauptes.

4) Meine Stimme erhebe ich zu Gott,

Und von den Höhen seines Tempels erhörte er mich.

5) Ich legte mich nieder und schlummerte ein

10 Und stand auf, denn Gott hat mich ermuntert.

6) Ich fürchte mich nicht vor den Tausenden von Menschen, Die mich umringen und sich gegen mich erheben.

7) Erhebe dich, o Herr (und) mein Gott, und rette mich, Denn du hast alle gezüchtigt1, die mich umsonst hassen,

15 Und die Zähne der Sünder hast du zerschlagen.

8) Gottes ist das Heil,

Über dein Volk ist dein Segen.

Es ist also alles, was durch die Propheten gesagt worden, erfüllet und geschehen und durch mich vollendet worden 2, denn 20 ich habe ja durch sie gesprochen. Um wie viel mehr wird alles wahrhaftig verwirklicht werden, was ich euch selbst ver- kündet habe3, damit gepriesen werde derjenige, der mich ge-

S 3 add. WR "»h. i h9°Mnh* : nach AWAf * = ; . zu meiner Seele: es wird dich dein Gott nicht erlösen und nicht gibt es usw.". In der Polyglotte Waltons Ä,^£"VVU. * ftJJ°AhU. » ohne ftAO : «w»,K"Z3»2r-ih » Kl^AVh «*> &lso bloß = „es wird dich dein Gott nicht retten". 5 h'i't'ii ' »Du aber . . . ." wie in

der Polyglotte. 6 Die Polyglotte hat fl)tf»AdA*f* * Chtl? *

„und die Spitze meines Hauptes" oder „und über meinem Haupte". 11 Yi^hfo^Q : „vor den Tausenden . . . ." wie in der Polyglotte. 15 flVfclftf»- : A^TÄ'J « AflCil * »Die Zähne der Sünder hast du zerschlagen" wie in der Polyglotte (daselbst auch h^'F1 *i nicht

fo'J'fc i). 18 TJH'J"flUA '• „dies, was gesagt worden "

20 h& : hl\\ '• „um wieviel mehr nun". 21 UAö>* «' H£h

fl^'Jr : „welches .... verwirklicht werden wird".

1) C fl\(\£*\\OV' : „du hast sie niedergetreten, vernichtet". Die Polyglotte hat in der Psalmübersetzung ^ip^\\0°* * wie ACL. S 4»i*»^Jitfi»« : AW'/t**"0* ' (Drtxh&XlO0* '• etc = „du hast sie alle gezüchtigt und niedergetreten, die mich . . . 2) A bloß •ftWg

Äthiopische und koptische Übersetzung. 69

Koptisch

10 1) 0 Herr, zahlreich sind geworden, die (streiten) mit mir, und viele haben sich erhoben wider mich. 2) Viele sagen zu meiner Seele (yv^rj): Nicht gibt es Aür ihn

Kettung) bei Gott. 3) (Du aber (6t), o Herr, bist) mein Beschützer, (du bist mein Ruhm und der erhebt)

15 mein Haupt. 4) Mit meiner (Stimme schrie ich hinauf zum)

XIII

Herrn, und er erhörte mich. 5) Ich legte mich nieder und ent- schlief; ich stand auf, denn du, o Herr, bist mein Beschützer. 6) Nicht werde ich mich fürchten vor Myriaden Volks (Xaoc), die ringsum sich mir widersetzen. 7) Erhebe dich, o Herr! Bette 5 mich, mein Gott! Denn du hast niedergeschmettert alle, die mir feindlich sind ohne Grund; die Zähne der Sünder hast du zerschlagen. 8) Dem Herrn ist das Heil und sein Wohl- gefallen über sein Volk (Xaoc). Wenn aber (6e) alle Worte, die geredet sind durch die Propheten (jcQO(f?)Tai), erfüllet sind lo durch mich ich (selbst) nämlich (ycto) habe mich in ihnen befunden , um wie viel mehr (noöcp fiäXXov) wird das, was ich euch sage, wahr- haftig (ovxcoc) [das was ich euch sage] geschehen, damit

10 ff. Psalm 3, 1—8. XIII 9 vgl. Hebr. 1,1. 10 1. Petr. 1, 11.

12) Iva öo^ao&iü 6 näfiipac fie vgl. Joh. 13, 31. 32.

XIII 10 ff. Der Kopte hat den Psalmtext unverändert übersetzt, während der Ätb. nach dem Grundtexte conformiert hat.

8 Die noch die griechische Konstruktion wiedergebende kop- tische Übersetzung: „wenn aber um wieviel mehr" zeigt gegen- iiluT dem Äth. den ursprünglichen Text.

10 Äth.: „denn ich habe ja durch sie gesprochen".

12 ..das was ich euch sage" ist Dittographie.

16 : (D^-Ü^i „gesagt und erfüllet" vgl. Ko. 3) AC Y\?>*\b

Vhlriö»- : ..ich habe euch verkündet". LB h.??£'"iY}ao's »ich

verkünde euch nicht". Im Kopt. (XIII, 11) neT-sor ÄIm^tt nn-me in Übereinstimmung mit AC. S Y\j?>J\bXi* »was ich selbst ver- kündet habe".

70 Schmidt- Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

sandt hat, von euch1 und denjenigen, die an mich glauben".

Cap. 20 (31) Als2 er dies zu uns gesprochen, sagten wir ihm: ,.0 Herr, du warst uns in Allem gnädig und hast uns erlöset3 5 und uns alles enthüllt4. Noch | eins aber möchten wir dich fragen, wenn du uns gestattest". Und er antwortete und sagte uns: „Ich weiß, daß ihr aufmerksam vernehmet5 und zu hören euch sehnt, worüber ihr mich zu befragen begehret. Nun fragt mich, behaltet (es) im Gedächtnis und höret, denn es ist mir 10 angenehm mit euch zu sprechen6.

Cap. 21 (32) Wahrlich, ich sage euch: wie der Vater mich von den Toten auferweckt hat7, so werdet auch ihr im Fleisch8

S 3 (D'JtLA0 : »uncl wir sagten ihm". 5 hthil * „eins'-.

6 hahf^hi : ..Er erwiderte uns und " 7 hh9°C * „wisse"

(imper.), aber wahrscheinlich bloß Schreibfehler statt t\h9°C '•■

1) A n2»fl»3ri<">- „bei euch", BCS fc^n,*!"0* „von euch". Sämtliche vier Varianten im Gegensatz zu h9°^Ü>? '• „von mir" in L und in Übereinstimmung mit kopt. (XIII, 13) nic-nme. S hat nach h9°0^i\»lnaOm ! »von euch" Pausazeichen. 2) C hat hier

die richtigere Lesart (Dh'iH '- S Wh^li '• «und darauf sagte er uns dies . . ." 3) A hat statt fDftJWJh* s „du hast

uns erlöset" der übrigen Mss. die Lesart (Dhth? tthOhXi '•, eine corrumpierte Form, wahrscheinlich für ursprüngliches *(Dhih? fl>«hV : -untl hast uns wiederbelebt". Dem koptischen (XIV, 1) *.KTOTs-2td.n entprechen die anderen drei Hdschrr. 4) Abweichend von Guerrier (toi qui nous as revele) und in Übereinstimmung mit dem koptischen (XIV, 1) «.kottcdho *Jqö/A. 5) Das Koptische

hat hier (XIV, 4) Te-me>.qi, was mit dem Äthiopischen nicht gut ver- einbar scheint. 6) Im Hinblick auf das Kopt. (XIV, 5) e-rAe neTeinoiTÄ..gq "^.e ujivr ^pd.q ^ov ^•Hd.ujecs.e neuHTite käAwc „in betreff dessen aber, was ihr wünschet, fraget mich darnach, so werde ich mit euch in schöner Weise reden" würden wir lieber fl?i'}'J" : M^^^-S« ! ihrthA*^ » „in betreff dessen, was ihr mich fragen wollet" mit dem darauffolgenden Satz in Verbindung bringen, für 'tfthft'i, ! „daß ihr mich fraget" durch Änderung des ersten Buchstabens ein *rfr{lhfc% : „fraget mich" reconstruieren und den ganzen Passus folgendermaßen übersetzen „in betreff dessen, was ihr wünschet.

fraget mich und es wird mir angenehm sein, mit euch zu

sprechen". In diesem Falle wäre qo* '• ^»*>^<n>* '• 't'fthh'Z. : ÖJ'f'H h4- ■' i\9°(h '• (AC om. tl9°(h •"• BS l\9°p :) = „siehe, ihr fraget mich

Äthiopische und koptische Übersetzung. 71

Koptisch

der, welcher mich gesandt hat, verherrlicht werde von euch (und) denen die an mich glauben (jilgtevuv)". Als er aber (de) dies gesagt hatte 15 zu uns, sprachen wir zu) ihm: „In allen Dingen hast du

XIV

dich unser erbarmt und uns errettet und hast offenbart

uns alles. Noch mehr (sri) wünschen wir dich zu befragen,

wenn du es uns gestattest". Er sprach zu uns:

rIch weiß näinlich (/«(>), daß ihr werdet tragen und euer Herz

zufrieden ist (Wohlgefallen hat), wenn 5 ihr mich hört. In betreff dessen aber (dt), was ihr wünschet,

fraget mich darnach, so werde ich mit euch in angenehmer Weise (xcclcöc)

reden. Wahrlich (cc^'jv) nämlich (/«(>) ich sage euch: Wie mein Vater mich au+erweekt hat von den Toten, also werdet auch ihr

7 vgl. Joh. 5, 21.

15 Äth. fügt hinzu: „0 Herr'', m. E. mit Recht.

XIV 4 Äth.: „Ich weiß, daß ihr Acht gebet und zu hören euch sehnt, worüber ihr mich befragt". Das absolute TeTn*.qi „ihr werdet tragen" scheint nicht richtig zu sein.

und erinnert euch, höret" (in AC fehlt letzteres Wort; BS haben „seine Nachricht") entweder als teilweise Dittographie oder späterer Ein- satz zu streichen oder aber irgendwie mit dem übrigen Teil des ganzen Absatzes in Zusammenhang zu bringen. Einen Beweis der Richtigkeit unserer Vermutung eines Imperativs *'|"rt^%A"5l ! ^ur c^as im Text belegte Imperf. fyfthfc^ ! haben wir in dem Imper. CD'f'Hh^*1 «und erinnert euch", welcher syntaktisch einem Imperf. nicht gut angereiht werden kann. Anders die Auffassung bei Guer- rier. S ^fchfrY. ' fl>>H.h4- ' l\9°P ' ö>!f £,h,0>«Hfc : h't-^ld fatf»« : „nun fraget ihr mich und ihr bewahret im Gedächtnis sein Zeugnis; und was mir angenehm ist, das werde ich mit euch spre- chen". 7) C ^V/^JiJr : „auferweckt mich" oder „wird mich auferwecken", wahrscheinlich unrichtig; kopt. (XIV. 7 8) cta. ne.eiioT T<mta.cr. 8) „Im Fleisch" fehlt im Kopt.

72 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolonvm.

Äthiopisch

auferstehen K Und er wird euch 2 über die Himmel emporheben, an den Ort, von dem ich euch bereits früher gesprochen habe, welchen bereitet hat derjenige, der mich gesandt hat3. Deshalb habe ich alle4 Gnade5 vollendet0: indem ich ungezeugt bin, 5 wurde ich von einem Menschen geboren, indem ich ohne Fleisch bin, habe ich das Fleisch angezogen" und bin gleich euchs aufgewachsen9, die ihr in Fleisch geboren werdet. Und ihr werdet in eurem Fleisch von den Toten auferstehen in der zweiten Geburt10, ein Gewand, das nicht verwesen wird, zu-

10 gleich mit allen, die da hoffen11 und glauben an den, der mich gesandt hat; denn so wünscht es mein Vater, daß ich euch und denjenigen, denen es mir beliebt, die Hoffnung des Reiches schenke" 12.

Darauf sagten wir ihm: „Großartig ist das, was13 du uns da

13 hoffen läßt und sagst". Und er antwortete und sagte: ,, Glaubet,

9 Vgl. 1. Pet. 1, 3. 23. 9 vgl. 1. Kor. 15, 53. 11 Joh. 5, 24. 38.

S 1 (Df/ClY}**0' ' -5und er wird euch .... emporheben". 5 (Dhin i ÄA-fie i l>*? * f»? Anflfc •• „und indem ich kein Fleisch habe, habe ich das Fleisch angezogen". 15 (Dhüt-f^h : ..und er erwiderte".

1) B fügt hier h9a(D'£m'i '• ,.von den Toten" hinzu; fehlt im Kopt. (bloß Tema/rume, XIV, 9). 2) C fügt hier J)0fl : hinzu: .,under wird euch wiederum hinaufnehmen". 3) In Übereinstimmung mit dem Kopt.

(XIY, 10) Ä.nMek. eTeüteooq hhthc &nM& eTö.qc&TioTq. Anders

Guerrier: „(au royaume) que, (comme) je vous Tai expose . . ., a pre-

pare celui etc " 4) A om. W*A«»: „alle" im Gegensatz

zum Kopt. (XIV, 12 13) nowonoMie». ium. 5) Im Kopt. (XIV, 12) nojKono.wia. = „Veranstaltung", aber das Todesopfer Christi wird ja nicht nur als vorbestimmte Veranstaltung Gottes, sondern als Akt der Barmherzigkeit in bezug auf die Menschheit betrachtet, deshalb der äthiop. Terminus 9°(h£'t': „Barmherzigkeit, Gnade". 6) Im

Kopt. tci Te T.ge eein&.-s(jo[K] eJid.'A etc., was Schmidt mit der Zu- kunftszeit übersetzt: „und also werde ich vollenden usw." Jesus spricht hier von seinem bereits geschehenen Tode, Auferstehung asw. Es wäre deshalb im Kopt. die Vergangenheitszeit, etwa „ich habe alle Veranstaltung vollendet" mehr sinngemäß. Die Stelle erinnert an den analogen Passus (kopt. Text VI, 11 ; bei Guerrier S. 57, Z. 8 9). 7) Im Kopt. (XIV, 14) nicht „angezogen", sondern &Ypc£op£i. 8j Anstatt „gleich euch" (aufgewachsen) übersetzt Guerrier „atin de vous", indem er ein „sauver" ergänzt. Dies scheint zutreffend

Äthiopische und koptische Übersetzung. 73

Kopiisch

auferstehen und hinaufgenonirnen werden zu dem obersten der Himmel, 10 zu dem Orte, von dem ich euch von Anfang an (zuvor) gesagt habe, zu dem Orte, den euch bereitet hat der, welcher mich gesandt hat. Und also werde ich vollenden alle Veranstaltungen (olxovofiiat), der ich bin ungezeugt und (doch) gezeugt von Menschen, der ich bin ohne Fleisch (o«p£), (und doch) habe ich getragen {(poQtiv) das Fleisch (oag§), denn 15 deswegen bin ich gekommen, damit ihr

10 ttq xbv xötcov, ov tjToifxaoev iftlv 6 Tiiuxpaq, fis vgl. Matth. 20, 23 ; Joh. 14, 3. 13 f. vgl. Ignat. ad Eph. 7, 2.

9 Äth.: „auferstehen im Fleisch"

12 Ath.: „habe ich vollendet " Äth. übersetzt hier wie VI, 11 das griech. oi/.ovo^ia. mit „Gnade"'

14 Äth: fügt hinzu: „und ich bin gleich euch aufgewachsen, die ihr im Fleisch geboren seid", dafür aber ausgelassen: „denn des- wegen bin ich gekommeu".

15 Nach Äth. zu ergänzen: „damit ihr auferstehet von den Toten in eurem Fleisch".

zu sein, da das Kopt. (XIV, 15) den Anfang des Passus erhalten

hat: •xeKi.Ä.c nTwrfne . . . .] „damit ihr" (Schmidt); freilich

ist äthiop. \\an : \\,^Tf}0°' * gewöhnlich „damit euch" (wie Guerrier auch übersetzt), kann aber auch als Nominativ des Pronom. absol. fungieren. 9) Mit Rücksicht auf vorhergehende Note und kopt.

naj'ci eTfce nei „deswegen bin ich kommen" würde man statt fl) Afh'fc '• »ich hin erzogen worden, aufgewachsen" eher ein anderes Yerbum mit der Bed. „kommen" erwarten. 10) Vgl. vorletzte Fuß- note. Guerrier vielleicht richtiger „afin que vous ressuscitiez usw. . . " (\/JJPYlan'i übersetzt Guerrier „reellement", genauer „in eurem Fleisch". AC haben (D^fth* ' "^/^h- * «und damit ihr die Auferstehung erhaltet" in Gegensatz zu LBS. 11) Nach ABC, wah- rend LS hier die merkwürdige, aber fehlerhafte Yar. Ä«jRrt,<£.fl>* : „welche nicht hoffen" haben. 12) ABC fügen hier noch hinzu /]hj&

(D'i* : „das Leben und die Hoffnung " S hl)(\ao- subj..

also vielleicht „. . . denen es mir beliebt, ihnen die Hoffnung . . . . zu schenken". 13) Nach ABC. L hat das etwas ähnlich lautende und vielleicht nicht ganz unmögliche ]WVi : „großartig ist. was du hoffen zu lassen und zu sagen pflegtest S \\\Vi : \\tio : un- gefähr dass. wie L.

74 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostoloruiu.

Äthiopisch

daß alles, was ich euch sage, geschehen wird" K Wir antworteten und sagten: „Ja, oHerr!" Er sagte uns: „Wahrlich, ich sage euch, daß ich die ganze Gewalt von meinem Vater erhalten habe, da- mit ich diejenigen, die in der Finsternis verweilen, ins Licht 5 zurückführe, und die in Verderbnis sind, in die Unvergäng- lichkeit, die auf Irrwegen in die Gerechtigkeit, die im Tode ins Leben, und damit diejenigen, die in Fesseln sind, losgebunden werden. Denn was den Menschen unmöglich ist, ist dem Vater2 ein Mögliches. Ich bin die Hoffnung der Verzweifelten, der 10 Helfer derer, die da ohne Retter sind, das Vermögen der Arjmen3, Heil4 der Siechen und Auferstehung der Toten".

Cap. 22 (33) Als er uns dies gesprochen, sagten wir ihm: „0 Herr5 ist es wahr, daß das Fleisch mit der Seele und dem Geist zugleich gerichtet werden wird, (die eine Hälfte) in dem

6 vgl. 2. Tim. 1, 10; 1. Kor. 15, 53. 8 vgl. Matth. 19, 26; Marc. 10, 27; Luc. 18, 27. 9 f. vgl. Act. Thecl. c. 37 (ed. Lips. S. 264, lff.); Marcus-Lit. (Brightman, Liturg. East and West. S. 127, 2 ff.)

S 7 £*l*<£»/*,/h« « „sich freuen" statt des lautähnl. J&^*<{. "t*th* s „losgebunden werden". Wahrscheinlich ursprüngl. subj. £^* Ä/^rh- : 12 ß,0,M * H^-f* * uns dies sagte ...

"ith^i, * 55(sagtei1) auch wir (ihm) . . . ."

1) Aus der darauffolgenden Antwort der Jünger müßte man schließen, daß dies ein Fragesatz ist: „glaubt ihr, daß alles, . . . ., geschehen wird?" Das Prädikat steht im Imperativ, und die übliche Fragepartikel fehlt. Andrerseits aber ist der Aus- laut des Verbums ?i*/n'/- : zufällig mit der Fragepartikel gleich- lautend, und es ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß ur- sprünglich etwa ein *'fm)\90'lh^h s °der *^*?i<w»^«V' ' stand, und der Abschreiber nicht nur das Präfix, sondern das andere im Auslaut aus Versehen strich. In S fehlt Ji<w> s Yf*/^ : bis Ji-flASl"1** '• einschließlich; es bleibt also: „glaubet, daß ich die ganze Gewalt usw. ..." Der Abschreiber hat den Absatz wahrsch. übersprungen, durch die Gleichheit von \\av s W*A* : und \\ao : Yf*A» :, von hao'/. und ftfl7*> :, endlich von H?ifl,AJl<|,>' ! und ?irflA3rl<n>* ' irre- geführt. 2) A (D(\?>fl:ham.h-nth,C' „und bei Gott" anstatt (Dh9°0ti(\ : h'ü ' ;,und bei dem Vater". 3) AC A**i

Äthiopische und koptische Übersetzung. 75

Koptisch

XV

<Ke)

Es fehlen 10— 11 Zeilen.

11 (Wir aber (öt) antworteten): „Ja, (o Herr!" Da (rors) sprach er)

(zu uns: „Wahrlich («,«/}/') ich) sage (euch: Ich habe empfangen)

(alle Gewalt (t^ovOia)) von (meinem Vater, damit die, welche)

sich befinden in (der) Finsternis, ich (hinaufführe in das Licht)

XVI

<»s->

Es fehlen 8—9 Zeilen.

10 (Als er aber (öt) dies gesagt hatte)

(zu uns, sprachen wir zu) ihm: (0 Herr, ist es wahr, daß ge-) (richtet wird das) Fleisch (gccq£,) (und die Seele {^pv^rj) und der Geist (jivevfia)),

12 f. vgl. Matth. 28, 18. 14 vgl. 1 Petr. 2, 9; Od. Saloni. 21, 2; 42, 22 ; s. auch Ko. V, 4; XXII, 15; XXIII, 9 f. XVI 12 vgl. 1 Thess. 5, 23.

11 ff. Auf Grund des äthiop. Textes können wir Ko. ungefähr also ergänzen:

11 [*.no"5Hx>uj&e ^e xe] *^p[e ms^eic Tcvre ne^eq] nen sc giaiHn ^J-sotp m[m*.c nHTne se e.rxij [ne^o-ycie». him] rvrooTq nfne^eiioT ■seKes.e.c ne'j er] l.g]oon cm [n]Keue &.T[n&.,xiTO'y A.pjpHi ^nOT^eme]

XVI 10 ff. Auf Grund von Äthiop. könnte man also lesen:

10 [Tevpeq-xe nei -^e]

[nen ne^en ne]q s.[c ira&.eic i

[cen^^^en evT]c<\p^J [aiR tv^t^h nnn&] [d.ov xe o^eme] .wen cen[evMT*.n maia.it .git] [TMnfppo nnnHTJe gnKCi;[eye] ^e ce[nAp] [koAatc maiay uiAAnH]ge es>A.[n.g] nA-xcq ^[e

f}: dass. 4) Übersetzt nach C /*'^JP, : und S /^V-p-tf»- :.

L hat "J^fl,: /^V-f-tf»- : ..der Arzt . . . . ' 5) C om. haUl.}t

„o Herr".

76 Schmidt- Wajnberg: Epistola apostoloruin.

Äthiopisch

Himmelreich ruhen wird, die andere Hälfte aber lebendig ewig- lich bestraft wird?"1 Und er sagte uns: „Wie lange noch2 werdet ihr nun fragen und nachgrübeln?"

Cap. 23 (34) "Wir sagten ihm wiederum: „0 Herr, es ist dies 5 notwendig. Du hast uns3 ja befohlen, daß wir predigen, ver- künden und lehren, damit wir, nachdem wir von dir genau4 gehört haben, gute Boten werden und sie lehren an dich zu glauben5. Deshalb befragen wir dich".

Cap. 24 (35) Er antwortete und sagte: „Wahrlich, ich 10 sage euch, der Körper eines jeden Menschen wird [leben-

1) Die Stelle ist etwas corrumpiert. Es fehlt das Subjekt zu f *JC^ „wird ruhen". In mehreren Stellen des „Testaments" finden wir die Unterscheidung von Körper, Seele und Geist, nämlich außer dieser Stelle noch s. u. S. 78,1 (kopt. Text XVII, 11); ferner s. u. S. 82, 3. 9 (kopt. XIX, 14 und XX, 7) als f»p :, ><£ft : und tfD^fj : im Äthiopischen, ce^p^, ^h und nu& im Koptischen. Unsere Übersetzung wie die Guerriers ist frei, dem Sinne nach. Entweder ist vor ?°/CQs „ruhen wird" ein im'}&.4li „die eine Hälfte" (der Menschheit) zu ergänzen, was nicht undenkbar erscheint, da infolge der zufälligen großen Ähnlichkeit von ao'id.ll „Geist" und tW}^^* : „Hälfte" ein Überspringen seitens des Abschreibers zum mindesten nicht unwahrschenlich ist. Das zu ergänzende <w»"}<£/fe ! ist dem parallelen (Dao'}&& : des darauffolgenden Satzes entnommen. Oder aber es ist vielleicht die Vermutung zu erwägen, daß es sich hier nicht um die beiden Hälften (die gerechte und sündhafte) der Mensch- heit, sondern um die beiden Bestandteile des einzelnen Menschen han- delt, den materiellen Körper mit der halbmateriellen Seele (Lebens- hauch, Lebenskraft) einerseits, und den göttlichen Geist, den Intellekt, andererseits. Es werden also am jüngsten Tage sämtliche drei Be- standteile des Menschen gerichtet werden, worauf der Geist der Sünder als göttlicher Bestandteil in den Himmel steigen wird, um zu seiner göttlichen Quelle, von der er sich einst losgelöst hatte, zurück- zukehren, der Körper aber und die Seele, die hienieden die einzige Ursache der Sünde sind, ewiglich gestraft werden. Und auf diesem Gericht findet die Scheidung zwischen unschuldigem Geiste einer- seits und verbrecherischem Körper und Seele andererseits statt. 2) Abweichend von Guerrier, welcher übersetzt „de gräce, sur quoi m'interrogez-vous?", indem er ftfjYh '• 1*1" : liest. Wir geben hier den Vorzug der Var. C t\l\\\ : jP'J'hV« s „wie lange noch" in Übereinstimmung mit dem Kopt. uja. n[goo]-ye „bis zu welchem [Tage]". Zum Sinn paßt die Lesung C sicher besser. A hat fl?i ti* •■ 9°!^ •• „weshalb". 3) In L fehlen „weil" und „uns".

Ergänzt nach ABC hfl00 s hliUfä ' und in Übereinstimmung

Äthiopische und koptische Übersetzung. 77

Koptisch

(und daß die einen) zwar (fiev) werden (ruhen in) (dem Reich der Himmel , die andern aber (6a) (werden) 15 v bestraft (xoka^siv) Averden ewiglich) (noch) lebend?" Er aber (öä) sprach

XVII

zu uns: ..Bis zu welchem (Tage) fragt ihr und grübelt ihr'?" Wiederum (piaXiv) sprachen wir zu ihm: „0 Herr, eine Notwendigkeit (avayy.7j) nämlich (/«(>) ist uns zu er- forschen durch dich, weil du uns befiehlst zu predigen, 5 damit wir selbst mit Sicherheit erfahren durch dich und nützliche Prediger werden und (damit) die, welche durch uns belehrt werden, an dich gläubig (jaoxavaiv) werden. Deswegen (ist es notwen- dig), daß wir dich befragen oftmals". Er antwortete uns, indem er sagte: 10 ,. Wahrlich (ä{ir}v) ich sage euch: Die Auferstehung (clvdoraoic)

3 Äth. ausgel.: „zu erforschen durch dich"

4 f. Äth.: „du hast befohlen''; nach „predigen" fügt der Äth. noch hinzu „verkünden und lehren".

5 Äth.: „nachdem wir von dir genau gehört haben".

7 Äth.: „und sie lehren an dich zu glauben".

8 Äth.: „deshalb befragen wir dich": viell. ist statt T*.pRiynTK zu 1. fnujnTK „wir befragen dich".

9 Äth.: ..oftmals" ausgelassen.

10 Äth.: „der Körper eines jeden Menschen . . . wird auferstehen".

mit dem Kopt. (XVII, 4) ö.fca.A «e KO-ye.gc&£ne neu. Auch S }\]\ 11h V ■* »du hast uns befohlen". In demselben Satze fehlt nacli aotfc*tmO)Mfi i „es ist notwendig" wahrscheinlich ein Verbum „fragen" oder „forschen"; vgl. Kopt. (XVII, 3) eanujme d.ft«.A oitootk. Guer- rier bezieht *pp.«|> : auf (D'JjP'lJC ! »et d'enseigner avec soin". Dies scheint nicht zutreffend zu sein, wie man aus Var. BS \\m» : TP-'I' : ^1°%°^ „damit wir, nachdem wir genau gehört haben" und ans dem Kopt. (XVII, ."> 6) •xckö.a.c &.nna.MMe ooiroTne gn oriop'x |eviiQe.'A jmtoot schließen Kann. 5) Für J^^tf»^ : „damit

sie glauben" hat C (D'iht'0! : „daß wir glauben" im

Gegensatz zum Kopt. (XVII, 7 8) cegione eTpiucreve e>.pA.K. Am richtigsten S \\ao : £2k#d^. : „damit sie glauben".

78 Schmidt- Wajnberg: Epistola apostoloruin.

Ithiopisch

dig1] mit einer Seele zugleich auferstehen und Geist". Und wir sagten ihm: „Kann denn leben, was verwest und verstreut worden ist? Wir fragten, nicht daß wir es leugnen2, sondern wir glauben3 wahrhaftig, daß, wie du sagst, so war es und so 5 wird es sein". Er erwiderte uns erzürnt: .,0 ihr Kleingläubige, wie lange noch werdet ihr nicht glauben4, mich befragen und nachforschen? Ihr wollt verstehen ohne Schmerz5. Hütet6 meine Gebote und befolgt, was ich euch sage, indem ihr nicht beschämet, niemand zu Schanden bringet7, und ohne Ansehen

S 1 (DWid.fr t „und seinem Geist". 4 (Ultra ^fl, ,

..wie du sagst'1. 6 om. *3hrt,ft/V*5i * (D^?» f o>* s ..werdet ihr

mich befragen und nachforschen", welches auch im Kopt. (XVIII, 3) fehlt. 7 fDtf^i'HlA * = »!Un(I ohne" (Schmerz usw. . . .).

1) In der Var. A fehlt das Wort fi\p(D : „lebendig", was mit dem koptischen Text übereinstimmt und auch das Passendere und Ursprüng- lichere zu sein scheint; s. aber u. S. 82, 10. 2) C HV^rhß* " tt't'P **fhV s „wir streiten nicht um zu veröffentlichen" (oder; „um klar zu

machen") im Gegensatz zu kopt cuc cne HeoiicToc. S H*J3flUÄ":

ö'HVJÖft : „nicht daß wir leugnen und verkleinern (geringschätzen),

sondern usw "im Gegensatz zum Kopt. (XVII, 14): enf-sjnoir mm&r,

3) C om. j\0Dg i „wir glauben". A hat dafür wahrscheinlich aus Yx00! : entstelltes fa : „ich". 4) In AB fehlt hst%Y\9°'i* : „werdet ihr nicht glauben", welches auch im Kopt. fehlt und sicherlich eine spätere Einschaltung ist. 5) Dem entspricht im Kopt. (XVIII, 3)

ein Satz mit einem andern Sinn, aber zweifellos mit dem Athiop, identisch: öJAAes. neTeTno'ü'es.cjq ä^jc e^peöf e^ov &n&K oottottt -^■na.'xooq ö.pcoTneoTtynp^oouei. 6) AC hat \\OOi „daß" nach jj+fl* : „hütet" ein wahrscheinlich überflüssiges Wort, da das Verbum 0«J»fl : bloß entweder den Akkusativ oder die Präposition JiJP*^ : regiert, keineswegs aber eine Conjunction, die einen Keliensatz einleitet, nach sich haben kann. 7) Im Text ft^H s Ä.^rh.f^ •' (Dh^pll

*/^<P4« : „indem ihr (niemand) verachtet (oder , verachtet werdet') und beschämet". An Stelle des ersten Verbs haben ABCS t\Ji''t,ff h£:, an Stelle des zweiten hat A h^'t' th^A- ', was dem Satze eine ganz andere Wendung gibt: „indem ihr euch weder der Träg- heit hingebet noch euch schämet"; dies paßt gut zu dem Kopt. (XVIII, 9) Ä.AAa. ovujnxuo ä.ov OTiyn'XJigine = „sondern ohne Zögern und ohne Scheu" (Schmidt). Ohne Zweifel gehört den Varr. ABCS und A der Vorzug. Zu der Var. S vgl. den umgekehrten Unterschied zwischen S und L in der Var. zu Guerrier, 53. 7 h A + rhhjRV = S A.*rhf &, :

Äthiopische und koptische Übersetzung. 79

Koptisch

des Fleisches (öa(>>) wird statthaben, indem die Seele (ipvxV) m ihm (sc. Fleisch) und der Geist (jrvevfta)u.

Und wir sprachen zu ihm: „0 Herr, ist es denn (ßrj) möglich,

daß das, was aufgelöst und vernichtet ist, heil werde nicht wie (ou/ coc)

Ungläubige (ajrtorog) fragen wir dich [oder {?}) ist es un- möglich 15 dir] sondern (aXXa) wahrhaftig (ovzmg) glauben (jnortvsiv) wir, daß das, was du sagst,

XVIII

KH

geschehen wird". Und (er) zürnte uns, indem er sagte zu uns: „0 ihr Kleingläubige (-jclorig), bis zu welchem Tage fragt ihr? Aber (aXXa) was ihr wünscht, sagt es mir, so werde ich selbst es euch sagen ohne 5 Neid (cpd-oveiv); nur (fiovov) haltet meine Gebote (evroXJj) und tuet das, was ich euch sage, und nicht wendet euer Antlitz von Jemandem ab, damit auch ich nicht abwende mein Antlitz von euch, sondern (aXXa) ohne Zögern und ohne Scheu

10

.... (und) ohne Ansehen der Person dienet (ötaxovelv)

2 uliyöiiiozoi vgl. Matth, 6, 30; 8, 26; 14, 31; 16, 8. 5 fwvov

TijQüxe rag tvro'/.äi fiov vgl. Job. 11, 15. 21; 15, 10. 11 TzQOocono/.Tjfxvia

vgl. Eöm. 2, 11; Eph. 6, 9; Kol. 3, 25; Jacob. 2, 1; Luc. 20, 21.

13 Ath.: ..wir fragten, nicht daß wir es leugnen".

14 Die Worte: „oder ist es unmöglich dir"' sind ein unpassender Einschub, der auch in Äth. fehlt.

XVIII 1 Äth.: „so war es und wird es sein".

2 f. Ath. mehr paraphrasierend: „wie lange noch werdet ihr (nicht glauben, fehlt in AB), mich befragen und nachforschen? Ihr wollt verstehen ohne Schmerz. Hütet meine Gebote und befolgt, was ich euch sage". Der Satz: „nicht wendet euer Antlitz von Jemandem ab, damit auch ich nicht abwende mein Antlitz von euch" ist übergangen.

5 Äth.: ..ohne Schmerz". Stand ursprünglich ucp&oicog? vgl. Od. Salom. 3, 7; 7. 4: 1 1. 6: 15, 6; 17, 12; 20, 7; 23, I.

9 f. Im Ms. durch Versehen des Abschreibers eine Dittographie entstanden, vom Abschreiber selbst eingeklammert.

SU Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

von Person1 dienet auf dem engen, geraden und schmalen Wege. Und dadurch wird mein Vater an euch (seine) ganze Freude haben".

Cap. 25 (36) Wir sagten ihm wiederum: .,0 Herr, sieh, wir 5 quälen2 dich mit dem vielen Fragen". Er erwiderte uns: „Ich weiß, daß ihr in Glauben und mit eurem ganzen Herzen mich befragt, und ich habe an euch meine Freude. Wahrlich, ich sage euch, ich bin erfreut3, und es wird sich mein Vater in mir freuen. Und daß ihr so nachforschet und fragt, ohne euch zu 10 schämen, bereitet mir eine Freude4 und euch gereicht es zum Leben". Als er uns | dies gesagt hatte, wurden wir froh, denn wir haben in Demut gesprochen5, und wir sagten ihm wiederum6: „0 unser Herr, in allen Dingen warst da uns gnä-

S 1 S (und B) hli' i 'bT'J- ' „auf dem Wege". Äfl'fl '■

(DC'l''}'} •" (Dtrov"/'} s- Ein C't'^'i * ist im Geez bisher nicht belegt. Die Form scheint dem (00°$°/'} s nachgebildet zu sein und wird wohl Schreibfehler sein. B hat %(\-(\ s (DC't'ö't' » (D$* *}*> : mit ebenfalls unbekannter Form $t°§'} : (fem. eines Adj. **t*au} *?)• 2 om. flVf*/V* ' --M Allem'' (in unserer Übersetzung

ausgelassen), in Übereinstimmung mit dem Kopt. 5 i\K9°C * statt hh9°C •" „ich weiß". Denselben Fehler vgl. unsere Übers., S. 70, Z. 7.

6 Statt 't'fohfc^ t ihr .... mich befragt" hat S Dittographie

h^^^Äx * 9 htlh i „bis" statt \l\ao : „denn, daß".

11 ^V^rh s foV : ..ward eine Freude" statt )i> i ^i*»«fh^ * ..wur- den wir froh".

1) BC fügen Gi'h'itt s hinzu ..und indem ihr keine Person

ansehet, dienet usw ". 2) Bei Guerrier .,nous delirons

pour toi". Das gibt keinen verständlichen Sinn. Das Koptische hat hier (XIX, 2): Tnpfc^pei „wir belästigen" (Schmidt). Soll hier *ftHll0lbi »wir bringen zum Rasen" gestanden haben? 3) Guer- rier: ,,.... se delecte". Mit Rücksicht auf das Koptische (XIX, 6)

^■[tht ii]gHT wäre es viell. besser A»ft*f"rhfl*"'H ! als Verbum der

Form IV. 1 anzusehen und mit .,sich erfreuen" zu übersetzen.

4) A J&rhiJ&ft : „ist besser", an Stelle von ..bereitet mir eine Freude". S f *}/**?£ : ..belohnt mich" (im Gegensatz zum Kopt.).

5) Oder mit Guerrier ..denn er hat mit uns sanft gesprochen". Ein **l%fJlCTi : für 'f*(i"?^V ! würde besser dem kopt. .Mvxno-yq (XIX, Z. 11) entsprechen. In C fehlt die ganze Stelle, vgl. das Koptische, wo „in Demut" gleichfalls fehlt. 6) C om. JuJfl : ..wiederum", in Übereinstimmung mit dem Kopt. (XIX, 11): e^ov ni'sen ncq (doch könnte im Schmidtschen Texte vielleicht ein dem

Äthiopische und koptische Übersetzung. sj

Koptisch

auf dem Wege, der gerade und eng und bedrängt (sehmal) ist.

Also wird mein Vater selbst jubeln über

euch". "Wiederum (xaXiv) sprachen wir zu ihm: ..0 Herr,

XIX

bereits nämlich (t]örj yao) schämen wir uns. daß wir (dich)

befragen oftmals und dich belästigen (ßcioslv)". Da (tote) antwortete er und sprach zu uns: „Ich weiß nämlich (yao), daß (in) Glauben ixiöTtg) und mit eurem ganzen Herzen ihr

5 mich befragt. Deswegen freue ich mich über < euch : denn (yao) wahrlich (au^v) ich sage euch: Ich bin (erfreut) und mein Vater, der in mir, daß ihr

mich befragt. Eure Unverschämtheit aber (de) gereicht mir zum Frohlocken und gibt euch selbst Leben)".

10 Als er aber (6s) dies zu uns gesagt hatte, wurden wir erfreut, daß; wir ihn befragt haben, und wir sprachen zu ihm: ..0 Herr,

in allen Dingen machst du uns lebendig und erbarmst dich unser. Jetzt/

12 Matth.7, 14; Luc. 13, 24. XIX 7 6 naxi]Q fiov 6 iv i/ioi vgl.

Jon. 14, 10.

13 Wörtlich: „Dies ist die Weise selbst meine? Vaters, er wird jubeln".

XIX 1 Ätb.: „sieh, wir quälen dich mit dem vielen Fragen". 6 st. '^•[gö.p uj] n^HT 1. ^[tht] itOHT. 9 st. [ngOTOJ erg. nu>n.g. 10 st. ^np[n^ppHcia^e] nach Äth. zu erg. *.np[eT^pevne se]; sollte aber p st. p zu lesen sein, so würde man e^np[eiye] ergänzen, so daß noch am Schluß ein dem Äth. „in Demut'' entsprechendes Wort gestanden haben könnte.

12 Hier steht das Präsens, während Äth. das Perfect. (doch S = Ko.) bietet in Übereinstimmung mit Ko. XIV, 1 und in der gleichen Reihen- folge: ..du warst uns gnädig und schenktest uns Leben".

llöfi J entsprechendes kopt. Adverb in der Lücke gestanden haben, etwa *n oder dergl., wenn die kopt. Wortfolge dies erlaubt. S ft0/ ll.Jt : UÖ(\ •• = „o Herr (vgl. Kopt. XIX, 11) [irc^eic]), wiederum

usw "

T. u. U. 'u: Schmidt- Wajnberg. G

§2 Schrrridt-Wajnberg: Epistola apostoloruui.

Äthiopisch

dig * und schenktest uns Leben, denn alles, worüber wir dich be- fragten, hast du uns beantwortet". Darauf fragte er uns2: „Ist es das Fleisch oder3 der Geist, welcher untergeht?" Und wir sagten ihm: „Das Fleisch". Er erwiderte4 : „Was nun untergegangen 5, 5 wird auferstehen, und was erkrankt ist, wird genesen, damit an diesem mein Vater gepriesen wird. Wie er es an mir getan hat, so werde auch ich an euch tun und an allen6, die an mich glauben.

Cap. 26 (37) Wahrlich, ich sage euch: das Fleisch wird 10 samt der Seele lebendig auferstehen, damit sie Geständnis ab- legen und nach der Gerechtigkeit gerichtet werden, den Taten gemäß7, die sie begangen, ob gut oder böse, damit es eine Wahl und ein Beispiel wird für8 diejenigen, die geglaubt und das

S 1 (D^ih^tD^ t „und schenkst uns Leben". 2 ^*'>'7

£Si : subj. = „beantwortest du uns". 6 fl'H'J'IJ * „an diesem". ~< MV1 •■ „auch ich". 10 fr<hft« : ,,. . . seiner Speie". Vgl.

die Var. S (D0*>7id,fo : im Gegensatz zu L in unserer Übers. S. 78, Z. 1. 12 ^Cf+ •* „eine Wahl" statt des unbelegten ^Cf*f* •"•

1) LB 'titf'/Mm- S -f*T/AV : = BL -war er uns gnadig"- 2) ABC £0»AV '• 9°!^ '• „fragte er uns: was? usw. . . ., viell.:

..was untergeht? der Körper oder usw " (im Gegensatz zum

Kopt). 3) BC om. fll^ffo , ..oder". Im Kopt. ist der Text lücken- haft. BC scheinen das Richtige nicht zu enthalten. Auch das Kopt. entspricht ALS nicht. 4) A om. fl)£fl,A^ : „un(l er erwiderte

(sagte) uns". S fDj&O» : „und er sagte". 5) Besser buchstäblich: „was gefallen ist, wird aufgehoben werden", in Übereinstimmung mit dem Kopt. (XX, 1) neTa.g<>eeie qn^[T<jone] = „das, was gefallen ist,

wird (Schmidt). 6) AB dAtf-Ato00"' ?»A '• hWlYia**' '

„und an euch allen, die ihr an mich glaubt" in Übereinstimmung mit dem kopt. gj[wTH«]e. S fllA^Ah"1** : ?iA : 'l'heni'}Yltn>' '• „und an euch alien, die ihr mich bekannt habt". 7) ABC om. 9°(li\i „mit", welches auch hier vollkommen überflüssig ist. 8) AhA * PÄiP'V* : des äthiop. Textes könnte auch als Genitiv aufgefaßt und in Übereinstimmung mit dem Kopt. (XX, Z. 11 [otJck^o^h nnnicToc) mit ..(Auswahl und Musterbild) derjenigen, die glauben...." über- setzt werden. A hat \\ao : J?,Yl*V- s "*h&**l s „damit sie gut werden".

13 Man kann den Satz auch als Aussagesatz auffassen: „Jetzt nun wirst du uns kundtun". Äth. bietet auch hier das Perfect.: „denn alles, worüber wir dich befragten, hast du uns beantwortet".

Äthiopische und koptische Übersetzung. §3

Koptisch

nun wirst du uns kundtun das, was wir (dich) fragen werden?'' Da (tots) sprach er zu uns: .,Ist denn das Fleisch (öag{$) ver- gänglich (oder (/}')) 15 ist es (der) Geist (jtvevfia)?" Wir sagten zu ihm: „Das Fleisch (g«()£) ist vergänglich".

XX

(Da (tots)) sprach er zu uns: „Das was gefallen ist, wird (auferstehen), und das was verloren, wird gefunden, und das was (schwach), wird genesen, damit an diesen Sobeschaffenen (offenbar werde) die Herrlichkeit meines Vaters. Wie 5 (er) es an mir getan hat, so werde ich selbst es tun an (euch) allen, die da glauben (jttorsvsiv). Wahrlich aber {afirjv

Öt) ich sage euch: Das Fleisch (tfap£) wird auferstehen und die Seele {tyvyrfj) lebendig), damit statthabe ihre Verteidigung (Verantwortung) (ajto/.oyia) 10 an; jenem (Tage; in betreff dessen, was sie getan haben, sei es (ure) Gutes), sei es (ei'rs) Böses, auf daß stattfinde eine; Auswahl (exXoyf}) der Gläubigen {jtiozog), die getan haben die

2 vgl. Luc. 15, 32. 4 dö$a tov nazQÖq fxov vgl. Joh. 7, 18; 11, 40; Rom. 6, 4. 9 f. vgl. 2. Kor. 5, 10. 11 vgl. 1. Thess. 1, 4; 2. Petr. 1, 10.

14 f. Äth.: „Er fragte uns: Was? (nach ABC) Ist es das Fleisch oder der Geist, welcher untergeht?" Deshalb ist wohl [Te]K^err „ver- dorben" richtig ergänzt, aber Z. 14 am Ende zu streichen er; auch £?i nii& ne „im Geiste" ist schwerlich richtig überliefert; die Kopula iie erfordert ein masc. Substantiv, .gn scheint falsch, oder man müßte ne-r.gR „das was ist in" lesen.

XX 2 Im Äth. fehlt: „und das was verloren, wird gefunden".

3 Man kann auch den Plural iteT Ir^Mine als Neutrum auf- fassen, also „an solchem"; Äth.: „an diesem".

4 Äth.: „damit an diesem mein Vater gepriesen wird".

6 Äth.: „an euch und an euch allen, die an mich glauben".

7 Äth.: „lebendig auferstehen", daher wohl auch im Ko. statt der früheren Ergänzung in Z. 8 mH nn& „mit dem Geiste" zu lesen ct^ „lebendig".

9 Äth.: „an jenem Tage" ausgelassen, statt dessen: „damit sie Geständnis ablegen und nach der Gerechtigkeit gerichtet werden".

6*

84 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorurn.

Äthiopisch

Gebot meines Vaters, der mich gesandt, befolgt haben. Darauf wird das gerechte Gericht stattfinden, denn so will es mein Vater. Und er hat mir gesagt: »Mein Sohn, am Tage des Gerichts schäme dich nicht vor dem Reichen und verschone nicht den 5 Armen ', sondern einen jeden übergib '- dem ewigen Gerichte seinen Sünden gemäß«. Diejenigen aber, die mich geliebt haben :i und lieben und meine Gebote befolgt haben, denen werde ich im Reiche meines himmlischen Vaters Ruhe und Leben gönnen4. Nun sehet5, was für eine Gewalt er mir gnädig verliehen und 10 gegeben hat, (damit ich tue), was ich beabsichtige und6 was

S 2 C^Ö ;,fla3 Gericht der Gerechtigkeit". Kopt. XX. 13 £n oTtyoTo-s-T. 4 1]ÖM, s „weder den Reichen"; correcter als L fl^A •> 6 fä?"rll(D*h*lfr : „seinen Sünden gemäß". ffltlhh'/, * „Die- jenigen aber . . . ." 7 (D/l7'fl4» : „und befolgen", im Gegen- satz zum Kopt. (XXI, 5) eT^geipe ^hHli? i «DÄ^Ä"? * „mein Gebot und meinen Willen".

1 1 Guerrier übersetzt „ne confonds pas le riebe, n'epargne pas le pauvre". Dies scheint dem Sinn nicht zu entsprechen, denn Gott der Vater kann unmöglich vom Sohn verlangen, daß er den Reichen nicht beschäme, während er doch den Armen nicht ver- schont. Auch hat *^<{.<£ : oder "*iQ& i nie die transitive Be- deutung. Dazu steht Guerriers Auffassung im Gegensatz zum Kopt. (XXI, 1 2), das übrigens arg verstümmelt ist. Für K/^9°Ö\\ * „ver- schone nicht" haben BC das sehr ähnliche und deshalb leicht zu verwechselnde hJ\?9°ihC ' bzw. hM't'90ÜC i „erbarme dich nicht", was genauer dem kopt. o-s-tc RnMi[j.e] entspricht. 2) LB trD(j\(0 t „er hat übergeben". 3) Bei Guerrier ausgelassen. AC om.

(D ?&.$'£•%.* „und mich lieben". 4) Genauer: „werde ich

ruhen lassen im Leben im Reich meines himmlischen Vaters". C fügt hinzu n/iaii\9° •■ „ewiges Leben". C {iao^^f**^ s A0?^ * „im Himmelreiche". AB Hflrtö7<0,if*s „welcher im Himmel" (vgl. das Kopt.). S *}ÖC<£ : fl^^*7/*'^ ' fcfl-f ' Hflrt0?^" ! «WM* ' (h£*(D:tm i „werde ich ruhen lassen im Reich meines Vaters im Him- mel im Leben". 5) Bei Guerrier „ils verront", ohne Grundangabe, aber in Übereinstimmung mit dem kopt. cene.no. 6) Hier sind

zwei bei Guerrier auseinandergerissene und in zwei Absätze geson- derte Stellen in Übereinstimmung mit dem koptischen Text zusam- mengelötet. Bei Guerrier: (Afin que j'accomplisse) ce que je veux.

(neuer Absatz . . . .) J'ai volu (larecompense) pour ceux

Im Kopt. (S. 13, Z. 10): «[eKe.e.c eme.]eipe nne^o-y^q' *>OTf Te.Te

nn[eTd.Vujnujn] mh. neTe.iuje.oine eae neir = „[zu] tun- was

ich wünsche, und zu geben, was [ich gelobt] und beschlossen habe,

Äthiopische und koptische Übersetzung. s.",

Koptisch

(Gebote (evroXf]) meines; Vaters, der mich gesandt hat. Und also wird stattfinden das Gerieht (xQiöiq) in Strenge. Denn (jccq) es sprach zu mir mein Vater: Mein Sohn,

XXI

am Tage des Gerichts (xqiöic) nämlich (/«(>) (wirst du weder

(ovrt) dich schämen (scheuen)) vor den Reichen noch (ovzs) wirst du (Erbarmen haben mit) den Armen, sondern (alZa) entsprechend (xara) der Sünde eines

jeden wirst du (über-) geben (jiaQaöiöövcu) ihn ewiger Strafe (xoXaotg). (Meinen) 5 Geliebten aber (ös) dagegen, die getan haben die Gebote {ev-

roÄrj) (meines Va-) ters, der mich gesandt hat , werde ich verleihen Ruhe (dva-

jtavoiq) des Lebens in dem Reiche meines (Vaters, der im) Himmel, und sie werden schauen das, was er geschenkt {yaQi-

l^Eöfrai) hat mir, und er hat mir die Macht (t^ovola) gegeben, (damit ich 10 tue das was ich wünsche, und daß ich gebe das was (ich gelobt)

12) vgl. Job.. 15, 10. XXI 1 iv tj^ioa xfjq xQioewq Mattb. 10, 15;

11, 22. 24; 2. Petr. 2, 9; 3, 7; 1. Joh. 4, 17; Jud! 6. 4 xölaaiq, alwvLoq vgl. Matth. 25, 46. 5 ivvokal xov naxQÖq (xov vgl. Job. 15, 10. 7 iv xy

ßaOiXeiq xov naxQÜq /uov vgl. Mattb. 26, 29. 13 xönoq Aa^äpov vgl. Luc. 16, 23. Über die Predigt Christi in der Unterwelt vgl. 1. Petr. 3, 19.

13 Äth.: „darauf wird stattfinden das gerechte Gericht (Joh. 5, 30; 2. Thess. 1, 5; Apoc. 16, 7), denn so will es mein Vater".

3 Äth.: „einen jeden übergib dem ewigen Gericht seinen Sünden gemäß".

6 Äth.: „Diejenigen aber, die mich geliebt haben und .... befolgt haben meine Gebote".

8 Äth.: „nun sehet, was für eine Gewalt er mir gnädig ver- liehen und gegeben hat".

ihnen zu geben " (Schmidt). Dies wird durch ABCS W]\\\(m i

£€f>£*'h* •* bestätigt: „wie ich beabsichtige und beschlossen habe "

Mit Rücksieht auf das kopt. ^tc nev wäre es vielleicht besser zu er- gänzen „damit ich (ihnen) gebe" anstatt „tue". S hat nach rf}f/h"n : <£.4*£"Yl* : ..und beschlossen habe" Pausazeichen.

Schmidt- Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

ich beschlossen habe, sie hoffen zu lassen (ihnen zu ver- sprechen).

Cap. 27 (38) Deshalb bin ich herabgestiegen und habe zu Abraham, Isaak und Jakob, euren Vätern, den Propheten, ge- ösprochen1, daß sie von unterhalb die Ruhe in die Himmel bringen2, und ich habe ihnen die rechte Hand dargeboten 3, die Taufe des Lebens und Erlaß und Vergebung alles Bösen, wie euch, so auch von nun an allen denjenigen, die an mich4 glauben (werden). Wer aber an mich glauben wird und trotz seines 10 Glaubens in meinem Namen5 mein Gebot nicht befolgt, | dem wird das zu gar keinem Nutzen. Umsonst6 hatte er das be-

S 1 htlCfr ' (I* Ärt<<.fl>"Vb i) „ich habe hoffen lassen". 7 h^it-ti- : Ah£ : 8 <D£/»H.fc und jetzt statt a)h9°P>

?iH»fc ' „auch von nun an".

1 1 AC om. fl)»f"<S,7CVt* * „und ich habe gesprochen", welches

im Kopt. allerdings fehlt, obwohl hier das Kopt. und Äthiop. auch sonst von einander abweichen. Im Texte steht das Verbum „gesprochen"

zweimal: „ich habe gesprochen und ihnen mitgeteilt, daß usw."

A hat für das andere Verbum fl)fl)(/»fljr|?,£n>* ' „und icü ^aDe

ihnen gegeben ", was vielleicht ein Vorgreifen desselben, in

der nächsten Zeile stehenden Wortes ist. 2) So lautet wörtlich

der äthiop. Text, wenn wir $9°f\Yk* h nicht, wie es Guerrier zu tun scheint, als für *£*0vK}t* » stehend auffassen, sondern in seiner Bedeutung als Subjunct. von y\9°Kh s übersetzen. Die Guerrier- sche Auffassung ergibt einen besseren Sinn und stimmt mit dem kopt. Text (XXI, 12) überein, aber bloß dem allgemeinen Sinne nach. Bei Guerrier: ..je leur ai annonce, aux enfers, le repos dans les cieux (oü) ils viendront". An den subjunctiven Charakter des £9° Rh» t erinnert im kopt. Text e/roirei &.&&A „damit sie herauskom- men" (Schmidt), was für das Äthiop. ein ursprüngliches *g,9°Rh* : mit *j&" für p" anstatt des von Guerrier wahrscheinlich heraus- gelesenen *g,oi>Kh* t vermuten läßt. S £tf»ft*h« : „sie werden kommen", od könnte auch für *,ß,fl)K"h« : (sie [sollen] heraus-

len) stehen. Diese Verba werden oft verwechselt in den Mss.

'■>) Bei Guerrier: „de raa main droite je leur ai donne etc " Im

Kopt. ist die Ergänzung ansicher. 4) ABC om. »flp : „an mich".

Bei Guerrier wird K°IT » t\tl9°? ' als Subject zum Prädikat KAfl»H!^fl4>^/,s aufgefaßt, also „sein Glauben an mich wird ihm keinen Nutzen bringen". Der in der deutschen Übersetzung ge- wählte Ausdruck entspricht genauer dem Koptischen (XXII, 5) e^qpgo.uofAopei n]n&.pen = „obwohl er hat bekannt meinen

Äthiopische und koptische libersetzung. 87

Koptisch

und was ich beschlossen habe, ihnen zu geben und zu schenken fraglose d-tu)}

ihnen. Deswegen nämlich (}'«(>) bin ich hinabgestiegen zu (dem Orte des)

Lazarus und habe gepredigt (den Gerechten (öixatog) und)

den Propheten (jtQog)^TTjc) t damit sie herauskommen aus der Ruhe (avctJcavGiq), 15 die unterhalb, und heraufgehen zu der, die sicli befindet (ober- halb .

XX11 Afi

(Und ich habe ausgegossen? mit'? meiner) rechten Hand) über sie

( ) des Lebens und Vergebung und Errettung

(vor allem (Bösen), sowie ich es euch getan habe und denen, die an mich glauben (jtiOzevsiv). Wenn aber (dt) einer

glaubt (jllOTtVELV)

5 an mich und) nicht tut meine Gebote (evTohj), obwohl er hat be- kannt {onoXoytlv) meinen Namen, so hat er keinen Nutzen (cocpüMv) davon und ist

14 diy.aioi xul 7igo(f>~jrai vgl. Matth. 13, 17; 10, 41. XXII 5) vgl.

1. Joh. 2, 4.

12 Äth.: „zu dem Orte des Lazarus" ausgelassen, ferner Z. 13: ..und habe zu Abraham, Isaak und Jakob, euren Vätern, den Pro- pheten gesprochen"; vgl. Syr. Didasc. cap. XXVI, ed. Achelis und Flemming, S. 145, Z. 24.

14 Äth.: „daß sie von unterhalb die Ruhe in die Himmel bringen".

XXII 1 Äth.: „und ich habe ihnen die rechte Hand dargeboten. die Taufe des Lebens und Erlaß und Vergebung alles Bösen". Der Text in Ko. lückenhaft, daher die Ergänzung unsicher. Der Ausdruck in Z. 1 „über sie" verlangt ein Wort wie „ausbreiten" oder „aus- gießen", doch bleibt unsicher, ob das Wort ..rechte Hand" im Ac- cusativ oder in präpositioneller Fassung zu ergänzen ist.

2 Streichern otmt^ii; Äth.: „die Taufe des Lebens"; nTecc^pea'ic oder nnfc^ivncM*. ist für die Lücke zu groß: vielleicht, nnAieo- ..das Wasser".

4 Äth. fügt hinzu: ..von nun an allen".

Namen" (Schmidt). Das äthiop. Yx0^ '• (\tl9°¥ '• kann seiner Stellung nach am besten als Ümstandsnebensatz aufgefaßt werden. 6) C add. 3Sft'/D : „denn umsonst usw."

S8 Schtnidt-Wajnberg: Episfcola apostoloruni.

Äthiopisch

vorzugt, was ihm vorzüglich schien1. Sein Ende ist dem Ver- derben2 bestimmt, der Strafe und dem großen Weh, denn er hat mein Gebot übertreten.

Cap. 28 (39) Euch aber habe ich es gegeben, die Kinder des o Lichtes dem Herrn 3 zu sein und rein von jedem Bösen und von jeder Gewalt der Strafe, und so werde ich auch denjenigen tun, die durch euch an mich glauben. Wie ich euch gesagt und ver- heißen habe, daß er (der, welcher an mich glaubt?) aus dem Gefängnis befreit, von den Fesseln losgebunden und von den 10 Lanzen4 und furchtbarem Feuerbrand gerettet wird". Und wir sagten ihm: „0 Herr, in allen Dingen5 hast du uns Freude be- reitet und Kühe verheißen. In Treu und Wahrheit6 hast du es

S 7 fl>'flhffi>«3r : „und .... auch durch euch . . .". ?iO.A

jF|<n>- j correct = ...... ich euch gesagt .... habe". flJ^rt^.tf**

Yi«3f|<fl>* : „und ich euch verheißen habe".

1) Guerrier: „en vain il prefere un genre de vie". fl£^ t heißt auch „eilen". S fl-**.^ : fl£^ s> Verbum mit innerem Infinitiv als Objekt, entspricht genau dem Kopt. (XXII, 7) [e»qnu)T <m oJvnooT (ebenfalls Verbum finitum mit innerem Infin.) „er lief einen eitlen Lauf". 2) A hat AäÖC * „dem Schmerz" für A^V7AS „«lern Ver-

derben". S fl?dC! „iQ (großem) Schmerz". C om. fl)Atf"Vk * »und der Strafe". 3) AB <0-A*£ •' MtLh'ttth.C ' „die Kinder des Herrn".

C = 0>-A-£ : -nCr> •■ (Da>-fc&ihtnHh'(\<h,C- „die Kinder des

Lichtes und die Kinder des Herrn". Im Texte fl?i'7li.J%*fl

th»C ! „die Kinder des Lichtes im Herrn". Sämtliche Lesarten dem Kopt. nujHpe nnojn^ widersprechend. 4) fl)?i{P,Vf*V"7" :

..von den Lanzen" könnte gut, entsprechend dem kopt. [ii]nelpxw,li die leichte Entstellung eines ursprünglichen fl>?iö»*?1*J'J^f" s „und von den Herrschern, den Gewaltigen" sein. Das Wort fehlt in C. Oder „vom Schwert". 5) B l\\](/D * „wie" anstatt flW"/V" ! „m

allen Dingen" entsprechend dem kopt. t^p. 6) Guerrier anders:

„ä cause de leur foi et de leur confiance". Das Koptische ist hier lückenhaft. S (Dn(\hal'i ' „und das Wahre".

7 Äth.: „umsonst hatte er das bevorzugt, was ihm vorzüglich schien"; ob die Ergänzung *.q[nu)T] „er ist gelaufen" richtig, bleibt ungewiß.

8 f. Ath.: „sein Ende ist dem Verderben bestimmt, der Strafe und dem großen Weh, denn er hat mein Gebot übertreten".

10 f. Äth.: „Euch aber habe ich es gegeben, die Kinder des Lichts dem Herrn zu sein und rein von jedem Bösen und von jeder Gewalt der Strafe"; s. die Note dazu.

Äthiopische und koptische Übersetzung. S9

Koptisch

(gelaufen einen) eitlen Lauf. Denn (yag) Derartige werden sieh befinden in Verlorensein und

(Verderben, weil sie haben) mißachtet (jtagavofiüv) meine Ge- bote (svtoZt}). 10 Um so mehr aber (6s) ihr), die Kinder des Lebens, ich habe erlöst (euch) von allem Bösen (xaxuv) und von (der Gewalt (ei-ovöia) der) Archonten (agxovTsg), und einen

jeden, der glaubt (jiiorsvsiv) (an) mich durch euch. Denn (yccg) was ich

gelobt habe (euch), werde (ich) auch ihnen geben, damit, wenn sie kommen 15 aus dem) Gefängnis und der Fessel der Archonten (agiovrsq)

XXIII

und dem gewaltigen Feuer". Wir antworteten und sprachen; zu ihm: „0 Herr, du hast nämlich (yccg) gegeben Ruhe des '

^Lebens uns/ und hast gegeben .... in "Wundern zur (Befestigung?) des Glaubens (jriöric), wirst du nun dieses selbst predigen 5 (uns), nachdem (sjiel)) du gepredigt hast den (Gerechten?)

7 vgl. Gal. 2, 2; Phil. 2, 16. 12 aQ/wreg vgl. Col. 2, 15.

XXI11 1 nvg vgl. Matth. 3, 10 u, ö.

12 f. Äth.: „und so werde ich auch denjenigen tun, die durch euch an mich glauben".

13 f. Ath.: „Wie ich euch gesagt und verheißen habe, daß er aus dem Gefängnis befreit, von den Fesseln losgebunden und von den Lanzen und furchtbarem Feuersbrand gerettet wird".

14 In Ko. steht der Finalsatz „damit" ohne Verbum, oder es ist Ä-s-nekCi st. «KTttjA-ei zu lesen, also „damit sie kommen".

2 f. Äth.: .,in allen Dingen hast du uns Freude bereitet und Ruhe verheißen. In Treu und Wahrheit hast du es unsern Vätern und Propheten verkündet, und so auch uns und Jedermann". Da- nach wäre Z. 2 zu ergänzen nen „uns" st. ner „ihnen". In Z. 3 wage ich keine Ergänzung des Substantivs. Der Äth. hat überhaupt keine Frage.

5 st. ne[n] „uns" viell. zu erg. ne[v] „ihnen". st. S[iv*ikajoc] „den Gerechten" nach Äth. vielleicht zu ergänzen nfneioTeJ „unsern Vätern"; vgl. aber XXI, 13.

90 Schmidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

unsern Vätern und Propheten verkündet, und so auch uns und Jedermann" l. Und er erwiderte uns: „Wahrlich, ich sage euch: euch und alle diejenigen, die an den, der mich gesandt, glauben oder (einst) glauben werden, die werde ich in den Himmel empor- 5 heben, (an den Ort) welchen der Vater den Erkorenen und Aller- auserwähltesten - bereitet hat, damit er (ihnen) die Kühe, die er verheißen, und das ewige Leben gebe.

Cap. 29 (40) Diejenigen aber, die sich gegen mein Gebot

vergehen3, Anderes lehren, etwas davon abziehen oder hinzu-

10 fügen, für ihre eigene Erhöhung arbeiten und diejenigen, die an

mich schlicht glauben, irreführen, " 4.

Und wir sagten ihm: „0 Herr, wird denn eine andere Lehre und Unheil vorhanden sein?" Er erwiderte uns: „Die Bösen werden ebenso enthüllt werden wie die Guten und diejenigen,

S 4 (Dtihh i statt (DttixM. : H <Dj&tf»£Tfp<»0- : ft

}x(l : „und sie werden irreführen diejenigen, die ....'' 12 J&h (ff'} s ..wird (denn) usw. . . ."

1) A oin. (Dh^D* '• AV5l : Ö*AW*A* * „un(l so auch uns und Jedermann". 2) Fehlt in den Yarr. AC in Übereinstimmung mit dem

Kopt. 3) ABC h(\(b * A^fcWTff •" sich gegen mein Gebot

vergangen haben", wie im Kopt. ne-r^gpnÄ.pÄ.noMei. S ßith'tlfh : A'hhHTfP : „sich gegen mein Gebot vergehen". Die Präposition Yi9°$ s nach ftflA * ist ziemlich selten. 4) Der Nachsatz fehlt

in ABCL; S hat h0%TP<10' * Arh7*«A ' = „die werde ich dem Verderben überliefern", was sowohl der Reconstruction Schmidt's wie dem erhaltenen kopt. (XXIV, 4) Ro-s-koA^cic widerspricht.

7 f. Ath.: „euch und alle, die ... . glauben oder einst glauben werden". Z. 8 am Ende ist wohl zu erg. [ne-r] oder [nerne.] „die da werden glauben".

11 f. Ath.: „den Auserwählten und den Allerauserwähltesten (om. AC), damit er (ihnen) die Ruhe, die er verheißen, und das ewige Leben gebe".

13 1. n[n*.enToAHl st. nfnertToAH].

14 Die Ergänzung [nnfeA] „außer" (dem Geschriebenen), ebenso /. 15 «.[■xiDo-y] ist zu streichen. Äth.: „etwas davon abziehen oder hinzufügen" (vgl. Apoc. Joh. 22, 18. 19).

15 Äth.: „für ihre eigene Erhöhung arbeiten", Ko. dem Sinne nach ergänzt.

XXIV 5 Ath.: „wird denn eine andere Lehre und Unheil vor- handen sein?'"

Äthiopische und koptische Übersetzung. 91

Koptisch

und den Propheten (xQocprjrrjc)?'' Da (roze) sprach er zu

(uns) : „Wahrlich nämlich (dtu?jv yag) ich sage euch: (Alle.) die geglaubt (jtioztvtiv) haben an mich (und die da) glauben (jciortvtiv) an den, der mich gesandt hat, werde ich führen) 10 hinauf in den Himmel, an den Ort, (den mein Vater (be- reitet) hat den Auserwählten, und ich werde euch geben das Reich, das auserwählte, in der Ruhe (dvdytavöig) und das ewige Le- ben. Die aber (dt), welche mißachtet (jiaQavontlv) (meine; Ge- bote (tvtolrj)

und gelehrt haben in andern Lehren, indem sie

15 das Geschriebene und hinzufügen, (indem sie erstreben)

XXIV

A^) (ihren' eigenen \Ruhm ), (und die) lehren in andern Worten (die, welche; glauben (jtiortvsiv) an mich in Aufrichtigkeit,

wenn (sie) sich durch Derartige zu Fall bringen lassen, (werden sie empfangen; ewige Strafe (xoXaGiQ)*. Wir sprachen 5 (aber (dt) zu ihm : .,0 Herr, (werden) denn (jirj) Lehren von (andern) existieren, abgesehen von dem, was (du uns gesagt

hast?" (Er sprach zu uns: „Es ist notwendig nämlich (/«(>), daß sie

existieren, damit (Ilvo) (die) Bösen und die Guten werden /offenbar) werden. Lnd also wird offenbar werden

9 vgl. Joh. 5, 24; 12, 44. 11 ol ixlexzoi vgl. Matth. 24, 22. 24. 31;

Marc. 13, 20. 12 iyco öüooj vfitv x^v l,cü}jv uIujviov vgl. Joh. 10, 28; IT, 2.

XXIV 1 vgl. Rom. 16, 17. 4 xöl.aotq alwviog Matth. 25, 26. 7 f. vgl. 1. Kor. 11, 19; Luc. 17, 1; 1. Joh. 2, 19.

7 Ath. hat den Vordersatz ganz weggelassen und den Finalsatz zum Hauptsatz gemacht.

9 Ath.: „Und darauf wird ihnen ein gerechtes Gericht zuteil werden'".

92 Schinidt-Wajnberg: Epistola apostolorum.

Äthiopisch

die Schönes tun *. Und darauf wird (ihnen) ein gerechtes Gericht 2 zuteil werden, ihren Taten gemäß, gemäß dem, was sie begangen hatten, und man wird sie ins Verderben stürzen"3. Und wir